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KPV
Lys-Pro-Val

KPV

Lysin-Prolin-Valin (Lys-Pro-Val), C-terminales Tripeptid des α-Melanozyten-stimulierenden Hormons (α-MSH 11–13)

342.44 g/mol Molekulargewicht
C₁₆H₃₀N₄O₄ Summenformel
Forschungspeptid – nicht von FDA/EMA für die Anwendung am Menschen zugelassen Status
Lys-Pro-Val (K-P-V), α-MSH(11–13)
KPV Photo: Pilan Filmes

Was ist das KPV-Peptid?

KPV ist ein Tripeptid, das aus den drei Aminosäuren Lysin (K), Prolin (P) und Valin (V) besteht – daher der Kurzname aus den Einbuchstaben-Codes. Es handelt sich um das C-terminale Fragment des α-Melanozyten-stimulierenden Hormons (α-MSH), genauer um die Aminosäuren 11 bis 13 dieses Hormons. Damit gehört KPV zur Familie der Melanocortin-Peptide, die im Körper eine breite Rolle in der Regulation von Entzündung, Pigmentierung und Immunantwort spielen.

Mit einem Molekulargewicht von rund 342,44 g/mol und der Summenformel C₁₆H₃₀N₄O₄ ist KPV eines der kleinsten biologisch aktiven Peptide, die in der Entzündungsforschung untersucht werden. Zum Vergleich: Das Ausgangshormon α-MSH umfasst 13 Aminosäuren, während KPV nur drei enthält. Diese Verkürzung ist entscheidend, denn KPV behält offenbar wesentliche entzündungshemmende Eigenschaften von α-MSH, während die pigmentierende und melanocortinrezeptorabhängige Wirkung weitgehend entfällt.

Das Interesse an KPV entstand aus der Beobachtung, dass α-MSH selbst starke immunmodulierende Effekte besitzt. Forschende suchten nach dem kleinsten Fragment, das diese Wirkung erhält, um ein einfacher herzustellendes und potenziell besser verträgliches Molekül zu erhalten. Die Arbeitsgruppen um Luger und Brzoska sowie um Merlin und Kollegen identifizierten die Tripeptidsequenz Lys-Pro-Val als aktives Kernstück – ein Ansatz, der in der Peptidforschung als „Minimalisierung auf die aktive Domäne" bekannt ist.

Wichtig für das Verständnis: KPV ist ein Forschungspeptid. Es ist weder von der US-amerikanischen FDA noch von der europäischen EMA für die Anwendung am Menschen zugelassen. Die vorhandenen Daten stammen überwiegend aus Zellkulturen und Tiermodellen. Wenn Sie sich für die Grundlagen solcher Moleküle interessieren, bietet unser Beitrag Was ist ein Peptid? eine hilfreiche Einordnung der Begriffe und Größenordnungen.

Wie wirkt KPV entzündungshemmend?

Der am besten charakterisierte Wirkmechanismus von KPV ist die Hemmung des Transkriptionsfaktors NF-κB (Nuclear Factor kappa-light-chain-enhancer of activated B cells). NF-κB ist ein zentraler „Hauptschalter" der Entzündungsantwort: Wird er durch Reize wie bakterielle Bestandteile, oxidativen Stress oder Zytokine aktiviert, wandert er in den Zellkern und schaltet dort die Gene zahlreicher proinflammatorischer Botenstoffe an.

KPV greift in diese Signalkaskade ein. In Zellstudien reduziert das Tripeptid die Aktivierung von NF-κB und damit die nachgeschaltete Produktion entzündungsfördernder Zytokine wie TNF-α, Interleukin-1β (IL-1β), IL-6 und IL-8. Auf molekularer Ebene wird beschrieben, dass KPV die Phosphorylierung und den Abbau des Inhibitorproteins IκB verlangsamt, wodurch NF-κB im Zytoplasma zurückgehalten wird und nicht in den Zellkern gelangt.

Bemerkenswert ist, dass KPV seine Wirkung teilweise rezeptorunabhängig entfalten kann. Während größere Melanocortine über spezifische Melanocortinrezeptoren (MC1R–MC5R) wirken, gelangt KPV auch direkt in die Zelle. Ein zentraler Aufnahmeweg ist der Peptidtransporter PepT1 (SLC15A1), der in entzündetem Darmgewebe vermehrt exprimiert wird. Dadurch reichert sich KPV bevorzugt dort an, wo Entzündung herrscht – ein Aspekt, der es für die Darmforschung besonders interessant macht.

Neben der NF-κB-Hemmung werden weitere Effekte diskutiert, darunter eine Modulation des MAP-Kinase-Signalwegs (insbesondere p38 und JNK) und ein Einfluss auf die Aktivität von Immunzellen wie Makrophagen und T-Zellen. In der Summe zeichnen die präklinischen Daten das Bild eines Peptids, das nicht einen einzelnen Rezeptor blockiert, sondern breit in die intrazelluläre Entzündungssignalgebung eingreift.

Es ist jedoch wichtig, diese Mechanismen als überwiegend präklinisch belegt einzuordnen. Vieles wurde in isolierten Zellen oder Nagetieren gezeigt; ob und in welchem Ausmaß sich diese Signalwege im menschlichen Organismus in klinisch relevante Effekte übersetzen, ist bislang nicht durch kontrollierte Studien am Menschen belegt.

Welche Rolle spielt KPV bei Darmentzündungen?

Der Darm ist das am intensivsten untersuchte Anwendungsfeld von KPV. Der Grund liegt in einer glücklichen Übereinstimmung von Transport und Zielgewebe: Der bereits erwähnte Peptidtransporter PepT1 ist normalerweise vor allem im Dünndarm aktiv, wird aber bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) auch im entzündeten Dickdarm hochreguliert. KPV wird über diesen Transporter effizient in Darmepithel- und Immunzellen aufgenommen.

In einer viel zitierten Arbeit von Dalmasso und Kollegen (2008) zeigte die orale Gabe von KPV in Mausmodellen der Colitis eine deutliche Verringerung von Entzündungsmarkern, Gewichtsverlust und histologischen Schäden. Bemerkenswert war die geringe wirksame Dosis: Bereits sehr niedrige Konzentrationen genügten, was auf eine hohe Effizienz des transporterabhängigen Aufnahmewegs hindeutet. Kannengiesser und Kollegen bestätigten in weiteren murinen CED-Modellen ein entzündungshemmendes Potenzial des Tripeptids.

Der postulierte Mechanismus im Darm folgt dem oben beschriebenen Muster: Aufnahme über PepT1, Hemmung von NF-κB in Epithel- und Immunzellen, Reduktion proinflammatorischer Zytokine und dadurch Schutz der Darmbarriere. In neueren Ansätzen wurde KPV zudem in Nanopartikel verpackt, um es gezielt und in noch geringerer Dosis an entzündete Darmabschnitte zu bringen – ein Feld, das die Arbeitsgruppe um Xiao und Merlin vorangetrieben hat.

Aus diesen Daten leiten manche Anwender die Hypothese ab, KPV könne bei Beschwerden wie Reizdarm, „leaky gut" oder entzündlichen Darmerkrankungen unterstützend wirken. Hier ist jedoch ausdrückliche Vorsicht geboten: Sämtliche belastbaren Wirksamkeitsdaten stammen aus Tiermodellen. Es gibt derzeit keine abgeschlossenen, kontrollierten klinischen Studien am Menschen, die eine therapeutische Wirkung von KPV bei CED belegen. KPV ist kein zugelassenes Arzneimittel und ersetzt keine etablierte Therapie.

Wer sich mit der Darmgesundheit und Peptiden beschäftigt, stößt häufig auch auf BPC-157, das ebenfalls für gastrointestinale Fragestellungen erforscht wird. Beide Peptide verfolgen unterschiedliche Mechanismen, was wir im Vergleichsabschnitt genauer beleuchten.

Kann KPV der Haut und Wundheilung helfen?

Das zweite große Forschungsfeld von KPV ist die Haut. Das ist naheliegend, denn das Ausgangshormon α-MSH spielt eine anerkannte Rolle in der kutanen Immunregulation und wird von Hautzellen selbst produziert. KPV als aktives Fragment übernimmt einen Teil dieser entzündungshemmenden Eigenschaften, ohne die starke pigmentierende Wirkung des vollständigen Hormons.

In dermatologischen Zell- und Tiermodellen wurde beobachtet, dass KPV die Freisetzung entzündlicher Zytokine in Keratinozyten und Immunzellen der Haut dämpft. Daraus ergibt sich ein Forschungsinteresse für entzündliche Hauterkrankungen wie atopische Dermatitis (Neurodermitis), Kontaktdermatitis und Akne, bei denen eine überschießende Entzündungsantwort eine zentrale Rolle spielt. Zusätzlich wird KPV eine mögliche antimikrobielle Komponente zugeschrieben, die im Kontext von Akne und infizierten Wunden untersucht wird.

Auch die Wundheilung ist ein Thema. Da eine kontrollierte, zeitlich begrenzte Entzündung für die Heilung notwendig, eine chronische Überentzündung aber hinderlich ist, könnte ein Molekül, das die Entzündungsphase moduliert, theoretisch die Regeneration unterstützen. In präklinischen Modellen wurden Hinweise auf eine beschleunigte Abheilung und reduzierte Entzündung im Wundareal beschrieben. Diese Ergebnisse sind vielversprechend, aber noch nicht durch klinische Studien am Menschen bestätigt.

Im kosmetischen Kontext wird KPV gelegentlich neben etablierten Wirkstoffen genannt. Anders als kollagenstimulierende Peptide wie Matrixyl 3000 oder muskelrelaxierende Sequenzen wie Argireline zielt KPV nicht auf Faltenglättung oder Kollagensynthese, sondern primär auf die Beruhigung von Entzündung. Einen breiteren Überblick über hautwirksame Peptide bietet unser Artikel Peptide für die Haut.

Für die Praxis gilt auch hier: KPV ist kein zugelassener Wirkstoff für Hauterkrankungen. Bei entzündlichen Hautproblemen ist eine ärztliche oder dermatologische Abklärung der richtige Weg; die hier beschriebenen Effekte sind Gegenstand der Forschung und keine belegte Behandlungsempfehlung.

Wie unterscheidet sich KPV von BPC-157?

KPV und BPC-157 werden in der Community häufig zusammen genannt, weil beide für Entzündung und Geweberegeneration erforscht werden. Ihre Herkunft, Größe und ihr Wirkprinzip unterscheiden sich jedoch grundlegend. KPV ist ein körpernahes Fragment eines Hormons (α-MSH), während BPC-157 ein synthetisches Peptid ist, das von einem Schutzprotein des Magensafts abgeleitet wurde.

Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Merkmale gegenüber:

MerkmalKPVBPC-157
Länge3 Aminosäuren (Lys-Pro-Val)15 Aminosäuren
Molekulargewicht≈ 342 g/mol≈ 1.419 g/mol
HerkunftC-terminales Fragment von α-MSHFragment eines Magenschutzproteins (BPC)
HauptmechanismusNF-κB-Hemmung, ZytokinreduktionAngiogenese, Wachstumsfaktoren, NO-System
Schwerpunkt der ForschungEntzündung (Darm, Haut)Gewebereparatur (Sehnen, Darm, Muskel)
ZulassungKeine (Forschungspeptid)Keine (Forschungspeptid)

Vereinfacht lässt sich sagen: KPV ist primär entzündungshemmend, während BPC-157 stärker auf Gewebeaufbau und Durchblutung ausgerichtet ist. BPC-157 fördert in Tiermodellen die Angiogenese und die Wirkung von Wachstumsfaktoren, was die Heilung von Sehnen, Bändern und Schleimhäuten beschleunigen soll. KPV setzt weiter oben in der Signalkette an und drosselt die entzündliche Reaktion selbst.

Aufgrund dieser komplementären Profile werden die beiden Peptide gelegentlich gemeinsam erforscht, insbesondere im gastrointestinalen Bereich, wo eine Kombination aus Entzündungsdämpfung (KPV) und Barrierereparatur (BPC-157) theoretisch synergistisch wirken könnte. Solche Kombinationen sind jedoch reine Forschungshypothesen; verlässliche Daten zur Kombination am Menschen existieren nicht. Wer das Prinzip des Kombinierens verstehen möchte, findet in unserem Beitrag Peptide-Stacking eine sachliche Einordnung der Chancen und Risiken.

Die Wahl zwischen den beiden Peptiden – sofern man überhaupt im legalen Forschungsrahmen damit arbeitet – hängt also vom untersuchten Ziel ab: Steht die Entzündung im Vordergrund, ist KPV konzeptionell näher; geht es um strukturelle Gewebereparatur, wird eher BPC-157 diskutiert.

Wie wird KPV in der Forschung dosiert und angewendet?

Zunächst eine unmissverständliche Einordnung: Für KPV existiert kein zugelassenes Dosierungsschema für den Menschen. Es gibt keine von einer Zulassungsbehörde geprüfte Anwendung, keine standardisierte Dosis und keine offiziellen Sicherheitsgrenzwerte. Die folgenden Angaben beschreiben ausschließlich, welche Größenordnungen und Applikationswege in der präklinischen Literatur und in Anwenderberichten auftauchen – sie sind keine Empfehlung.

In der Forschung werden für KPV mehrere Applikationswege beschrieben. Orale Gabe ist im Darmkontext besonders relevant, weil das Peptid über PepT1 direkt in die Darmschleimhaut aufgenommen wird; dies war der Weg der zentralen Colitis-Studien. Topische Anwendung wird im Hautkontext untersucht, etwa in Cremes oder Gelen. Subkutane Injektion wird von Anwendern für systemische Zwecke genannt, ist aber in der wissenschaftlichen Literatur weniger klar belegt.

Die in Anwenderberichten häufig kolportierten Größenordnungen liegen im Bereich von etwa 200 bis 500 Mikrogramm pro Tag bei injizierter Anwendung, wobei diese Zahlen nicht aus kontrollierten Humanstudien stammen und keinerlei wissenschaftliche Validierung besitzen. Die folgende Übersicht fasst zusammen, was in der Literatur und in der Praxis diskutiert wird – ausdrücklich ohne Empfehlungscharakter:

ApplikationswegDiskutierter KontextAnmerkung
Oral (Kapsel/Lösung)DarmentzündungNutzt PepT1-Aufnahme; Grundlage der Tiermodell-Daten
Topisch (Creme/Gel)Entzündliche HauterkrankungenLokale Wirkung, geringe systemische Belastung
Subkutan (Injektion)Systemische EntzündungWenig publizierte Datenbasis

KPV wird typischerweise als lyophilisiertes (gefriergetrocknetes) Pulver geliefert und muss vor der Verwendung rekonstituiert werden, meist mit bakteriostatischem Wasser. Wer die Grundlagen der Rekonstitution und Konzentrationsberechnung verstehen möchte, kann sich mit Werkzeugen wie unserem Peptide Lab mit den zugrunde liegenden Rechenwegen vertraut machen – im Bewusstsein, dass dies dem Verständnis dient und keine Aufforderung zur Anwendung darstellt.

Medizinischer Hinweis: Dieser Abschnitt dient ausschließlich Bildungszwecken. Die Selbstanwendung nicht zugelassener Peptide kann erhebliche Risiken bergen, unter anderem durch Verunreinigungen, falsche Dosierung und unbekannte Langzeitwirkungen. Konsultieren Sie vor jeder gesundheitsbezogenen Entscheidung eine qualifizierte medizinische Fachperson.

Ist KPV sicher und welche Grenzen hat die Evidenz?

Die Frage nach der Sicherheit von KPV lässt sich ehrlich nur so beantworten: Das Sicherheitsprofil beim Menschen ist nicht ausreichend charakterisiert. In präklinischen Studien gilt KPV als gut verträglich, und ein theoretischer Vorteil ist seine geringe Größe und die Herkunft aus einem körpereigenen Hormon, was die Wahrscheinlichkeit starker immunologischer Reaktionen verringern könnte. Dennoch ersetzen tierexperimentelle Beobachtungen keine kontrollierten Humandaten.

Ein oft angeführtes Argument für ein günstiges Profil ist, dass KPV die pigmentierende, melanocortinrezeptorabhängige Wirkung von α-MSH weitgehend nicht besitzt und primär über die Hemmung von Entzündungssignalen wirkt. Das reduziert bestimmte hormonelle Nebenwirkungen, sagt aber nichts über andere mögliche Effekte bei längerer oder höher dosierter Anwendung aus. Die Datenlage zu Langzeitwirkungen, zu Wechselwirkungen mit Medikamenten und zur Anwendung in besonderen Gruppen (Schwangerschaft, Vorerkrankungen) ist praktisch nicht vorhanden.

Ein häufig unterschätztes Risiko liegt nicht im Molekül selbst, sondern in der Produktqualität. Da KPV ausschließlich als Forschungschemikalie gehandelt wird, unterliegt es keiner pharmazeutischen Qualitätskontrolle. Verunreinigungen, falsche Konzentrationsangaben, Endotoxine oder eine schlicht falsche Substanz sind reale Gefahren auf dem grauen Markt. Diese Qualitätsrisiken sind bei injizierbaren Präparaten besonders ernst zu nehmen.

Für eine faire Bewertung ist es zentral, den Reifegrad der Evidenz zu benennen. Die Belege für KPV bestehen aus Zellstudien und Tiermodellen, ergänzt um mechanistische Untersuchungen. Es fehlen die entscheidenden Stufen der klinischen Prüfung: kontrollierte, randomisierte Studien am Menschen, die Wirksamkeit und Sicherheit unter realen Bedingungen zeigen. Bis solche Daten vorliegen, bleibt jede Aussage über den Nutzen beim Menschen eine Hypothese.

Medizinischer Hinweis: KPV ist nicht dazu bestimmt, Krankheiten zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder ihnen vorzubeugen. Wenn Sie unter entzündlichen Darm- oder Hauterkrankungen leiden, wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt. Weitere Hinweise finden Sie in unserem medizinischen Haftungsausschluss.

Welchen rechtlichen und regulatorischen Status hat KPV?

KPV ist ein Forschungspeptid und besitzt weder in den USA noch in der Europäischen Union eine Zulassung als Arzneimittel oder als Nahrungsergänzungsmittel. In der Praxis wird es unter dem Etikett „nur für Forschungszwecke" (research use only) gehandelt, was bedeutet, dass es ausdrücklich nicht für die Anwendung am oder im Menschen bestimmt ist.

Der rechtliche Status unterscheidet sich je nach Land teils erheblich. In vielen Jurisdiktionen ist der Besitz zu reinen Forschungszwecken in einem Laborkontext möglich, während der Verkauf für den menschlichen Konsum oder die Bewerbung mit gesundheitsbezogenen Aussagen unzulässig ist. In Deutschland, Österreich und der Schweiz gelten strenge Regeln des Arzneimittel- und Heilmittelrechts; nicht zugelassene Substanzen als Therapeutika anzubieten, ist grundsätzlich untersagt. Informieren Sie sich stets über die konkrete Rechtslage in Ihrem Land, bevor Sie sich mit solchen Substanzen befassen.

Auch im Sport ist der Status zu beachten. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) führt zahlreiche Peptide, insbesondere solche mit Wirkung auf Hormone, Wachstumsfaktoren oder Immunfunktion, auf ihrer Verbotsliste. Melanocortin-Derivate stehen dabei besonders im Fokus. Wettkampfsportlerinnen und -sportler sollten daher davon ausgehen, dass die Anwendung solcher Substanzen zu einem Verstoß gegen Anti-Doping-Regeln führen kann.

Die regulatorische Realität lässt sich so zusammenfassen: KPV bewegt sich in einer Grauzone, in der wissenschaftliches Interesse und rechtliche Zulässigkeit deutlich auseinanderfallen. Das mechanistische Potenzial ist real und Gegenstand ernsthafter Forschung, aber die Übersetzung in ein zugelassenes Produkt hat nicht stattgefunden. Diese Lücke ist kein Detail, sondern der entscheidende Rahmen für jede Entscheidung.

Wer die Peptidforschung als Feld verstehen möchte, findet in unserem Peptid-Glossar die zentralen Begriffe erklärt und in unserer redaktionellen Leitlinie die Grundsätze, nach denen wir diese Inhalte ausschließlich zu Bildungszwecken aufbereiten.

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Häufig gestellte Fragen zu KPV

Wofür steht die Abkürzung KPV?
KPV steht für die Aminosäuresequenz Lysin-Prolin-Valin, geschrieben in den Einbuchstaben-Codes K, P und V. Es handelt sich um das C-terminale Tripeptid des α-Melanozyten-stimulierenden Hormons (α-MSH), konkret um dessen Aminosäuren 11 bis 13. KPV ist damit das kleinste aktive Fragment, das wesentliche entzündungshemmende Eigenschaften des größeren Hormons behält.
Wie hemmt KPV Entzündungen auf molekularer Ebene?
Der zentrale Mechanismus ist die Hemmung des Transkriptionsfaktors NF-κB, eines Hauptschalters der Entzündungsantwort. Indem KPV die Aktivierung von NF-κB dämpft, reduziert es in präklinischen Modellen die Produktion proinflammatorischer Zytokine wie TNF-α, IL-1β, IL-6 und IL-8. Im Darm wird KPV zusätzlich über den Peptidtransporter PepT1 gezielt in entzündetes Gewebe aufgenommen.
Ist KPV für den Menschen zugelassen?
Nein. KPV ist ein Forschungspeptid ohne Zulassung durch FDA oder EMA. Es wird ausschließlich unter dem Etikett „nur für Forschungszwecke" gehandelt und ist nicht für die Anwendung am oder im Menschen bestimmt. Nahezu alle Wirksamkeitsdaten stammen aus Zell- und Tierstudien; kontrollierte klinische Studien am Menschen fehlen weitgehend.
Was ist der Unterschied zwischen KPV und BPC-157?
KPV ist ein Tripeptid aus dem Hormon α-MSH und wirkt primär entzündungshemmend über die Hemmung von NF-κB. BPC-157 ist ein 15-Aminosäuren-Peptid aus einem Magenschutzprotein und ist stärker auf Gewebereparatur, Angiogenese und Wachstumsfaktoren ausgerichtet. KPV dämpft also die Entzündung selbst, während BPC-157 eher den Wiederaufbau von Gewebe fördert.
Kann KPV bei entzündlichen Darmerkrankungen helfen?
In Tiermodellen der Colitis reduziert oral verabreichtes KPV Entzündungsmarker und Gewebeschäden, da es über den bei Entzündung hochregulierten Transporter PepT1 gezielt aufgenommen wird. Diese Ergebnisse sind vielversprechend, stammen aber ausschließlich aus präklinischen Studien. Es existieren keine abgeschlossenen kontrollierten Humanstudien, die einen therapeutischen Nutzen belegen. KPV ersetzt keine etablierte Therapie.
Welche Anwendungen für die Haut werden untersucht?
Da das Ausgangshormon α-MSH die Hautimmunität mitreguliert, wird KPV für entzündliche Hauterkrankungen wie atopische Dermatitis, Kontaktdermatitis und Akne erforscht, teils mit möglicher antimikrobieller Komponente. Auch eine Unterstützung der Wundheilung durch Modulation der Entzündungsphase wird diskutiert. Diese Effekte sind präklinisch beschrieben, aber nicht durch klinische Studien am Menschen bestätigt.
Welche Dosierung wird für KPV verwendet?
Es gibt kein zugelassenes oder wissenschaftlich validiertes Dosierungsschema für den Menschen. In Anwenderberichten werden für injizierte Anwendungen Größenordnungen von etwa 200 bis 500 Mikrogramm pro Tag genannt, doch diese Zahlen stammen nicht aus kontrollierten Studien und besitzen keinen Empfehlungscharakter. Applikationswege umfassen orale Gabe, topische Anwendung und subkutane Injektion, je nach untersuchtem Kontext.
Ist die Anwendung von KPV sicher?
Das Sicherheitsprofil beim Menschen ist nicht ausreichend charakterisiert. In Tierstudien gilt KPV als gut verträglich, und das Fehlen der pigmentierenden α-MSH-Wirkung reduziert bestimmte hormonelle Effekte. Es fehlen jedoch Daten zu Langzeitwirkungen und Wechselwirkungen. Ein zusätzliches Risiko ist die fehlende pharmazeutische Qualitätskontrolle bei Forschungschemikalien. Konsultieren Sie vor jeder gesundheitsbezogenen Entscheidung eine medizinische Fachperson.

Quellen

  1. Dalmasso G, Charrier-Hisamuddin L, Nguyen HT, et al. (2008). PepT1-mediated tripeptide KPV uptake reduces intestinal inflammation. Gastroenterology.
  2. Kannengiesser K, Maaser C, Heidemann J, et al. (2008). Melanocortin-derived tripeptide KPV has anti-inflammatory potential in murine models of inflammatory bowel disease. Inflammatory Bowel Diseases.
  3. Brzoska T, Luger TA, Maaser C, et al. (2008). Alpha-melanocyte-stimulating hormone and related tripeptides: biochemistry, antiinflammatory and protective effects in vitro and in vivo, and future perspectives for the treatment of immune-mediated inflammatory diseases. Endocrine Reviews.
  4. Luger TA, Brzoska T. (2007). alpha-MSH related peptides: a new class of anti-inflammatory and immunomodulating drugs. Annals of the Rheumatic Diseases.
  5. Xiao B, Xu Z, Viennois E, et al. (2017). Orally targeted delivery of tripeptide KPV via hyaluronic acid-functionalized nanoparticles efficiently alleviates ulcerative colitis. Molecular Therapy.
  6. Getting SJ, Schiöth HB, Perretti M. (2003). Dissection of the anti-inflammatory effect of the core and C-terminal (KPV) alpha-melanocyte-stimulating hormone peptides. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics.

Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie einen Arzt, bevor Sie Entscheidungen treffen. Unseren vollständigen medizinischen Haftungsausschluss lesen

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