Das Wichtigste in Kürze
  • Gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung sind die mit Abstand häufigsten Nebenwirkungen von GLP-1- und GIP/GLP-1-Agonisten und treten vor allem in der Anfangs- und Dosissteigerungsphase auf.
  • Eine langsame, schrittweise Dosissteigerung (Titration) gilt in den Zulassungsstudien als wichtigster Ansatz, um Verträglichkeit zu verbessern und Therapieabbrüche zu verringern.
  • Seltenere, aber dokumentierte Ereignisse umfassen Gallenblasenerkrankungen, akute Pankreatitis und in Fachinformationen genannte Warnhinweise; die Häufigkeiten unterscheiden sich je nach Wirkstoff und Studie.
  • Kontraindikationen und Warnhinweise wie eine Eigen- oder Familienanamnese für medulläres Schilddrüsenkarzinom oder MEN 2 sind produktspezifisch und in den jeweiligen Fachinformationen festgelegt.
  • Das sogenannte Ozempic Face beschreibt Veränderungen des Gesichtsvolumens infolge des Gewichtsverlusts, nicht eine direkte Wirkstoffwirkung; nach dem Absetzen ist in Studien häufig eine erneute Gewichtszunahme dokumentiert.

Was sind GLP-1-Agonisten und warum haben sie Nebenwirkungen?

GLP-1-Rezeptoragonisten sind Wirkstoffe, die das körpereigene Darmhormon Glucagon-like Peptide-1 nachahmen. Zu dieser Gruppe gehören Semaglutid (Ozempic, Wegovy, Rybelsus), Liraglutid (Victoza, Saxenda) sowie neuere duale und dreifache Rezeptoragonisten wie Tirzepatid (Mounjaro, Zepbound), das zusätzlich am GIP-Rezeptor wirkt, und das noch in klinischer Prüfung befindliche Retatrutid, das drei Rezeptoren adressiert. Einen grundlegenden Überblick über diese Substanzklasse bietet unser GLP-1 Ratgeber.

Diese Substanzen binden an Rezeptoren, die nicht nur in der Bauchspeicheldrüse, sondern auch im Magen-Darm-Trakt, im Gehirn und in anderen Geweben vorkommen. Sie steigern die glukoseabhängige Insulinausschüttung, verlangsamen die Magenentleerung und beeinflussen Sättigungssignale im zentralen Nervensystem. Genau diese Mechanismen erklären sowohl die erwünschten Effekte auf Blutzucker und Körpergewicht als auch einen großen Teil der Nebenwirkungen.

Weil GLP-1-Rezeptoren im gesamten Verdauungssystem verteilt sind, wirken sich die Substanzen unmittelbar auf die Magen-Darm-Funktion aus. Die verlangsamte Magenentleerung trägt zum Sättigungsgefühl bei, kann aber gleichzeitig Übelkeit, Völlegefühl und Erbrechen begünstigen. Nebenwirkungen sind bei dieser Wirkstoffklasse also kein zufälliges Randphänomen, sondern eng mit dem eigentlichen Wirkprinzip verknüpft.

Die vorliegende Übersicht stützt sich auf die randomisierten Zulassungsstudien (unter anderem die STEP- und SURMOUNT-Programme), auf Fachinformationen und auf Pharmakovigilanzdaten. Sie ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Wer eine solche Therapie erwägt oder bereits anwendet, sollte Nutzen und Risiken stets mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen. Weitere allgemeine Hinweise finden Sie in unserem medizinischen Haftungsausschluss.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar.

Welche Magen-Darm-Beschwerden sind am häufigsten?

Die mit Abstand häufigsten Nebenwirkungen aller GLP-1- und GIP/GLP-1-Agonisten betreffen den Magen-Darm-Trakt. In den Zulassungsstudien standen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung im Vordergrund. Diese Beschwerden sind überwiegend leicht bis mittelschwer ausgeprägt und treten typischerweise zu Beginn der Behandlung sowie bei jeder Dosissteigerung auf.

In den STEP-Studien mit Semaglutid berichtete ein Großteil der Teilnehmenden über mindestens eine gastrointestinale Nebenwirkung, wobei Übelkeit am häufigsten genannt wurde. Auch im SURMOUNT-Programm mit Tirzepatid gehörten Übelkeit, Durchfall und Verstopfung zu den am häufigsten dokumentierten unerwünschten Ereignissen. Trotz dieser hohen Häufigkeit führten die Beschwerden nur bei einer Minderheit der Teilnehmenden zum Abbruch der Behandlung.

Charakteristisch ist der zeitliche Verlauf: Die Symptome sind meist vorübergehend und nehmen mit fortlaufender Behandlung und Gewöhnung an die jeweilige Dosis häufig ab. Viele Betroffene beschreiben, dass Übelkeit vor allem in den ersten Tagen nach einer Dosiserhöhung auftritt und sich anschließend bessert. Dennoch erleben manche Personen anhaltende Beschwerden, die eine Anpassung der Dosis oder in Einzelfällen ein Absetzen erforderlich machen.

Die folgende Tabelle fasst typische gastrointestinale Beschwerden zusammen, wie sie in den Fachinformationen und Studien beschrieben werden:

BeschwerdeTypischer VerlaufHäufige Auslösesituation
ÜbelkeitMeist vorübergehend, oft in den ersten WochenTherapiebeginn, Dosissteigerung, große Mahlzeiten
ErbrechenSeltener als Übelkeit, meist mildHöhere Dosen, fettreiche Mahlzeiten
DurchfallVorübergehend bis intermittierendAnfangsphase, Dosisanpassung
VerstopfungKann länger anhaltenReduzierte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme

Wichtig ist, dass anhaltendes oder schweres Erbrechen zu Flüssigkeitsverlust und in der Folge zu Dehydratation führen kann, was wiederum die Nierenfunktion belasten kann. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr und ärztliche Rücksprache bei anhaltenden Symptomen sind daher wichtig.

Wie lassen sich Nebenwirkungen durch Titration reduzieren?

Der wichtigste Ansatz zur Verbesserung der Verträglichkeit ist die Titration, also die schrittweise Steigerung der Dosis über mehrere Wochen. Alle zugelassenen GLP-1- und GIP/GLP-1-Agonisten werden nach einem festgelegten Titrationsschema eingeführt, das mit einer niedrigen Anfangsdosis beginnt und diese in definierten Intervallen erhöht, bis die Erhaltungsdosis erreicht ist.

Das Prinzip dahinter ist, dem Körper Zeit zur Anpassung an die verlangsamte Magenentleerung und die veränderten Sättigungssignale zu geben. Semaglutid wird beispielsweise in der Adipositas-Indikation über mehrere Monate schrittweise gesteigert. Ein zu schnelles Erhöhen der Dosis erhöht in der Praxis das Risiko für Übelkeit und Erbrechen. In manchen Fällen wird eine geplante Dosissteigerung verschoben oder eine niedrigere Dosis vorübergehend beibehalten, wenn die Verträglichkeit noch nicht ausreichend ist.

Neben der Titration werden in Leitlinien und Fachinformationen unterstützende, nicht-medikamentöse Maßnahmen beschrieben. Dazu zählen kleinere Portionen, langsameres Essen, das Vermeiden sehr fettreicher oder stark gewürzter Speisen sowie eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Diese Maßnahmen können individuell unterschiedlich hilfreich sein und ersetzen keine ärztliche Beratung.

Die folgende Übersicht zeigt beispielhaft, wie Titration und begleitende Maßnahmen zusammenwirken:

AnsatzZiel
Niedrige StartdosisAnpassung des Verdauungssystems ermöglichen
Schrittweise ErhöhungSpitzen bei Übelkeit und Erbrechen abmildern
Verzögerte Dosissteigerung bei BedarfVerträglichkeit vor weiterer Erhöhung sichern
Angepasste ErnährungSymptome durch Portionsgröße und Nahrungsauswahl mindern

Verträglichkeitsstrategien sollten immer mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden. Eigenmächtige Änderungen des Titrationsschemas oder der Dosis können den Behandlungserfolg und die Sicherheit beeinträchtigen. Wer sich für die praktische Dokumentation von Anwendungszyklen interessiert, findet allgemeine Hilfsmittel wie unseren Peptide Lab, der jedoch keine medizinische Anleitung darstellt.

Welche selteneren Nebenwirkungen sind dokumentiert?

Über die häufigen Magen-Darm-Beschwerden hinaus sind in Studien und Fachinformationen mehrere seltenere, teils schwerwiegendere Ereignisse dokumentiert. Dazu gehören Erkrankungen der Gallenblase, insbesondere Gallensteine (Cholelithiasis) und Gallenblasenentzündung, die unter anderem mit einem raschen Gewichtsverlust in Verbindung gebracht werden.

Ein weiteres in den Fachinformationen genanntes Risiko ist die akute Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung). Sie tritt selten auf, gilt aber als potenziell schwerwiegend. Anhaltende, starke Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können, gelten als Warnsignal, bei dem umgehend ärztliche Hilfe gesucht werden sollte. In den Fachinformationen wird empfohlen, die Therapie bei Verdacht auf eine Pankreatitis abzusetzen.

Weitere dokumentierte oder in den Produktinformationen erwähnte Beobachtungen umfassen Reaktionen an der Injektionsstelle, erhöhte Herzfrequenz, Müdigkeit sowie in einzelnen Analysen ein möglicherweise erhöhtes Risiko für eine diabetische Retinopathie unter bestimmten Bedingungen, insbesondere bei sehr schneller Blutzuckerverbesserung. Bei Personen, die gleichzeitig blutzuckersenkende Medikamente wie Insulin oder Sulfonylharnstoffe einnehmen, kann das Risiko für Unterzuckerungen (Hypoglykämien) erhöht sein.

Darüber hinaus wurde in der öffentlichen Diskussion und in Fallberichten über weitere mögliche Zusammenhänge berichtet, etwa zu Stimmung und psychischem Befinden. Die Datenlage hierzu ist uneinheitlich, und ein kausaler Zusammenhang ist nicht in allen Fällen belegt. Solche Signale werden über Pharmakovigilanzsysteme fortlaufend beobachtet und bewertet.

Diese Aufzählung ist nicht vollständig und ersetzt nicht die jeweils gültige Fachinformation. Bei ungewöhnlichen oder anhaltenden Symptomen sollten Sie umgehend medizinischen Rat einholen.

Welche Kontraindikationen und Warnhinweise gibt es?

GLP-1- und GIP/GLP-1-Agonisten sind nicht für alle Personen geeignet. Die Kontraindikationen und Warnhinweise sind produktspezifisch und in den jeweiligen Fachinformationen festgelegt. Ein besonders hervorgehobener Warnhinweis betrifft eine Eigen- oder Familienanamnese für ein medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC) sowie das Syndrom der multiplen endokrinen Neoplasie Typ 2 (MEN 2).

Dieser Warnhinweis geht auf Beobachtungen in Nagetierstudien zurück, in denen bestimmte GLP-1-Agonisten dosisabhängig C-Zell-Tumoren der Schilddrüse auslösten. Ob dieser Befund auf den Menschen übertragbar ist, ist nicht abschließend geklärt. Aus Vorsichtsgründen sind entsprechende Warnhinweise in den Produktinformationen mehrerer Wirkstoffe enthalten.

Weitere in den Fachinformationen genannte Situationen, die eine besondere ärztliche Abwägung erfordern, umfassen eine vorbekannte Pankreatitis, schwere Magen-Darm-Erkrankungen wie eine ausgeprägte Gastroparese sowie eine bekannte Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff. Auch bei Schwangerschaft und Stillzeit werden diese Substanzen in der Regel nicht empfohlen, und in den Adipositas-Indikationen wird ein Absetzen vor einer geplanten Schwangerschaft thematisiert.

Ein weiterer praktischer Aspekt betrifft geplante Operationen und Eingriffe mit Narkose. Aufgrund der verlangsamten Magenentleerung gibt es Fachdiskussionen und Empfehlungen zum Umgang mit GLP-1-Agonisten vor Eingriffen, um das Risiko einer Aspiration zu verringern. Betroffene sollten die Anwendung vor geplanten Eingriffen mit dem behandelnden Team besprechen.

Ob eine Behandlung geeignet ist, kann nur eine qualifizierte medizinische Fachperson auf Basis der individuellen Krankengeschichte entscheiden. Die hier genannten Punkte sind eine unvollständige Zusammenfassung und ersetzen keine ärztliche Beratung.

Was ist das sogenannte Ozempic Face?

Der populäre Begriff Ozempic Face beschreibt sichtbare Veränderungen im Gesicht, die manche Menschen unter einer GLP-1-Therapie bemerken: eingefallene Wangen, betontere Falten und ein insgesamt schlafferes Erscheinungsbild. Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich nicht um eine direkte pharmakologische Wirkung des Wirkstoffs, sondern um eine Folge des raschen und deutlichen Gewichtsverlusts.

Bei einem schnellen Verlust von Körperfett nimmt auch das Volumen des subkutanen Fettgewebes im Gesicht ab. Da das Gesicht relativ wenig Fettreserven besitzt und diese kosmetisch stark ins Gewicht fallen, können bereits moderate Gewichtsveränderungen dort auffällig werden. Derselbe Effekt kann grundsätzlich bei jeder Form eines deutlichen Gewichtsverlusts auftreten, unabhängig von der Methode.

Ähnliche umgangssprachliche Begriffe wie Ozempic Butt oder Ozempic Hands beschreiben denselben zugrunde liegenden Mechanismus in anderen Körperregionen. Diese Veränderungen sind kein medizinisches Warnsignal im engeren Sinne, sondern eine ästhetische Begleiterscheinung, die individuell unterschiedlich wahrgenommen wird.

In der dermatologischen und ästhetischen Fachliteratur werden verschiedene Ansätze diskutiert, um das Erscheinungsbild zu beeinflussen, etwa ein langsamerer Gewichtsverlust, eine ausreichende Eiweißzufuhr und Krafttraining zum Erhalt der Muskelmasse. Diese Aspekte sollten bei Bedarf mit medizinischen oder ernährungsmedizinischen Fachpersonen besprochen werden. Grundlagen zu Peptiden in der Hautpflege finden Sie in unserem Artikel zu Peptiden für die Haut.

Was sagt die Forschung zum Absetzen?

Eine zentrale Frage der Forschung betrifft das Verhalten nach dem Absetzen der Therapie. Die Datenlage ist hier vergleichsweise klar: In kontrollierten Studien nahmen Teilnehmende nach dem Absetzen von GLP-1-Agonisten einen erheblichen Teil des zuvor verlorenen Gewichts wieder zu. Die STEP-1-Extensionsstudie zu Semaglutid dokumentierte, dass ein Großteil des Gewichtsverlusts innerhalb etwa eines Jahres nach Beendigung der Behandlung und der begleitenden Interventionen wieder zurückkehrte.

Diese Beobachtung stützt das Verständnis von Adipositas als chronischer Erkrankung, bei der die zugrunde liegenden regulatorischen Mechanismen von Hunger und Sättigung nach Absetzen des Wirkstoffs wieder in ihren Ausgangszustand zurückkehren. Der Effekt ist damit an die fortlaufende Anwendung gekoppelt, ähnlich wie bei anderen Therapien chronischer Erkrankungen.

Neben der Gewichtszunahme berichten manche Personen nach dem Absetzen über eine Rückkehr von Appetit und Heißhunger. Die zuvor unter der Therapie verbesserten Stoffwechselwerte wie Blutzucker und Blutdruck können sich in der Folge ebenfalls wieder verschlechtern. Ein abruptes Absetzen sollte daher nicht ohne ärztliche Rücksprache erfolgen, insbesondere bei Personen mit Typ-2-Diabetes.

Die Forschung untersucht derzeit Strategien für die Zeit nach der Therapie, etwa strukturierte Nachsorgeprogramme, angepasste Erhaltungsdosen oder die Kombination mit Lebensstilinterventionen. Belastbare Langzeitdaten zu optimalen Absetz- und Erhaltungsstrategien werden weiter erarbeitet, sodass hier noch keine abschließenden Empfehlungen bestehen.

Entscheidungen über Beginn, Fortführung oder Beendigung einer Therapie sollten immer gemeinsam mit einer medizinischen Fachperson getroffen werden.

Unterscheiden sich die Wirkstoffe in ihrer Verträglichkeit?

Obwohl alle Wirkstoffe dieser Klasse ein ähnliches Nebenwirkungsprofil teilen, gibt es Unterschiede in Häufigkeit und Ausmaß, die sich aus den jeweiligen Studien ergeben. Liraglutid war einer der ersten breit eingesetzten GLP-1-Agonisten und wird täglich injiziert, während Semaglutid in der wöchentlichen Formulierung eine längere Wirkdauer besitzt.

Tirzepatid wirkt als dualer GIP- und GLP-1-Rezeptoragonist und erzielte in den SURMOUNT-Studien im Durchschnitt einen stärkeren Gewichtsverlust als reine GLP-1-Agonisten. Das gastrointestinale Nebenwirkungsprofil ähnelt qualitativ dem der GLP-1-Agonisten, mit Übelkeit, Durchfall und Verstopfung als häufigsten Ereignissen. Direkte Vergleichsstudien zwischen einzelnen Wirkstoffen liefern zunehmend Daten, doch ist die Interpretation solcher Vergleiche komplex.

Retatrutid ist ein dreifacher Agonist (GLP-1-, GIP- und Glucagon-Rezeptor) und befindet sich noch in der klinischen Prüfung. In frühen Studien wurden ebenfalls überwiegend dosisabhängige gastrointestinale Nebenwirkungen berichtet. Da die Substanz noch nicht zugelassen ist, sind die Langzeitsicherheit und das vollständige Nebenwirkungsprofil noch nicht abschließend charakterisiert.

Die folgende Übersicht ordnet die Wirkstoffe grob ein:

WirkstoffMechanismusStatus
LiraglutidGLP-1-Agonist (täglich)Zugelassen
SemaglutidGLP-1-Agonist (wöchentlich/oral)Zugelassen
TirzepatidGIP/GLP-1-DoppelagonistZugelassen
RetatrutidGLP-1/GIP/Glucagon-DreifachagonistIn klinischer Prüfung

Für die individuelle Verträglichkeit spielen neben dem Wirkstoff auch Dosis, Titrationsgeschwindigkeit und persönliche Faktoren eine Rolle. Welcher Wirkstoff im Einzelfall geeignet ist, lässt sich nicht pauschal beantworten und gehört in die Hände einer medizinischen Fachperson. Grundlagenwissen zu Peptiden allgemein finden Sie in unserem Artikel Was ist ein Peptid.

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Häufig gestellte Fragen

Sind die Nebenwirkungen von GLP-1-Agonisten dauerhaft?
Die häufigsten Nebenwirkungen, insbesondere Übelkeit und andere Magen-Darm-Beschwerden, sind in den Studien überwiegend vorübergehend und bessern sich meist mit fortlaufender Behandlung und Gewöhnung an die Dosis. Seltenere, schwerwiegendere Ereignisse können jedoch anhalten oder ärztliches Eingreifen erfordern. Bei anhaltenden Beschwerden sollten Sie stets medizinischen Rat einholen.
Warum verursachen GLP-1-Agonisten Übelkeit?
Übelkeit hängt eng mit dem Wirkmechanismus zusammen. GLP-1-Agonisten verlangsamen die Magenentleerung und wirken auf Sättigungszentren im Gehirn. Diese Effekte tragen zum gewünschten Sättigungsgefühl bei, können aber gleichzeitig Übelkeit und Völlegefühl auslösen, vor allem zu Beginn der Behandlung und nach Dosissteigerungen.
Wie kann ich Magen-Darm-Beschwerden reduzieren?
In den Studien und Fachinformationen gilt die langsame, schrittweise Dosissteigerung als wichtigster Ansatz. Begleitend werden kleinere Portionen, langsameres Essen, das Meiden sehr fettreicher Speisen und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr beschrieben. Diese Maßnahmen sollten mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt abgestimmt werden.
Ist eine Pankreatitis unter GLP-1-Agonisten häufig?
Nein. Die akute Pankreatitis ist ein seltenes, aber in den Fachinformationen genanntes potenziell schwerwiegendes Ereignis. Anhaltende, starke Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen können, gelten als Warnsignal. In diesem Fall sollten Sie die Anwendung nicht eigenmächtig fortsetzen, sondern umgehend ärztliche Hilfe suchen.
Was ist das Ozempic Face genau?
Der Begriff beschreibt eingefallene Wangen und betontere Falten, die durch den raschen Gewichtsverlust und die damit verbundene Abnahme des Gesichtsfetts entstehen. Es handelt sich nicht um eine direkte Wirkung des Medikaments, sondern um eine ästhetische Begleiterscheinung, die grundsätzlich bei jedem deutlichen Gewichtsverlust auftreten kann.
Nimmt man nach dem Absetzen wieder zu?
In kontrollierten Studien, darunter die STEP-1-Extension zu Semaglutid, nahmen Teilnehmende nach dem Absetzen einen erheblichen Teil des verlorenen Gewichts wieder zu. Das stützt das Verständnis von Adipositas als chronischer Erkrankung. Ein Absetzen sollte nicht ohne ärztliche Rücksprache erfolgen.
Wer sollte GLP-1-Agonisten nicht anwenden?
Kontraindikationen sind produktspezifisch. Ein prominenter Warnhinweis betrifft eine Eigen- oder Familienanamnese für medulläres Schilddrüsenkarzinom oder MEN 2. Auch bei vorbekannter Pankreatitis, bestimmten Magen-Darm-Erkrankungen, Überempfindlichkeit sowie in Schwangerschaft und Stillzeit ist besondere Vorsicht geboten. Die Eignung kann nur eine medizinische Fachperson beurteilen.
Erhöhen GLP-1-Agonisten das Risiko für Unterzuckerungen?
Als alleinige Therapie ist das Hypoglykämierisiko gering, da die Insulinausschüttung glukoseabhängig gesteigert wird. In Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Medikamenten wie Insulin oder Sulfonylharnstoffen kann das Risiko für Unterzuckerungen jedoch steigen. In solchen Fällen ist häufig eine Anpassung der Begleitmedikation erforderlich.
Unterscheiden sich Semaglutid und Tirzepatid in den Nebenwirkungen?
Beide teilen ein ähnliches, überwiegend gastrointestinales Nebenwirkungsprofil mit Übelkeit, Durchfall und Verstopfung als häufigsten Ereignissen. Tirzepatid wirkt zusätzlich am GIP-Rezeptor und erzielte in den SURMOUNT-Studien im Mittel einen stärkeren Gewichtsverlust. Individuelle Verträglichkeit und Dosis spielen eine wichtige Rolle.
Sind Retatrutid-Nebenwirkungen bereits gut untersucht?
Retatrutid ist ein dreifacher Rezeptoragonist, der sich noch in klinischer Prüfung befindet und nicht zugelassen ist. Frühe Studien berichten überwiegend dosisabhängige gastrointestinale Nebenwirkungen. Die Langzeitsicherheit und das vollständige Nebenwirkungsprofil sind noch nicht abschließend charakterisiert. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.

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Quellen

  1. Wilding JPH, Batterham RL, Calanna S, et al. (2021). Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1). New England Journal of Medicine.
  2. Jastreboff AM, Aronne LJ, Ahmad NN, et al. (2022). Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1). New England Journal of Medicine.
  3. Wilding JPH, Batterham RL, Davies M, et al. (2022). Weight regain and cardiometabolic effects after withdrawal of semaglutide (STEP 1 extension). Diabetes, Obesity and Metabolism.
  4. Jastreboff AM, Kaplan LM, Frias JP, et al. (2023). Triple-Hormone-Receptor Agonist Retatrutide for Obesity, A Phase 2 Trial. New England Journal of Medicine.
  5. Sodhi M, Rezaeianzadeh R, Kezouh A, Etminan M (2023). Risk of Gastrointestinal Adverse Events Associated With GLP-1 Receptor Agonists for Weight Loss. JAMA.
  6. Nauck MA, Quast DR, Wefers J, Meier JJ (2021). GLP-1 receptor agonists in the treatment of type 2 diabetes, state of the art. Molecular Metabolism.

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