- Kosmetische Peptide lassen sich in drei Hauptklassen einteilen: Signalpeptide (GHK-Cu, Matrixyl), neurotransmitter-hemmende Peptide (Argireline, SNAP-8, Leuphasyl) und Träger- bzw. Enzymhemmer-Peptide.
- GHK-Cu stimuliert in Fibroblasten-Studien die Kollagensynthese um bis zu 70 % und reguliert über 60 Gene, die an Hautreparatur und Regeneration beteiligt sind.
- Argireline (Acetyl-Hexapeptid) und SNAP-8 ahmen den Botox-Effekt abgeschwächt nach, indem sie die Freisetzung von Neurotransmittern an der Muskel-Nerven-Verbindung dämpfen und so mimische Falten reduzieren.
- Matrixyl 3000 erhöht die Kollagensynthese in Herstellerstudien um bis zu 117 % und wirkt vor allem gegen statische Fältchen und Feuchtigkeitsverlust.
- Topische Seren wirken oberflächlicher und langsamer als Injektionen, sind aber risikoärmer, rezeptfrei und für die tägliche Anwendung konzipiert.
- Peptide sind kein Ersatz für einen ärztlichen Rat: Bei starker Faltenbildung oder Hauterkrankungen ist eine dermatologische Beratung sinnvoll.
Peptide und Hautalterung: Worum geht es in diesem Ratgeber?
Peptide gehören zu den am intensivsten erforschten Wirkstoffen der modernen Kosmetologie. Es handelt sich um kurze Ketten aus Aminosäuren — definitionsgemäß zwischen zwei und fünfzig —, die im Körper als Signalmoleküle fungieren und zahlreiche biologische Prozesse steuern. In der Hautpflege werden sie vor allem eingesetzt, um Zeichen der Hautalterung wie Falten, Elastizitätsverlust und eine nachlassende Regenerationsfähigkeit zu adressieren. Rund acht von zehn Anti-Aging-Produkten enthalten heute mindestens ein Peptid.
Dieser Ratgeber stellt die fünf für die Hautverjüngung relevantesten Peptide vor: GHK-Cu (Kupferpeptid), Argireline, Matrixyl, Leuphasyl und SNAP-8. Jedes dieser Moleküle verfolgt einen anderen biologischen Ansatz — von der Anregung der Kollagenproduktion über die Dämpfung mimischer Muskelaktivität bis hin zur Modulation der Gewebereparatur. Wir erklären die Wirkmechanismen verständlich, ordnen die vorhandene Studienlage nüchtern ein und gehen auf praktische Fragen wie die Wahl zwischen Serum und Injektion sowie den Aufbau einer sinnvollen Pflegeroutine ein.
Wichtig vorab: Kosmetische Peptide sind zugelassene Inhaltsstoffe für die äußerliche Anwendung, keine Arzneimittel. Sie können das Hautbild sichtbar verbessern, ersetzen jedoch weder eine medizinische Behandlung noch professionelle ästhetische Verfahren. Einen grundlegenden Überblick über die Wirkstoffklasse bietet unser Beitrag zu Peptiden in der Kosmetik; wer die Basis verstehen möchte, findet in „Was ist ein Peptid?“ die wichtigsten Grundlagen.
Alle folgenden Aussagen dienen ausschließlich Bildungszwecken. Bei individuellen Hautproblemen oder bevor Sie hochkonzentrierte Wirkstoffe einsetzen, konsultieren Sie bitte eine Dermatologin oder einen Dermatologen.
Warum verliert reife Haut mit dem Alter Kollagen und Spannkraft?
Um zu verstehen, warum Peptide gegen Falten wirken können, muss man zunächst die biologischen Ursachen der Hautalterung kennen. Die Festigkeit und Elastizität der Haut beruht in erster Linie auf einem Netzwerk aus Kollagen (vor allem Typ I und III) und Elastin in der Dermis. Diese Strukturproteine werden von Fibroblasten produziert und bilden zusammen mit Hyaluronsäure die sogenannte extrazelluläre Matrix — das Stützgerüst der Haut.
Ab etwa dem 25. Lebensjahr sinkt die körpereigene Kollagenproduktion messbar; Schätzungen zufolge verliert die Haut rund ein Prozent Kollagen pro Jahr. Gleichzeitig steigt die Aktivität abbauender Enzyme, der Matrix-Metalloproteinasen (MMPs). Das Ergebnis ist ein Ungleichgewicht: Es wird weniger neues Kollagen gebildet, während das bestehende schneller abgebaut wird. Die Haut wird dünner, verliert an Spannkraft, und es entstehen zunächst feine, später tiefere Falten.
Man unterscheidet grundsätzlich zwei Faltenarten. Mimische (dynamische) Falten entstehen durch wiederholte Muskelkontraktionen — etwa die Zornesfalte oder Krähenfüße — und sind zunächst nur bei Bewegung sichtbar. Statische Falten hingegen bleiben auch im entspannten Zustand bestehen und resultieren aus dem strukturellen Verlust von Kollagen und Elastin sowie aus Feuchtigkeitsmangel. Diese Unterscheidung ist entscheidend, weil verschiedene Peptide unterschiedliche Faltenarten adressieren.
Hinzu kommen externe Faktoren, die den Alterungsprozess beschleunigen: allen voran die UV-Strahlung (die sogenannte Photoalterung), außerdem oxidativer Stress, Rauchen und Umweltverschmutzung. Ein interessanter biologischer Marker ist das Tripeptid GHK selbst: Seine Konzentration im Blutplasma liegt bei einem 20-Jährigen bei etwa 200 ng/ml und nimmt mit dem Alter deutlich ab — was Forscher zu der Hypothese führte, dass ein Teil der nachlassenden Regenerationsfähigkeit der Haut mit diesem Rückgang zusammenhängen könnte.
Genau hier setzen kosmetische Peptide an: Sie sollen entweder die Fibroblasten zur vermehrten Kollagenbildung anregen (Signalpeptide), die MMP-Aktivität hemmen oder — im Fall der neuromodulierenden Peptide — die muskuläre Faltenbildung dämpfen. Ein direkter Vergleich mit dem etablierten Wirkstoff Retinol findet sich in unserem Artikel Peptide vs. Retinol.
Wie wirkt GHK-Cu (Kupferpeptid) auf die Hautregeneration?
GHK-Cu — chemisch das Kupfer(II)-Komplex des Tripeptids Glycyl-L-Histidyl-L-Lysin — gilt als eines der am besten untersuchten kosmetischen Peptide. Es wurde bereits 1973 von dem Biochemiker Loren Pickart im menschlichen Blutplasma entdeckt. Das freie Tripeptid GHK besitzt eine Summenformel von C₁₄H₂₄N₆O₄ und ein Molekulargewicht von 340,38 g/mol; im biologisch aktiven Kupferkomplex bindet es ein Kupferion und erreicht ein Molekulargewicht von rund 403,9 g/mol. Eine ausführliche Monografie finden Sie in unserem GHK-Cu-Ratgeber.
GHK-Cu gehört zu den Signal- und Trägerpeptiden. Seine wohl wichtigste Eigenschaft ist die Fähigkeit, Kupfer — einen essenziellen Kofaktor für zahlreiche Enzyme der Hautreparatur — gezielt in die Zellen zu transportieren. In Fibroblasten-Studien stimulierte GHK-Cu die Kollagensynthese um bis zu 70 % und förderte zusätzlich die Produktion von Elastin, Glykosaminoglykanen und Proteoglykanen, also weiterer zentraler Bausteine der extrazellulären Matrix.
Besonders bemerkenswert ist der Einfluss auf die Genexpression. Genanalysen deuten darauf hin, dass GHK-Cu die Aktivität von über 60 Genen moduliert, die an Geweberegeneration, Wundheilung und antioxidativer Abwehr beteiligt sind. In klinischen Beobachtungen zur Wundheilung wurde eine um rund 30 % beschleunigte Epithelisierung berichtet. Diese regenerativen Eigenschaften erklären, warum das Peptid über die reine Faltenglättung hinaus zur allgemeinen Hautqualität — Festigkeit, Dichte und Ebenmäßigkeit — beitragen kann.
Das Interesse an diesem Wirkstoff ist zuletzt stark gestiegen: Das Suchvolumen zu GHK-Cu wuchs zwischen 2025 und 2026 um über 1 000 % gegenüber dem Vorjahr. Dennoch ist ein nüchterner Blick angebracht: Ein großer Teil der Belege stammt aus In-vitro- und Tierstudien; umfangreiche, placebokontrollierte Studien am Menschen mit standardisierten kosmetischen Formulierungen sind weiterhin begrenzt. GHK-Cu ist als kosmetischer Inhaltsstoff (INCI: Copper Tripeptide-1) einzustufen und nicht als Arzneimittel zugelassen.
Ein praktischer Hinweis für die Formulierung: GHK-Cu sollte nicht gleichzeitig mit stark sauren oder antioxidativen Wirkstoffen wie hochdosiertem Vitamin C aufgetragen werden, da diese die Kupferbindung stören können. Weitere Details zur Kombinierbarkeit behandeln wir im Abschnitt zur Routine.
Argireline, SNAP-8 und Leuphasyl: Wie wirken „Botox-ähnliche“ Peptide?
Eine faszinierende Gruppe kosmetischer Peptide setzt nicht am Kollagen, sondern an der neuromuskulären Übertragung an — dem gleichen Prinzip, das auch Botulinumtoxin (Botox) nutzt, allerdings in deutlich abgeschwächter und äußerlich anwendbarer Form. Diese Peptide werden häufig als „Botox-like“ oder neuromodulierende Peptide bezeichnet. Zu ihnen zählen Argireline, SNAP-8 und, mit etwas anderem Mechanismus, Leuphasyl.
Argireline (INCI: Acetyl Hexapeptide-3 bzw. -8) ist der bekannteste Vertreter dieser Klasse. Das Hexapeptid mit einem Molekulargewicht von etwa 889 g/mol imitiert das N-terminale Ende des Proteins SNAP-25, das Teil des sogenannten SNARE-Komplexes ist. Dieser Komplex ist notwendig, damit Nervenzellen den Botenstoff Acetylcholin freisetzen und so eine Muskelkontraktion auslösen. Indem Argireline in den SNARE-Komplex eingreift, dämpft es die Freisetzung von Neurotransmittern und lässt den Muskel weniger stark kontrahieren. Klinische Studien berichten von einer Reduktion der Faltentiefe um bis zu 30 % innerhalb von 30 Tagen. Mehr dazu im Argireline-Ratgeber.
SNAP-8 (Acetyl Octapeptide-3) ist gewissermaßen die verlängerte Weiterentwicklung von Argireline: ein Octapeptid mit einem Molekulargewicht von etwa 1 075 g/mol. Es wirkt am selben SNARE-Mechanismus, wobei Hersteller aufgrund der längeren Aminosäuresequenz eine potenziell stärkere Konkurrenz zum natürlichen SNAP-25 postulieren. Beide Peptide zielen vor allem auf mimische Falten im oberen Gesichtsdrittel — Stirnfalten, Zornesfalte und Krähenfüße.
Leuphasyl (Pentapeptide-18) verfolgt einen ergänzenden Ansatz: Statt direkt in den SNARE-Komplex einzugreifen, wirkt es auf Enkephalin-Rezeptoren der Nervenzelle und moduliert darüber ebenfalls die Acetylcholin-Ausschüttung. Weil Leuphasyl an einer anderen Stelle der Signalkette ansetzt als Argireline, werden die beiden Peptide in Formulierungen oft kombiniert, um einen additiven Effekt zu erzielen. Diese Kombinationsstrategie erläutern wir näher im Beitrag zum Peptide-Stacking.
Bei aller Attraktivität dieses Ansatzes ist eine realistische Einordnung wichtig: Topisch aufgetragene Peptide müssen zunächst die Hautbarriere durchdringen, um überhaupt in die Nähe der neuromuskulären Endplatten zu gelangen. Ihre Wirkung ist daher naturgemäß schwächer, oberflächlicher und weniger vorhersehbar als eine Injektion von Botulinumtoxin. Sie sind eine sanfte, nadelfreie Option — kein pharmakologischer Ersatz. Einen direkten Vergleich zweier Klassen bietet unser Artikel Matrixyl vs. Argireline.
Wie steigert Matrixyl die Kollagensynthese?
Matrixyl ist ein Markenname für eine Familie von Signalpeptiden, die gezielt die Fibroblasten zur Kollagen- und Matrixproduktion anregen. Der ursprüngliche Wirkstoff ist Palmitoyl Pentapeptide-4 (auch bekannt als Pal-KTTKS), bei dem die Aminosäuresequenz Lys-Thr-Thr-Lys-Ser an eine Palmitinsäure gekoppelt ist. Diese Fettsäure verbessert die Fettlöslichkeit und damit die Fähigkeit des Peptids, die Hautbarriere zu durchdringen. Ausführliche Informationen bietet der Matrixyl-3000-Ratgeber.
Das Wirkprinzip ist elegant: Die Sequenz KTTKS ist ein Fragment des Prokollagens Typ I. Wenn Kollagen im Gewebe abgebaut wird, entstehen solche Fragmente auf natürliche Weise — die Haut interpretiert sie als Signal, dass Reparaturbedarf besteht, und kurbelt die Neuproduktion an. Matrixyl nutzt diesen Mechanismus, indem es dem Körper ein solches „Reparatursignal“ von außen zuführt, ohne dass tatsächlich Kollagen abgebaut werden musste.
Die häufig eingesetzte Weiterentwicklung Matrixyl 3000 kombiniert zwei Peptide: Palmitoyl Tripeptide-1 (Pal-GHK) und Palmitoyl Tetrapeptide-7 (Pal-GQPR). Während das erste die Matrixproduktion stimuliert, wirkt das zweite entzündungsmodulierend und dämpft überschießende Reaktionen. In Herstellerstudien wurde eine Steigerung der Kollagensynthese um bis zu 117 % berichtet, außerdem eine Zunahme von Fibronektin und Hyaluronsäure.
Anders als die Botox-ähnlichen Peptide wirkt Matrixyl also nicht auf die Muskulatur, sondern auf die strukturelle Basis der Haut. Sein Einsatzgebiet sind daher vor allem statische Falten, feine Linien und eine allgemein nachlassende Hautdichte. Weil es gut verträglich ist und keine mimische Ausdruckskraft beeinflusst, eignet es sich für die tägliche Langzeitanwendung.
Auch hier gilt der übliche wissenschaftliche Vorbehalt: Ein Teil der eindrucksvollen Prozentzahlen stammt aus In-vitro-Untersuchungen oder herstellernahen Studien. Unabhängige, placebokontrollierte klinische Daten sind vorhanden, aber weniger umfangreich, als die Marketingzahlen vermuten lassen. Realistisch sind sichtbare Verbesserungen von feinen Linien und Hauttextur über einen Zeitraum von mehreren Wochen bis Monaten — keine dramatische Sofortwirkung.
Welches Peptid eignet sich gegen welche Faltenart?
Weil die fünf vorgestellten Peptide an unterschiedlichen biologischen Stellschrauben ansetzen, gibt es kein universelles „bestes“ Peptid — die sinnvolle Wahl hängt von der Faltenart und dem individuellen Hautziel ab. Die folgende Übersicht fasst die wichtigsten Eigenschaften zusammen:
| Peptid | Klasse | Hauptmechanismus | Zielt vor allem auf |
|---|---|---|---|
| GHK-Cu | Signal-/Trägerpeptid | Kollagen- & Matrixaufbau, Genregulation | Hautdichte, Festigkeit, Regeneration |
| Matrixyl | Signalpeptid | Stimuliert Prokollagen-Synthese | Statische Falten, feine Linien |
| Argireline | Neuromodulierend | Hemmt SNARE-/Acetylcholin-Freisetzung | Mimische Falten (Stirn, Krähenfüße) |
| SNAP-8 | Neuromodulierend | Verlängertes Argireline-Analogon | Mimische Falten |
| Leuphasyl | Neuromodulierend | Enkephalin-Rezeptor-Modulation | Mimische Falten (synergistisch) |
Für mimische Falten — etwa Zornes- und Stirnfalten — sind die neuromodulierenden Peptide Argireline, SNAP-8 und Leuphasyl die naheliegende Wahl, idealerweise in Kombination, da sie an unterschiedlichen Punkten der Signalübertragung ansetzen. Für statische Falten und strukturellen Elastizitätsverlust sind die aufbauenden Signalpeptide GHK-Cu und Matrixyl geeigneter, weil sie die Kollagenbasis stärken.
In der Praxis werden diese beiden Prinzipien häufig kombiniert: Ein Serum, das sowohl neuromodulierende als auch matrixaufbauende Peptide enthält, adressiert dynamische und statische Falten gleichzeitig. Diese „Multi-Peptid“-Strategie ist der Grund, warum viele hochwertige Anti-Aging-Seren mehrere Peptide gleichzeitig führen. Eine kuratierte Übersicht bietet unser Beitrag zu den besten Peptid-Seren.
Wichtig bleibt jedoch die realistische Erwartungshaltung: Keines dieser Peptide erreicht die Wirkstärke medizinisch-ästhetischer Verfahren. Sie sind Werkzeuge zur Verbesserung und Erhaltung der Hautqualität, nicht zur Beseitigung tiefer, etablierter Falten. Eine breitere Marktübersicht liefert unser Artikel zu den besten Peptiden insgesamt.
Serum oder Injektion: Welche Anwendungsform ist sinnvoller?
Eine der häufigsten Fragen betrifft den Unterschied zwischen topischen Seren und Injektionen. Beide Wege haben eigene Vor- und Nachteile, und die Wahl hängt von Zielsetzung, Risikobereitschaft und rechtlichem Rahmen ab.
Der zentrale Unterschied ist die Bioverfügbarkeit, also die Frage, wie viel Wirkstoff tatsächlich sein Ziel erreicht. Die Hornschicht der Haut ist eine hochwirksame Barriere, die besonders für größere und wasserlösliche Moleküle schwer durchdringbar ist. Topische Peptide müssen diese Barriere überwinden; deshalb setzen Hersteller auf Tricks wie die Kopplung an Fettsäuren (z. B. das Palmitoyl bei Matrixyl) oder auf penetrationsfördernde Trägersysteme. Selbst dann bleibt die Menge, die die tieferen Hautschichten erreicht, begrenzt. Eine Injektion umgeht die Barriere vollständig und bringt den Wirkstoff direkt ins Gewebe — mit entsprechend stärkerer, aber auch risikoreicherer Wirkung.
Für die tägliche Hautpflege sind Seren die klar empfohlene Form: Sie sind rezeptfrei erhältlich, nebenwirkungsarm, einfach anzuwenden und für die kontinuierliche, langfristige Nutzung konzipiert. Ihre Wirkung baut sich über Wochen auf und richtet sich vor allem auf feine Linien, Hauttextur und Prävention. Injektionen von Peptiden hingegen fallen in einen medizinischen oder experimentellen Bereich, sind in vielen Ländern als kosmetische Selbstanwendung nicht vorgesehen und dürfen ausschließlich durch qualifiziertes medizinisches Personal erfolgen.
Hier ist eine wichtige Abgrenzung nötig: Der bekannte injizierbare Faltenglätter ist Botulinumtoxin — ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, kein kosmetisches Peptid. Die in diesem Artikel besprochenen „Botox-ähnlichen“ Peptide wie Argireline sind topische, abgeschwächte Nachahmer dieses Prinzips und nicht mit einer Botox-Injektion vergleichbar. Wer eine deutliche Glättung tiefer mimischer Falten wünscht, sollte dies mit einer Fachärztin oder einem Facharzt besprechen.
Zusammengefasst: Für die überwiegende Mehrheit der Anwenderinnen und Anwender, die ihre Hautqualität pflegen und feine Fältchen mildern möchten, sind gut formulierte Peptid-Seren die passende und sichere Wahl. Injektionsbasierte Verfahren gehören in professionelle Hände. Beachten Sie hierzu auch unseren medizinischen Haftungsausschluss.
Wie baut man eine wirksame Peptid-Hautpflegeroutine auf?
Der beste Wirkstoff nützt wenig, wenn er falsch angewendet wird. Peptide entfalten ihr Potenzial am besten als Teil einer durchdachten, konsequenten Routine. Die folgenden Prinzipien haben sich bewährt.
Reihenfolge und Textur: Als Faustregel werden Produkte von der dünnsten zur dicksten Textur aufgetragen. Peptid-Seren kommen daher nach der Reinigung und einem eventuellen Toner, aber vor der reichhaltigen Feuchtigkeitscreme zum Einsatz. Auf gereinigter, leicht feuchter Haut können wasserbasierte Peptidseren besonders gut einziehen. Tragen Sie das Serum morgens und abends auf, sofern das Produkt nicht anderes vorgibt.
Kombinationen — was harmoniert, was nicht: Peptide vertragen sich gut mit feuchtigkeitsspendenden und barrierestärkenden Wirkstoffen wie Hyaluronsäure, Niacinamid, Ceramiden und Glycerin. Vorsicht ist bei GHK-Cu geboten: Es sollte nicht in derselben Anwendung mit hochdosiertem Vitamin C (Ascorbinsäure) oder stark sauren Exfolianten (AHA/BHA) kombiniert werden, da diese die Kupferbindung stören und beide Wirkstoffe schwächen können. Trennen Sie solche Wirkstoffe zeitlich — etwa Vitamin C am Morgen, Kupferpeptid am Abend.
Peptide und Retinol: Beide lassen sich gut kombinieren und ergänzen sich sogar, da sie unterschiedliche Wege ansteuern. Peptide können die potenziell reizende Wirkung von Retinol abmildern, indem sie die Hautbarriere unterstützen. Ein detaillierter Vergleich findet sich in Peptide vs. Retinol.
Sonnenschutz ist nicht verhandelbar: Da UV-Strahlung die Hauptursache vorzeitiger Hautalterung ist, ist ein täglicher Breitband-Sonnenschutz (mindestens LSF 30) die wirksamste Anti-Aging-Maßnahme überhaupt. Ohne konsequenten UV-Schutz arbeiten Peptide gegen einen ständig fortschreitenden Schaden — der Effekt wird deutlich geschmälert.
Geduld und Konsequenz: Peptide wirken kumulativ. Realistische, sichtbare Verbesserungen bei Hauttextur und feinen Linien zeigen sich in der Regel nach acht bis zwölf Wochen kontinuierlicher Anwendung — nicht über Nacht. Wer eine praktische Übersicht sucht, findet weitere Tipps in unserem Ratgeber zu Peptiden für die Haut. Führen Sie neue Wirkstoffe einzeln ein und beobachten Sie die Hautreaktion einige Tage lang, bevor Sie weitere hinzufügen.
Welche Grenzen, Risiken und Nebenwirkungen haben kosmetische Peptide?
Kosmetische Peptide gelten grundsätzlich als gut verträglich. Aufgrund ihrer hohen Zielspezifität verursachen Peptide tendenziell weniger Nebenwirkungen als viele niedermolekulare Wirkstoffe. Dennoch ist eine ehrliche Betrachtung der Grenzen und möglichen Risiken für eine fundierte Entscheidung unverzichtbar.
Mögliche Nebenwirkungen: Bei topischer Anwendung sind unerwünschte Reaktionen selten und meist mild — dazu zählen leichte Rötungen, ein Spannungsgefühl oder in Einzelfällen Kontaktreizungen, häufig ausgelöst durch andere Bestandteile der Formulierung (Konservierungsmittel, Duftstoffe) und nicht durch das Peptid selbst. Ein Verträglichkeitstest an einer kleinen Hautstelle (z. B. Innenseite des Unterarms) vor der ersten großflächigen Anwendung ist ratsam. Menschen mit bekannter Kupferallergie sollten kupferhaltige Peptide wie GHK-Cu meiden.
Grenzen der Wirksamkeit: Die größte Einschränkung ist die realistische Erwartung. Wie oben mehrfach betont, ist die Datenlage für viele kosmetische Peptide gemischt: Beeindruckende In-vitro- oder herstellernahe Prozentzahlen lassen sich nicht eins zu eins auf die reale, äußerliche Anwendung übertragen, bei der die Hautbarriere die verfügbare Wirkstoffmenge begrenzt. Peptide verbessern und erhalten die Hautqualität; sie beseitigen keine tiefen, etablierten Falten und ersetzen keine ästhetisch-medizinischen Verfahren.
Regulatorischer Status: Die hier besprochenen Substanzen sind als kosmetische Inhaltsstoffe für die äußerliche Anwendung eingestuft, nicht als Arzneimittel. Injizierbare Peptide werden vielfach als „nur zu Forschungszwecken“ klassifiziert und sind nicht für die Selbstanwendung am Menschen zugelassen; ihr rechtlicher Status variiert je nach Land und Rechtsraum erheblich. Zudem stehen bestimmte Peptide auf der Überwachungsliste der Anti-Doping-Agentur WADA — für Wettkampfsportlerinnen und -sportler ein relevanter Punkt.
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Bei Hauterkrankungen, während Schwangerschaft und Stillzeit, bei bekannten Allergien oder vor dem Einsatz hochkonzentrierter Wirkstoffe sollten Sie eine Ärztin, einen Arzt oder eine qualifizierte Dermatologin bzw. einen Dermatologen konsultieren. Weitere Hintergründe zu Sicherheitsaspekten finden Sie in unserem Beitrag zur Sicherheit von Kollagenpeptiden.
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Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wirken Peptid-Seren wirklich gegen Falten?
Was ist der Unterschied zwischen GHK-Cu und Matrixyl?
Sind Argireline und SNAP-8 dasselbe wie Botox?
Kann ich mehrere Peptide gleichzeitig verwenden?
Welche Wirkstoffe sollte ich nicht mit Peptiden kombinieren?
Wie lange dauert es, bis Peptide sichtbare Ergebnisse zeigen?
Sind kosmetische Peptide sicher in der Anwendung?
Kann man Peptide während Schwangerschaft und Stillzeit verwenden?
Sind teure Peptid-Seren besser als günstige?
Ersetzen Peptide eine professionelle Anti-Aging-Behandlung?
Quellen
- Pickart L, Margolina A (2018). Regenerative and Protective Actions of the GHK-Cu Peptide in the Light of the New Gene Data. International Journal of Molecular Sciences.
- Blanes-Mira C, Clemente J, Jodas G, et al. (2002). A synthetic hexapeptide (Argireline) with antiwrinkle activity. International Journal of Cosmetic Science.
- Robinson LR, Fitzgerald NC, Doughty DG, et al. (2005). Topical palmitoyl pentapeptide provides improvement in photoaged human facial skin. International Journal of Cosmetic Science.
- Gorouhi F, Maibach HI (2009). Role of topical peptides in preventing or treating aged skin. International Journal of Cosmetic Science.
- Schagen SK (2017). Topical Peptide Treatments with Effective Anti-Aging Results. Cosmetics.
- Pickart L (2008). The human tri-peptide GHK and tissue remodeling. Journal of Biomaterials Science, Polymer Edition.