- Nootrope Peptide wie Semax, Selank, Dihexa, PE-22-28 und Epithalon zielen auf neurotrophe Signalwege (BDNF, NGF, HGF) und Neuroplastizität ab, statt nur Neurotransmitter kurzfristig zu modulieren.
- Die robusteste klinische Evidenz besteht für Semax und Selank, die in Russland zugelassen sind; Dihexa, PE-22-28 und Epithalon stützen sich überwiegend auf präklinische Tierstudien.
- Dihexa gilt in In-vitro-Modellen als ausgesprochen potenter Synaptogenese-Förderer über das Hepatozyten-Wachstumsfaktor-(HGF)/c-Met-System, ist aber beim Menschen praktisch ungeprüft.
- Keines dieser Peptide ist von FDA oder EMA für den kognitiven Einsatz zugelassen; die meisten gelten als Forschungssubstanzen mit von Land zu Land unterschiedlicher Rechtslage.
- Dosierungen, Applikationswege und Kombinationen variieren stark; eine ärztliche Begleitung ist vor jeder Anwendung dringend zu empfehlen.
Was sind nootrope Peptide und worin unterscheiden sie sich von klassischen Nootropika?
Nootrope Peptide sind kurze Aminosäureketten, die gezielt in die Signalwege des zentralen Nervensystems eingreifen, um Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Stressresistenz oder Stimmung zu beeinflussen. Anders als klassische niedermolekulare Nootropika wie Koffein oder Racetame, die häufig direkt an Neurotransmitter-Rezeptoren ansetzen, modulieren viele dieser Peptide übergeordnete neurotrophe Systeme – also jene Faktoren, die das Wachstum, das Überleben und die Vernetzung von Nervenzellen steuern. Wenn Sie sich zunächst mit den Grundlagen vertraut machen möchten, finden Sie eine Einführung in unserem Beitrag Was ist ein Peptid?.
Der entscheidende konzeptionelle Unterschied liegt in der Wirkebene. Ein Stimulans verschiebt kurzfristig das Gleichgewicht von Botenstoffen wie Dopamin oder Acetylcholin und erzeugt einen unmittelbar spürbaren, aber vergänglichen Effekt. Neurotrophe Peptide hingegen sollen über Stunden bis Tage die Expression von Wachstumsfaktoren wie dem Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) oder dem Nerve Growth Factor (NGF) anstoßen. Damit verschiebt sich der Anspruch von einer reinen Leistungssteigerung hin zu einer potenziellen strukturellen Anpassung neuronaler Netzwerke – ein Mechanismus, der eng mit dem Begriff der Neuroplastizität verknüpft ist.
Ein zweites Unterscheidungsmerkmal ist die Herkunft der Evidenz. Substanzen wie Semax und Selank wurden in Russland und den Nachbarstaaten über Jahrzehnte klinisch erprobt und sind dort als Arzneimittel registriert. Andere Kandidaten wie Dihexa oder PE-22-28 stammen aus der akademischen Grundlagenforschung und sind bislang fast ausschließlich in Tiermodellen oder Zellkulturen untersucht. Diese Spannweite – von zugelassenen Medikamenten bis zu reinen Forschungssubstanzen – ist für eine seriöse Einordnung zentral.
Schließlich unterscheiden sich Peptide auch in ihrer Pharmakokinetik. Aufgrund ihrer Eiweißnatur werden viele oral schlecht aufgenommen und im Verdauungstrakt abgebaut, weshalb intranasale, subkutane oder chemisch stabilisierte Formen entwickelt wurden. Dieser Beitrag stellt fünf der meistdiskutierten nootropen Peptide vor, erläutert ihre Wirkmechanismen, fasst die Studienlage nüchtern zusammen und benennt offen die Grenzen des heutigen Wissens.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Die besprochenen Substanzen sind überwiegend nicht für den menschlichen Gebrauch zugelassen.
Wie wirken BDNF, NGF und Neuroplastizität als gemeinsamer Nenner?
Um die nootropen Peptide zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die biologischen Zielstrukturen, die sie verbindet. Im Zentrum steht der Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF), ein Protein aus der Familie der Neurotrophine. BDNF bindet vorrangig an den Rezeptor TrkB und löst intrazelluläre Signalkaskaden aus, die das Überleben von Neuronen, das Wachstum von Dendriten und die Stärkung synaptischer Verbindungen fördern. BDNF gilt als einer der wichtigsten molekularen Vermittler von Lernen und Gedächtnisbildung im Hippocampus.
Der Nerve Growth Factor (NGF) ist das historisch erste entdeckte Neurotrophin und wirkt über den Rezeptor TrkA. NGF ist besonders für cholinerge Neurone des Vorderhirns bedeutsam – jenes Systems, das bei neurodegenerativen Erkrankungen wie der Alzheimer-Demenz früh betroffen ist. Mehrere der hier vorgestellten Peptide werden gerade deshalb untersucht, weil sie die Verfügbarkeit oder Wirkung von NGF erhöhen sollen.
Der Begriff Neuroplastizität fasst die Fähigkeit des Gehirns zusammen, seine Struktur und Funktion als Reaktion auf Erfahrung, Lernen oder Verletzung anzupassen. Dazu gehören die Bildung neuer Synapsen (Synaptogenese), die Entstehung neuer Nervenzellen in bestimmten Regionen (Neurogenese) sowie die Veränderung der Stärke bestehender Verbindungen (Langzeitpotenzierung). Neurotrophe Faktoren sind die molekularen Treiber dieser Prozesse, weshalb Substanzen, die ihre Signale verstärken, als potenzielle kognitive Verstärker gelten.
Ein weiteres relevantes System ist die HGF/c-Met-Achse: Der Hepatozyten-Wachstumsfaktor (HGF) wirkt über den Rezeptor c-Met und fördert ebenfalls Synaptogenese und neuronales Wachstum. Dieses System ist der Ansatzpunkt von Dihexa und unterscheidet sich dadurch von den BDNF-zentrierten Mechanismen der anderen Peptide. Zu beachten ist, dass eine erhöhte BDNF-Konzentration im Tiermodell nicht automatisch eine messbare kognitive Verbesserung beim Menschen bedeutet – die Übersetzbarkeit dieser Befunde bleibt eine zentrale wissenschaftliche Herausforderung.
Diese vier Konzepte – BDNF, NGF, Neuroplastizität und die HGF/c-Met-Achse – bilden den roten Faden, an dem sich die folgenden Profile orientieren. Wer tiefer in die Terminologie einsteigen möchte, findet weitere Erläuterungen in unserem Peptid-Glossar.
Semax: Was sagt die Forschung zu diesem ACTH-Analogon?
Semax ist ein synthetisches Heptapeptid, das von einem Fragment des adrenokortikotropen Hormons – konkret der Sequenz ACTH(4–10) – abgeleitet und durch Anhängen der Aminosäuren Pro-Gly-Pro stabilisiert wurde. Diese Modifikation verlängert die Halbwertszeit deutlich, da das natürliche Fragment im Körper sehr rasch abgebaut würde. Entwickelt wurde Semax am russischen Institut für Molekulargenetik und ist in Russland als Arzneimittel registriert, unter anderem für ischämische Schlaganfälle und kognitive Indikationen.
Der am besten dokumentierte Wirkmechanismus betrifft das neurotrophe System: In Tierstudien erhöht Semax die Konzentration von BDNF und seinem Rezeptor TrkB im Hippocampus und im basalen Vorderhirn. Dolotov und Kollegen zeigten, dass Semax die BDNF-Proteinspiegel in relevanten Hirnregionen ansteigen lässt, was als molekulare Grundlage der beobachteten neuroprotektiven und prokognitiven Effekte gilt. Darüber hinaus wurden Einflüsse auf das dopaminerge und serotonerge System sowie auf die Expression zahlreicher Gene beschrieben.
Klinisch wird Semax in russischsprachigen Ländern intranasal angewendet, typischerweise als 0,1-prozentige Lösung für nootrope Zwecke und in höherer Konzentration im akuten neurologischen Kontext. Berichtete Effekte umfassen verbesserte Aufmerksamkeit, geistige Ausdauer und eine schnellere neurologische Erholung nach Schlaganfall. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass viele dieser Studien aus einem einzigen Forschungsumfeld stammen, methodisch unterschiedlich streng sind und unabhängige, große randomisierte Studien nach westlichen Standards weitgehend fehlen.
Eine populäre Variante ist N-Acetyl-Semax, teils zusätzlich mit einem Aminobuttersäure-Rest kombiniert. Diese Modifikationen sollen die Stabilität und die zentrale Verfügbarkeit weiter erhöhen, sind aber selbst kaum klinisch verglichen worden. Für die kognitive Anwendung außerhalb Russlands gilt Semax rechtlich als nicht zugelassene Substanz.
Semax ist von FDA und EMA nicht zugelassen. Die intranasale Anwendung sollte ausschließlich nach Rücksprache mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal erwogen werden.
Selank: Verbindet es Anxiolyse mit kognitiver Stabilität?
Selank ist ein synthetisches Heptapeptid, das vom körpereigenen Immunpeptid Tuftsin abgeleitet und – ähnlich wie Semax – durch eine Pro-Gly-Pro-Erweiterung stabilisiert wurde. Es wurde ebenfalls in Russland entwickelt und dort als anxiolytisches Arzneimittel registriert. Im Unterschied zu Semax, das primär als aktivierendes Nootropikum gilt, liegt der Schwerpunkt von Selank auf der Regulation von Angst, Stress und emotionaler Balance, ohne die sedierenden und abhängigkeitsfördernden Eigenschaften klassischer Benzodiazepine.
Mechanistisch greift Selank in mehrere Systeme ein. Es moduliert das GABAerge System, beeinflusst die Konzentration und den Umsatz von Serotonin und wirkt auf das Enkephalin-System, indem es den Abbau körpereigener Enkephaline hemmt. Wie Semax wird auch Selank ein Einfluss auf die BDNF-Expression im Hippocampus zugeschrieben, was die Brücke zwischen Anxiolyse und kognitiver Funktion schlägt: Chronischer Stress senkt BDNF und beeinträchtigt das Gedächtnis, sodass eine stressmindernde, BDNF-stützende Substanz indirekt die kognitive Leistungsfähigkeit erhalten kann.
In klinischen Untersuchungen aus dem russischen Raum wurde Selank bei generalisierter Angststörung und Anpassungsstörungen geprüft, mit berichteten Verbesserungen von Angstsymptomen und teils begleitenden Effekten auf Aufmerksamkeit und Gedächtnis. Auch hier gilt die Einschränkung, dass die Evidenzbasis überwiegend regional und methodisch heterogen ist und unabhängige Replikationen rar sind.
Selank wird typischerweise intranasal angewendet und aufgrund seiner komplementären Wirkung gerne mit Semax kombiniert – einem der populärsten Beispiele für ein gezieltes Peptid-Stacking, bei dem ein aktivierendes und ein beruhigendes Peptid einander ausgleichen sollen. Wie bei allen hier besprochenen Substanzen handelt es sich außerhalb der Zulassungsländer um eine nicht zugelassene Forschungssubstanz.
Dihexa: Hat es wirklich die stärkste synaptogene Wirkung?
Dihexa (N-Hexanoyl-Tyr-Ile-(6)-Aminohexansäure-Amid) ist ein kleines, oral und über die Blut-Hirn-Schranke verfügbares Peptidderivat, das aus der Forschung an Angiotensin IV hervorgegangen ist. Entwickelt wurde es an der Washington State University mit dem ausdrücklichen Ziel, neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer zu adressieren. Sein besonderer Reiz für die Nootropika-Community liegt in den außergewöhnlich potenten Effekten auf die Synaptogenese, die in Zellkulturmodellen beobachtet wurden.
Der zentrale Mechanismus von Dihexa ist die Verstärkung der HGF/c-Met-Achse. McCoy und Kollegen beschrieben, dass Dihexa als sehr potenter Förderer der Bildung neuer Synapsen wirkt – in einigen In-vitro-Vergleichen wurde eine Wirkstärke berichtet, die jene von BDNF um mehrere Größenordnungen übersteigt. Dieser HGF-vermittelte Weg unterscheidet Dihexa grundlegend von den BDNF-zentrierten Peptiden Semax und Selank und macht es zu einem der wissenschaftlich faszinierendsten Kandidaten dieser Gruppe.
So eindrucksvoll diese präklinischen Daten sind, so wichtig ist die nüchterne Einordnung: Praktisch die gesamte Evidenz zu Dihexa stammt aus Tiermodellen und Zellkulturen. Es liegen keine veröffentlichten kontrollierten Studien am Menschen vor, weder zur Wirksamkeit noch zur Langzeitsicherheit. Gerade die starke Förderung von Zellwachstum und Gefäßneubildung wirft theoretische Sicherheitsfragen auf, etwa hinsichtlich unkontrollierter Proliferation, die ausschließlich in seriösen klinischen Studien beantwortet werden könnten.
In der inoffiziellen Anwendung kursieren niedrige Milligramm-Dosierungen, doch fehlt jede validierte Grundlage für solche Angaben. Dihexa ist eine reine Forschungssubstanz, die von keiner Arzneimittelbehörde für den menschlichen Gebrauch zugelassen ist. Die Diskrepanz zwischen spektakulären Laborbefunden und fehlender Humanevidenz macht es zu einem Paradebeispiel dafür, warum präklinische Potenz nicht mit nachgewiesener klinischer Sicherheit gleichzusetzen ist.
Aufgrund der nicht vorhandenen Humandaten ist von einer Selbstanwendung dringend abzuraten. Eine ärztliche Beratung ist unerlässlich.
PE-22-28: Eröffnet es eine neue Klasse von Antidepressiva?
PE-22-28 ist ein synthetisches Peptidanalogon von Spadin, das wiederum aus dem Propeptid des Sortilin-Rezeptors (Neurotensin-Rezeptor 3) abgeleitet ist. Die zugrunde liegende Forschung von Mazella und Kollegen führte ein neuartiges pharmakologisches Konzept ein: die gezielte Blockade des Kaliumkanals TREK-1. Da TREK-1 an der Regulation von Stimmung und Neurogenese beteiligt ist, gilt seine Hemmung als vielversprechender Ansatzpunkt für schnell wirkende Antidepressiva.
Der mechanistische Reiz von PE-22-28 liegt in der Geschwindigkeit. Klassische Antidepressiva wie SSRIs benötigen typischerweise mehrere Wochen, bis sich eine Wirkung einstellt. In Tiermodellen zeigten Spadin und seine optimierten Analoga antidepressive Effekte bereits nach wenigen Tagen, begleitet von einer gesteigerten Neurogenese im Hippocampus und erhöhten Markern synaptischer Plastizität, einschließlich BDNF. PE-22-28 wurde als metabolisch stabilere Variante mit längerer Wirkdauer entwickelt.
Aus kognitiver Sicht ist PE-22-28 weniger ein direktes Gedächtnis-Nootropikum als vielmehr ein Kandidat zur Stimmungsregulation mit neuroplastischem Zusatznutzen. Da Depression und chronischer Stress die Hippocampusfunktion und damit Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigen, könnte ein neurogenese-förderndes Antidepressivum indirekt kognitive Vorteile bieten. Diese Verbindung bleibt jedoch hypothetisch, solange Humandaten ausstehen.
Wie bei Dihexa beruht die Evidenz zu PE-22-28 ausschließlich auf präklinischen Untersuchungen an Nagetieren. Es existieren keine veröffentlichten klinischen Studien am Menschen, und das Peptid ist nicht zugelassen. Die intranasale Applikation ist die in der Forschung am häufigsten beschriebene Route. PE-22-28 illustriert anschaulich, wie aus der Grundlagenforschung an Ionenkanälen neue therapeutische Konzepte entstehen – und zugleich, wie weit der Weg von einem vielversprechenden Tiermodell bis zu einem erprobten Medikament ist.
Epithalon: Bietet es Neuroprotektion und Schlafregulation?
Epithalon (auch Epitalon, Sequenz Ala-Glu-Asp-Gly) ist ein synthetisches Tetrapeptid, das vom Pinealdrüsen-Extrakt Epithalamin abgeleitet wurde. Es wird traditionell weniger als klassisches kognitives Nootropikum, sondern als Anti-Aging- und neuroprotektives Peptid eingeordnet. Die zugrunde liegende Forschung stammt überwiegend aus der Arbeitsgruppe um Wladimir Chawinson am St. Petersburger Institut für Bioregulation und Gerontologie.
Der am häufigsten genannte Wirkmechanismus ist die berichtete Aktivierung der Telomerase, jenes Enzyms, das die schützenden Endkappen der Chromosomen (Telomere) verlängert. In Zell- und Tierstudien wurde zudem eine Regulation der Melatoninproduktion der Zirbeldrüse, eine antioxidative Wirkung und eine Normalisierung zirkadianer Rhythmen beschrieben. Über die Verbesserung des Schlafs und die Reduktion von oxidativem Stress ergibt sich der indirekte Bezug zur kognitiven Gesundheit, da beide Faktoren Gedächtnis und Konzentration maßgeblich beeinflussen.
Im Kontext des Gehirns wird Epithalon vor allem ein neuroprotektiver, das Altern verlangsamender Effekt zugeschrieben – also der Schutz bestehender neuronaler Strukturen statt einer akuten Leistungssteigerung. Damit ergänzt es die übrigen Peptide dieser Liste konzeptionell: Während Semax und Dihexa auf aktive Plastizität abzielen, steht bei Epithalon die langfristige Erhaltung im Vordergrund.
Die kritische Einordnung ist auch hier unverzichtbar. Die Belege für die telomerase- und altersmodulierenden Effekte stammen überwiegend aus einer einzigen Forschungstradition und wurden international nur begrenzt unabhängig repliziert. Robuste, große klinische Studien zu kognitiven Endpunkten fehlen. Epithalon ist nicht als Arzneimittel zugelassen und gilt als Forschungssubstanz. Wer sich für die breitere Landschaft interessiert, findet in unserem Überblick zu den besten Peptiden eine weitergehende Einordnung.
Welche Stacks und Dosierungen werden diskutiert?
In der Nootropika-Community kursieren verschiedene Kombinationen und Dosierungsschemata. Es ist ausdrücklich zu betonen, dass die folgende Übersicht den Stand informeller Anwendungsberichte und präklinischer Literatur wiedergibt und keine Dosierungsempfehlung darstellt. Validierte, behördlich geprüfte Dosierungen für den kognitiven Einsatz existieren für keines dieser Peptide außerhalb der jeweiligen Zulassungsländer.
Die am häufigsten beschriebene Kombination ist Semax plus Selank: Das aktivierende, fokussteigernde Semax wird mit dem anxiolytischen, ausgleichenden Selank gepaart, um Antrieb und Ruhe zu balancieren. Beide werden meist intranasal angewendet. Epithalon wird gelegentlich als zyklische Kur über mehrere Tage bis Wochen ergänzt, primär wegen seiner Schlaf- und Regenerationswirkung. Dihexa und PE-22-28 werden in solchen Berichten seltener und mit deutlich größerer Unsicherheit genannt, da Humandaten vollständig fehlen.
| Peptid | Typischer Applikationsweg | In Berichten genannte Spanne | Evidenzlage |
|---|---|---|---|
| Semax | Intranasal | ca. 200–600 µg/Tag | Klinisch (regional) |
| Selank | Intranasal | ca. 250–750 µg/Tag | Klinisch (regional) |
| Dihexa | Oral / transdermal | niedriger mg-Bereich | Nur präklinisch |
| PE-22-28 | Intranasal / subkutan | nicht validiert | Nur präklinisch |
| Epithalon | Subkutan (Zyklus) | 5–10 mg/Tag im Zyklus | Begrenzt / regional |
Grundsätzlich gelten beim Stacking einige Vorsichtsprinzipien: jeweils nur eine Substanz neu einführen, um Effekte und Verträglichkeit zuordnen zu können; mit der niedrigsten plausiblen Menge beginnen; und Wirkungen systematisch dokumentieren. Hilfreich können dabei strukturierte Werkzeuge wie unser Peptid-Tracker oder das Peptide Lab zur Berechnung von Rekonstitution und Dosierung sein.
Allgemeine Hinweise zur sinnvollen Kombination von Peptiden – etwa zur Vermeidung redundanter Wirkmechanismen und zur zeitlichen Staffelung – haben wir in unserem Leitfaden zum Peptid-Stacking zusammengefasst. Letztlich ersetzt keine Tabelle die individuelle ärztliche Beurteilung, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen oder gleichzeitiger Medikamenteneinnahme.
Wie sieht es mit Sicherheit, Nebenwirkungen und Rechtslage aus?
Die Sicherheitsbewertung nootroper Peptide ist durch die dünne Humandatenlage erschwert. Für Semax und Selank liegen aus den Zulassungsländern Erfahrungswerte vor, die ein insgesamt günstiges Kurzzeit-Verträglichkeitsprofil nahelegen; berichtete Nebenwirkungen betreffen vor allem lokale Reizungen der Nasenschleimhaut. Zu Langzeiteffekten über Jahre fehlen jedoch belastbare Daten. Für Dihexa und PE-22-28 existieren überhaupt keine publizierten Humandaten, sodass über Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Langzeitrisiken seriös keine Aussage möglich ist.
Theoretische Sicherheitsbedenken verdienen besondere Beachtung bei Substanzen, die stark in Wachstums- und Proliferationssignale eingreifen. Bei Dihexa etwa wirft die ausgeprägte Förderung von Zellwachstum und Angiogenese über das HGF/c-Met-System die Frage nach proliferativen Risiken auf – ein Aspekt, der ausschließlich durch kontrollierte klinische Forschung geklärt werden kann. Bei Epithalon ist die berichtete Telomerase-Aktivierung ähnlich zweischneidig zu betrachten. Solche Überlegungen sind nicht als Beweis eines Schadens zu verstehen, sondern als Mahnung zur Vorsicht angesichts fehlender Daten.
Ein erheblicher praktischer Risikofaktor ist die Produktqualität. Als Forschungssubstanzen verkaufte Peptide unterliegen keiner pharmazeutischen Qualitätskontrolle. Verunreinigungen, falsche Konzentrationen, Endotoxine oder fehlerhafte Kennzeichnung sind dokumentierte Probleme dieses Marktes. Die meisten Forschungspeptide sind in den USA und der EU ausdrücklich als „nur zu Forschungszwecken“ deklariert und nicht für die Anwendung am Menschen bestimmt.
Rechtlich ist die Lage uneinheitlich und ändert sich laufend. Keines der hier besprochenen Peptide ist von der FDA oder der EMA für kognitive Indikationen zugelassen. Der Besitz-, Einfuhr- und Anwendungsstatus variiert von Land zu Land erheblich; zudem stehen mehrere dieser Substanzen auf der Überwachungsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. Eine Anwendung kann daher je nach Jurisdiktion rechtliche Konsequenzen haben.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die besprochenen Peptide sind überwiegend nicht für den menschlichen Gebrauch zugelassen und gelten als Forschungssubstanzen. Konsultieren Sie vor jeder Erwägung einer Anwendung qualifiziertes medizinisches Fachpersonal. Weitere Informationen finden Sie in unserem medizinischen Haftungsausschluss.
Empfohlene Produkte
Forschungspeptide ausgewählt für Qualität und Reinheit:
GHK-Cu
Anti-Aging-Peptid
Testen Sie Ihr Wissen
Schnell-Quiz · 6 Fragen
Häufig gestellte Fragen
Welches Peptid gilt als das beste für die kognitive Funktion?
Sind Semax, Selank, Dihexa, PE-22-28 oder Epithalon von FDA oder EMA zugelassen?
Wie erhöhen diese Peptide den BDNF-Spiegel?
Kann man Semax und Selank kombinieren?
Wie werden nootrope Peptide üblicherweise angewendet?
Welche Nebenwirkungen sind bekannt?
Worin unterscheidet sich Dihexa von BDNF-basierten Peptiden?
Ist Epithalon ein kognitives Nootropikum?
Wie verlässlich ist die wissenschaftliche Evidenz zu diesen Peptiden?
Ist die Anwendung dieser Peptide legal?
Quellen
- Dolotov O. V., Karpenko E. A., Inozemtseva L. S. et al. (2006). Semax, an analog of adrenocorticotropin (4-10), binds specifically and increases levels of brain-derived neurotrophic factor protein in rat basal forebrain. Journal of Neurochemistry.
- Kolomin T., Shadrina M., Slominsky P. et al. (2013). A new generation of drugs: synthetic peptides based on natural regulatory peptides (Semax and Selank). Neuroscience and Medicine.
- McCoy A. T., Benoist C. C., Wright J. W. et al. (2013). Evaluation of metabolically stabilized angiotensin IV analogs as procognitive/antidementia agents. Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics.
- Mazella J., Pétrault O., Lucas G. et al. (2010). Spadin, a sortilin-derived peptide, targeting rodent TREK-1 channels: a new concept in the antidepressant drug design. PLoS Biology.
- Khavinson V. K., Linkova N. S., Tarnovskaya S. I. (2014). Short peptides regulate gene expression, protein synthesis and enhance life span. Bulletin of Experimental Biology and Medicine.
- Gudasheva T. A., Povarnina P. Y., Seredenin S. B. (2019). Brain-derived neurotrophic factor and its potential therapeutic applications based on low-molecular-weight mimetics. Current Pharmaceutical Design.