Was ist GHRP-6?
GHRP-6 steht für Growth Hormone Releasing Peptide-6, also Wachstumshormon-freisetzendes Peptid 6. Es handelt sich um ein synthetisches Hexapeptid, das aus sechs Aminosäuren in der Sequenz His-D-Trp-Ala-Trp-D-Phe-Lys-NH₂ besteht. Zwei dieser Bausteine liegen in der D-Konfiguration vor (D-Tryptophan an Position 2 und D-Phenylalanin an Position 5), und das C-terminale Ende ist amidiert. Beide Merkmale sind chemisch kein Zufall: Sie erhöhen die Stabilität gegenüber körpereigenen Peptidasen und fixieren die räumliche Struktur, die für die Rezeptorbindung nötig ist. Das Molekulargewicht liegt bei rund 873,0 g/mol, die Summenformel lautet C₄₆H₅₆N₁₂O₆.
GHRP-6 gehört zur Substanzklasse der Wachstumshormon-Sekretagoga (growth hormone secretagogues, GHS). Der Begriff beschreibt Moleküle, die den Körper dazu anregen, eigenes Wachstumshormon (GH) freizusetzen, statt Wachstumshormon von außen zuzuführen. Dieser Unterschied ist zentral für das Verständnis der gesamten Substanzklasse: GHRP-6 ist kein Wachstumshormon und ersetzt es auch nicht. Es greift eine Stufe früher in die Regelkreise ein, nämlich auf der Ebene von Hypothalamus und Hypophyse.
Historisch gehört GHRP-6 zu den frühesten Vertretern dieser Klasse. Bereits Ende der 1980er Jahre wurde das Hexapeptid an gesunden Freiwilligen untersucht und zeigte dort eine selektive Stimulation der GH-Freisetzung (Ilson et al., 1989). Damals war der zugehörige Rezeptor noch unbekannt. Erst 1996 klonierte eine Arbeitsgruppe bei Merck den G-Protein-gekoppelten Rezeptor in Hypophyse und Hypothalamus, an dem diese Sekretagoga ansetzen (Howard et al., 1996). Drei Jahre später wurde mit Ghrelin der körpereigene Ligand dieses Rezeptors identifiziert. GHRP-6 war damit historisch gesehen das Werkzeug, das zur Entdeckung eines ganzen Hormonsystems führte.
Für die Einordnung heute ist der regulatorische Status entscheidend: GHRP-6 besitzt keine Zulassung als Arzneimittel, weder durch die US-amerikanische FDA noch durch die europäische EMA. In Katalogen wird es typischerweise als Substanz für Forschungszwecke geführt. Alles, was Sie in diesem Leitfaden lesen, beschreibt daher den Stand der veröffentlichten Forschung und stellt keine Anwendungsempfehlung dar. Wer sich allgemein mit der Sicherheitsbewertung solcher Substanzen befassen möchte, findet Hintergründe im Beitrag zur Sicherheit von Peptiden.
Wie wirkt GHRP-6 auf das Wachstumshormon?
GHRP-6 bindet als Agonist an den Wachstumshormon-Sekretagoge-Rezeptor Typ 1a (GHS-R1a), der heute meist schlicht Ghrelin-Rezeptor genannt wird. Dieser Rezeptor wurde 1996 aus Hypophyse sowie aus dem Nucleus arcuatus und dem Nucleus infundibularis des Hypothalamus von Schwein und Mensch kloniert und als Zielstruktur der synthetischen Sekretagoga identifiziert (Howard et al., 1996). Die Aktivierung erfolgt über einen G-Protein-gekoppelten Signalweg, der in den somatotropen Zellen der Hypophyse zu einem Anstieg des intrazellulären Calciums und letztlich zur Ausschüttung gespeicherten Wachstumshormons führt.
Entscheidend ist, dass GHRP-6 nicht nur direkt auf die Hypophyse wirkt. Die Forschung der 1990er Jahre hat gezeigt, dass der Hypothalamus für die volle Wirkung unverzichtbar ist. In einer Untersuchung an Patientinnen und Patienten mit hypothalamisch-hypophysärer Diskonnektion war die GH-Antwort auf GHRP-6 vollständig blockiert, und auch der sonst typische synergistische Effekt von GHRP-6 zusammen mit GHRH blieb aus. Die Autorinnen und Autoren folgerten daraus, dass der Hauptangriffspunkt von GHRP-6 auf hypothalamischer Ebene liegt (Popovic et al., 1995).
Eine zweite Humanstudie präzisierte dieses Bild pharmakologisch. Als bei gesunden Probanden die Wirkung des endogenen GHRH blockiert wurde, fiel die GH-Antwort auf GHRP-6 deutlich geringer aus. Für eine maximale GH-Stimulation benötigt GHRP-6 also das körpereigene GHRH (Pandya et al., 1998). Praktisch bedeutet das: GHRP-6 verstärkt und verlängert einen bestehenden physiologischen Ausschüttungsimpuls, statt ihn vollständig zu ersetzen.
Die resultierende GH-Freisetzung bleibt daher pulsatil, also wellenförmig, und folgt der natürlichen Rhythmik der Hypophyse. Das unterscheidet Sekretagoga grundsätzlich von exogenem Wachstumshormon, das zu anhaltend erhöhten Spiegeln führen kann. Ob diese erhaltene Pulsatilität tatsächlich mit einem günstigeren Sicherheitsprofil einhergeht, ist eine oft aufgestellte, aber für GHRP-6 nie in Langzeitstudien überprüfte Annahme.
Pharmakokinetisch ist GHRP-6 kurzlebig. In einer Untersuchung an neun gesunden männlichen Freiwilligen nach intravenöser Einzelgabe folgte der Plasmaverlauf einer biexponentiellen Funktion mit einer Verteilungshalbwertszeit von 7,6 ± 1,9 Minuten und einer Eliminationshalbwertszeit von 2,5 ± 1,1 Stunden (Cabrales et al., 2013). Untersucht wurden dabei einmalige Bolusgaben von 100, 200 und 400 µg/kg Körpergewicht. Diese Angaben beschreiben ausschließlich die Studienbedingungen und sind ausdrücklich keine Dosierungsempfehlung.
Warum steigert GHRP-6 den Appetit so deutlich?
Die stärkste Appetitwirkung innerhalb der GHRP-Familie gilt als das charakteristische Merkmal von GHRP-6. Der Grund liegt im Rezeptor selbst: GHS-R1a ist der Rezeptor des Ghrelins, jenes Magenhormons, das umgangssprachlich als Hungerhormon bezeichnet wird. Wer diesen Rezeptor aktiviert, greift nicht nur in die GH-Achse ein, sondern gleichzeitig in die zentrale Steuerung von Hunger und Energiehaushalt.
Die relevanten Nachweise stammen überwiegend aus dem Tiermodell. In einer viel zitierten Untersuchung an Ratten führte die intrazerebroventrikuläre Gabe von Ghrelin oder GHRP-6 zu einer signifikanten Steigerung der Nahrungsaufnahme und zu einer vorübergehenden Senkung der Körperkerntemperatur. Über die Markierung von c-Fos, einem Indikator neuronaler Aktivierung, ließ sich zeigen, welche Hirnregionen beteiligt sind: Nucleus arcuatus, Nucleus paraventricularis, dorsomedialer und ventromedialer Hypothalamus, lateraler Hypothalamus sowie Areale des Hirnstamms. Im lateralen Hypothalamus wurden gezielt orexinhaltige Neurone aktiviert, nicht aber Neurone mit melaninkonzentrierendem Hormon (Lawrence et al., 2002).
Für den Menschen ist die Beleglage schmaler, als Marketingtexte suggerieren. Kontrollierte Studien, die die Nahrungsaufnahme nach GHRP-6 quantitativ messen, sind rar. Die klarste Humanevidenz für diesen Mechanismus liegt für das verwandte GHRP-2 vor: In einer Studie mit sieben schlanken gesunden Männern, die über 270 Minuten subkutan GHRP-2 oder Kochsalzlösung erhielten, nahmen die Teilnehmer an einem anschließenden Buffet-Mahl rund 36 Prozent mehr Nahrung zu sich als unter Placebo (Laferrère et al., 2005). Da beide Peptide denselben Rezeptor aktivieren, gilt eine vergleichbare Wirkung für GHRP-6 als plausibel, ist aber in dieser Form nicht direkt belegt.
Wichtig ist auch die Kehrseite: Ein starker Appetitreiz ist kein neutraler Nebeneffekt. Er kann die Energiebilanz spürbar verschieben und ist in Kontexten mit Gewichtszielen, gestörtem Essverhalten oder metabolischen Vorerkrankungen potenziell problematisch. Genau diese Eigenschaft ist zugleich der Grund, warum Ghrelin-Rezeptor-Agonisten in der Forschung zu Kachexie und Appetitverlust überhaupt untersucht wurden.
Was zeigen Human- und Tierstudien zu GHRP-6?
Die Humanliteratur zu GHRP-6 besteht überwiegend aus kleinen, kurzfristigen physiologischen und diagnostischen Studien aus den 1990er und frühen 2000er Jahren. Typische Stichprobengrößen liegen im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich, die Beobachtungszeiträume reichen meist von einzelnen Stunden bis zu wenigen Nächten. Endpunkte sind fast immer Hormonspiegel, nicht klinische Ergebnisse wie Körperzusammensetzung, Leistungsfähigkeit oder Lebensqualität über Monate.
Ein instruktives Beispiel sind die Schlafstudien aus München. Wiederholte intravenöse Gaben von GHRP-6 während des Nachtschlafs erhöhten bei gesunden jungen Männern die Serumspiegel von GH, ACTH und Cortisol (Frieboes et al., 1995). Eine Folgeuntersuchung verglich Applikationswege und fand deutliche Unterschiede: Nach oraler Gabe in magensaftresistenten Kapseln blieben GH, ACTH und Cortisol unverändert, während die intranasale Gabe die nächtliche GH-Konzentration signifikant steigerte (Frieboes et al., 1999). Das illustriert ein generelles Problem von Peptiden: Ohne geeignete Formulierung ist die orale Bioverfügbarkeit gering.
Aus der klinischen Endokrinologie stammt die diagnostische Anwendung. GHRP-6 wurde, teils in Kombination mit GHRH, als Stimulationstest zur Beurteilung der hypophysären GH-Reserve eingesetzt und half zugleich, die Lokalisation von Störungen der GH-Achse aufzuklären. Auch Untersuchungen an speziellen Kollektiven existieren, etwa bei Typ-1-Diabetes, wo GHRP-6 neben GH ebenfalls ACTH und Cortisol beeinflusste (de Sá et al., 2010).
Ein zweiter Forschungsstrang, vor allem aus Kuba, untersucht GHRP-6 jenseits der GH-Achse als potenziell zytoprotektive Substanz. In einem präklinischen Wundheilungsmodell wurden bei Wistar-Ratten Vollhautwunden und bei Kaninchen hypertrophe Narben erzeugt und topisch mit einer Zubereitung behandelt, die GHRP-6 in einer Konzentration von 400 µg/mL enthielt. Die Autorinnen und Autoren beschrieben eine Dämpfung immunologisch-entzündlicher Mediatoren und eine reduzierte Expression fibrotischer Zytokine (Mendoza Marí et al., 2016). Diese Arbeiten sind tierexperimentell und lassen sich nicht auf den Menschen übertragen.
Die ehrliche Zusammenfassung lautet: Es gibt viel Mechanismusforschung, einige aussagekräftige akute Humanphysiologie und praktisch keine kontrollierten Langzeitstudien zu Wirksamkeit oder Sicherheit bei gesunden Erwachsenen. Übersichtsarbeiten zur Substanzklasse kommen zu einem ähnlich zurückhaltenden Urteil und verweisen unter anderem auf mögliche Verschlechterungen der Insulinsensitivität unter Sekretagoga (Sigalos und Pastuszak, 2018).
Wie unterscheidet sich GHRP-6 von GHRP-2 und Ipamorelin?
Alle drei Substanzen aktivieren denselben Rezeptor, unterscheiden sich aber in Potenz und Selektivität. GHRP-2 gilt als potenteres Sekretagogon als GHRP-6 bei geringerer Appetitwirkung. Ipamorelin wurde gezielt auf Selektivität hin entwickelt. In der Originalarbeit, die Ipamorelin als erstes selektives Wachstumshormon-Sekretagogon beschrieb, erhöhten GHRP-6 und GHRP-2 die Plasmaspiegel von ACTH und Cortisol, während Ipamorelin diese Hormone nicht stärker stimulierte als GHRH. Bemerkenswert für die Prolaktin-Diskussion: In dieser Untersuchung beeinflusste keines der geprüften Sekretagoga die Werte von FSH, LH, Prolaktin oder TSH signifikant (Raun et al., 1998).
Die folgende Übersicht fasst die in der Literatur beschriebenen Profilunterschiede zusammen. Sie ersetzt keine Einzelfallbewertung und enthält keine Angaben zur Anwendung.
| Merkmal | GHRP-6 | GHRP-2 | Ipamorelin |
|---|---|---|---|
| Struktur | Hexapeptid | Hexapeptid | Pentapeptid |
| Zielrezeptor | GHS-R1a | GHS-R1a | GHS-R1a |
| Appetitstimulation | Ausgeprägt | Moderat | Gering ausgeprägt |
| ACTH und Cortisol | Anstieg berichtet | Anstieg berichtet | Kein Anstieg über GHRH-Niveau |
| Regulatorischer Status | Nicht zugelassen | Nicht zugelassen | Nicht zugelassen |
Eine ausführliche Gegenüberstellung von GHRP-6 und GHRP-2 würde den Rahmen dieses Leitfadens sprengen und findet sich in der eigenständigen GHRP-2-Monografie. Für die selektivere Alternative lohnt der Blick in den Ipamorelin-Leitfaden, der das Sicherheitsprofil dieses Pentapeptids im Detail behandelt.
Wichtig bleibt die Einordnung: Selektiver bedeutet nicht automatisch sicherer. Auch für Ipamorelin fehlen belastbare Langzeitdaten am Menschen. Die Unterschiede betreffen das akute Hormonprofil, nicht die Frage, ob eine jahrelange Anwendung unbedenklich wäre.
Warum wird GHRP-6 oft zusammen mit einem GHRH wie CJC-1295 genannt?
Die Kombination aus einem Sekretagogon und einem GHRH-Analogon beruht auf einer physiologisch nachvollziehbaren Überlegung. Beide Substanzklassen greifen an unterschiedlichen Rezeptoren an: GHRP-6 am Ghrelin-Rezeptor GHS-R1a, GHRH-Analoga am GHRH-Rezeptor der somatotropen Zellen. In Humanstudien der 1990er Jahre führte die gemeinsame Gabe von GHRH und GHRP-6 zu einer GH-Ausschüttung, die deutlich über der Summe der Einzelwirkungen lag.
Dass die beiden Wege zusammenhängen, zeigt die bereits erwähnte Untersuchung, in der eine Blockade des endogenen GHRH die GH-Antwort auf GHRP-6 abschwächte (Pandya et al., 1998). GHRP-6 ist also auf einen funktionierenden GHRH-Tonus angewiesen. Umgekehrt unterdrückt GHRP-6 vermutlich hemmende Somatostatin-Einflüsse. Das erklärt, warum die Kombination in akuten Testsituationen synergistisch wirkt.
In der Praxis der Forschungsliteratur taucht diese Logik vor allem bei diagnostischen Stimulationstests auf, nicht als etabliertes Therapieschema. In informellen Kontexten wird sie dagegen häufig auf Kombinationen wie CJC-1295 übertragen. Zu einer solchen Kombinationslogik finden Sie Hintergründe im Beitrag über den CJC-1295 und Ipamorelin Stack, der dieselbe Zwei-Rezeptor-Idee mit dem selektiveren Partnerpeptid beschreibt.
Aus wissenschaftlicher Sicht ist hier Zurückhaltung geboten. Ein akuter Synergieeffekt auf einen Hormonspiegel ist kein Beleg für klinischen Nutzen über Wochen oder Monate. Für keine dieser Kombinationen existieren kontrollierte Langzeitstudien zu Wirksamkeit oder Sicherheit bei gesunden Erwachsenen. Zugelassene GHRH-Analoga wie Sermorelin oder Tesamorelin haben ihre Indikationen in klar definierten klinischen Situationen erworben, nicht in der allgemeinen Leistungs- oder Anti-Aging-Anwendung.
Wer die reine Rekonstitutionsmathematik solcher Forschungspeptide nachvollziehen möchte, kann den GHRP-6-Rechner in unserer Peptide-Lab-Anwendung nutzen. Das Werkzeug rechnet ausschließlich Volumen und Konzentrationen um und spricht bewusst keine Empfehlung zu Mengen, Frequenz oder Anwendung aus.
Welche unerwünschten Wirkungen wurden bei GHRP-6 berichtet?
Die am besten dokumentierte hormonelle Nebenwirkung ist die Mitaktivierung der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. In Humanstudien stiegen nach GHRP-6-Gabe neben GH auch ACTH und Cortisol an (Frieboes et al., 1995; de Sá et al., 2010), und im direkten Vergleich mit Ipamorelin gehörte GHRP-6 zu den Sekretagoga mit messbarem ACTH- und Cortisol-Effekt (Raun et al., 1998). Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel wäre aus endokrinologischer Sicht unerwünscht, weil er Stoffwechsel, Immunfunktion und Schlaf beeinflusst. Ob die in den Studien beobachteten akuten Anstiege bei wiederholter Anwendung persistieren, ist nicht untersucht.
Bei Prolaktin ist die Faktenlage schwächer, als häufig behauptet wird. Erhöhungen von Prolaktin sind vor allem für verwandte Sekretagoga wie Hexarelin und GHRP-2 beschrieben worden. In der Vergleichsstudie von Raun und Kollegen veränderte keines der geprüften Sekretagoga, GHRP-6 eingeschlossen, die Prolaktinspiegel signifikant. Wer also eine deutliche Prolaktinerhöhung als gesicherte GHRP-6-Eigenschaft darstellt, geht über die publizierten Daten hinaus.
Weitere in der Literatur zur Substanzklasse diskutierte Punkte sind:
- Metabolische Effekte: Übersichtsarbeiten zu Wachstumshormon-Sekretagoga benennen eine mögliche Verschlechterung der Insulinsensitivität mit Anstieg des Blutzuckers als relevantes Sicherheitssignal (Sigalos und Pastuszak, 2018).
- Appetit und Energiebilanz: Die ausgeprägte orexigene Wirkung kann zu einer ungewollten Zunahme der Kalorienaufnahme führen.
- Wasserretention und Gelenkbeschwerden: Klassische Begleiterscheinungen erhöhter GH- und IGF-1-Spiegel, aus der GH-Therapie bekannt und für Sekretagoga plausibel, für GHRP-6 aber nicht systematisch quantifiziert.
- Lokale Reaktionen und Qualitätsrisiken: Produkte ohne pharmazeutische Zulassung unterliegen keiner behördlichen Qualitätskontrolle, weshalb Reinheit, Identität und Sterilität nicht garantiert sind.
Zwei Gruppen verdienen besondere Vorsicht: Menschen mit bestehenden Störungen des Glukosestoffwechsels und Menschen mit hormonaktiven oder onkologischen Erkrankungen, da die Aktivierung der GH- und IGF-1-Achse hier theoretisch ungünstig sein kann. Eine belastbare Risikoquantifizierung existiert für GHRP-6 nicht.
Medizinischer Hinweis: Diese Aufzählung dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Besprechen Sie gesundheitliche Fragen mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson.
Wie ist der rechtliche und Anti-Doping-Status von GHRP-6?
GHRP-6 ist in keiner großen Jurisdiktion als Arzneimittel zugelassen. Es existiert keine FDA-Zulassung und keine EMA-Zulassung für eine Indikation am Menschen. In der Praxis wird die Substanz als Forschungschemikalie vertrieben, häufig mit dem Hinweis, dass sie nicht für den menschlichen Gebrauch bestimmt ist. Dieser Hinweis ist keine Formalie, sondern beschreibt den tatsächlichen regulatorischen Status.
Die rechtliche Bewertung von Herstellung, Einfuhr, Besitz und Abgabe unterscheidet sich zwischen Ländern erheblich und ändert sich. In der Europäischen Union und in der Schweiz fallen nicht zugelassene Substanzen mit pharmakologischer Wirkung typischerweise unter das jeweilige Arzneimittelrecht. In Deutschland und Österreich greifen zusätzlich sportrechtliche und arzneimittelrechtliche Regelungen zum Umgang mit Dopingmitteln. Prüfen Sie den Status stets für Ihr eigenes Land, bevor Sie Annahmen treffen.
Im Anti-Doping-Kontext ist die Lage dagegen eindeutig. Die Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) führt in Abschnitt S2 die Kategorie Peptidhormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Substanzen und Mimetika. Innerhalb dieses Abschnitts sind bei den wachstumshormonfreisetzenden Faktoren sowohl Wachstumshormon-Sekretagoga und ihre Mimetika als auch die GH-freisetzenden Peptide (GHRPs) aufgeführt, und GHRP-6 wird dort namentlich genannt, neben unter anderem GHRP-1, GHRP-2 (Pralmorelin), GHRP-3, GHRP-4, GHRP-5, Hexarelin und Alexamorelin. Substanzen dieses Abschnitts sind jederzeit verboten, also im Wettkampf und außerhalb des Wettkampfs.
Für Athletinnen und Athleten bedeutet das: Eine Anwendung von GHRP-6 stellt einen Verstoß gegen die Anti-Doping-Bestimmungen dar, unabhängig davon, ob sie als Nahrungsergänzung, Forschungspeptid oder ärztliche Maßnahme deklariert wird. Da die Verbotsliste jährlich aktualisiert wird, sollten Sie vor jeder Entscheidung die aktuell gültige Fassung auf der offiziellen WADA-Website prüfen und sich nicht auf Sekundärquellen verlassen.
Was bleibt bei GHRP-6 unbekannt?
Trotz vierzig Jahren Forschungsgeschichte bleiben zentrale Fragen zu GHRP-6 unbeantwortet. Die größte Lücke betrifft die Langzeitsicherheit am Menschen. Es existieren keine publizierten kontrollierten Studien, die gesunde Erwachsene über Monate oder Jahre unter GHRP-6 beobachtet und dabei metabolische, kardiovaskuläre oder onkologische Endpunkte erfasst hätten. Alles, was über kurzfristige Hormonantworten hinausgeht, ist Extrapolation.
Unklar ist zweitens, ob eine wiederholte Stimulation des Ghrelin-Rezeptors zu einer Desensibilisierung führt. Für verwandte Sekretagoga ist eine rasche Rezeptordesensibilisierung in vitro beschrieben worden. Ob und in welchem Ausmaß die GH-Antwort auf GHRP-6 bei fortgesetzter Anwendung nachlässt, ist für den Menschen nicht systematisch untersucht.
Drittens fehlt eine belastbare Aussage zur klinischen Relevanz. Ein messbarer GH-Anstieg über einige Stunden sagt wenig darüber aus, ob sich Körperzusammensetzung, Knochendichte, Regeneration oder Schlafqualität langfristig verändern. Übersichtsarbeiten zur Substanzklasse beschreiben mögliche Effekte auf Appetit, Magermasse und Schlaf, betonen aber zugleich die begrenzte Datenqualität und das Signal einer verminderten Insulinsensitivität (Sigalos und Pastuszak, 2018).
Viertens sind die zytoprotektiven Befunde jenseits der GH-Achse interessant, aber unausgereift. Die Arbeiten zur Wundheilung und zur Dämpfung fibrotischer Zytokine stammen aus Nagetier- und Kaninchenmodellen (Mendoza Marí et al., 2016). Der Schritt zu kontrollierten klinischen Studien am Menschen ist für diese Indikationen nicht in relevantem Umfang erfolgt.
Schließlich bleibt die Frage der Produktqualität offen. Ohne Zulassung gibt es keine verbindliche Prüfung von Identität, Reinheit und Sterilität. Auch aus diesem Grund führen wir im Katalog kein GHRP-6-Produkt und verlinken bewusst keine Bezugsquelle. Wenn Sie sich mit der Substanzklasse beschäftigen, tun Sie das mit klarem Blick auf das, was die Literatur belegt, und auf das, was sie offenlässt.
Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken. GHRP-6 ist ein Forschungspeptid ohne arzneimittelrechtliche Zulassung für den Menschen. Er stellt keine medizinische Beratung dar und enthält keine Dosierungsempfehlungen. Konsultieren Sie vor gesundheitsbezogenen Entscheidungen eine Ärztin oder einen Arzt.
Empfohlene Produkte
Forschungspeptide ausgewählt für Qualität und Reinheit:
GHK-Cu
Anti-Aging-Peptid
Testen Sie Ihr Wissen
Schnell-Quiz · 6 Fragen
Peptide Lab: kostenloser Rechner & Tracker
Berechnen Sie Ihre Rekonstitution, verfolgen Sie Peptide und Injektionen. Kostenlos, ohne Kreditkarte.
Häufige Fragen zu GHRP-6
Ist GHRP-6 dasselbe wie Wachstumshormon?
Warum macht GHRP-6 hungrig?
Erhöht GHRP-6 wirklich Cortisol und Prolaktin?
Wie lange bleibt GHRP-6 im Körper?
Wirkt GHRP-6 oral?
Was ist der Unterschied zwischen GHRP-6, GHRP-2 und Ipamorelin?
Ist GHRP-6 im Sport verboten?
Ist GHRP-6 legal erhältlich und sicher?
Quellen
- Howard AD, Feighner SD, Cully DF, et al. (1996). A receptor in pituitary and hypothalamus that functions in growth hormone release. Science.
- Popovic V, Damjanovic S, Micic D, Djurovic M, Dieguez C, Casanueva FF (1995). Blocked growth hormone-releasing peptide (GHRP-6)-induced GH secretion and absence of the synergic action of GHRP-6 plus GH-releasing hormone in patients with hypothalamopituitary disconnection: evidence that GHRP-6 main action is exerted at the hypothalamic level. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism.
- Pandya N, DeMott-Friberg R, Bowers CY, Barkan AL, Jaffe CA (1998). Growth hormone (GH)-releasing peptide-6 requires endogenous hypothalamic GH-releasing hormone for maximal GH stimulation. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism.
- Lawrence CB, Snape AC, Baudoin FM, Luckman SM (2002). Acute central ghrelin and GH secretagogues induce feeding and activate brain appetite centers. Endocrinology.
- Cabrales A, Gil J, Fernández E, et al. (2013). Pharmacokinetic study of Growth Hormone-Releasing Peptide 6 (GHRP-6) in nine male healthy volunteers. European Journal of Pharmaceutical Sciences.
- Frieboes RM, Murck H, Maier P, Schier T, Holsboer F, Steiger A (1995). Growth hormone-releasing peptide-6 stimulates sleep, growth hormone, ACTH and cortisol release in normal man. Neuroendocrinology.
- Frieboes RM, Murck H, Antonijevic IA, Steiger A (1999). Effects of growth hormone-releasing peptide-6 on the nocturnal secretion of GH, ACTH and cortisol and on the sleep EEG in man: role of routes of administration. Journal of Neuroendocrinology.
- Raun K, Hansen BS, Johansen NL, et al. (1998). Ipamorelin, the first selective growth hormone secretagogue. European Journal of Endocrinology.
- Laferrère B, Abraham C, Russell CD, Bowers CY (2005). Growth hormone releasing peptide-2 (GHRP-2), like ghrelin, increases food intake in healthy men. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism.
- Sigalos JT, Pastuszak AW (2018). The Safety and Efficacy of Growth Hormone Secretagogues. Sexual Medicine Reviews.
- Mendoza Marí Y, Fernández Mayola M, Aguilera Barreto A, et al. (2016). Growth Hormone-Releasing Peptide 6 Enhances the Healing Process and Improves the Esthetic Outcome of the Wounds. Plastic Surgery International.
- de Sá LB, Nascif SO, Correa-Silva SR, et al. (2010). Effects of ghrelin, growth hormone-releasing peptide-6, and growth hormone-releasing hormone on growth hormone, adrenocorticotropic hormone, and cortisol release in type 1 diabetes mellitus. Metabolism.
- Ilson BE, Jorkasky DK, Curnow RT, Stote RM (1989). Effect of a new synthetic hexapeptide to selectively stimulate growth hormone release in healthy human subjects. The Journal of Clinical Endocrinology & Metabolism.
- World Anti-Doping Agency (2026). World Anti-Doping Code International Standard: Prohibited List, Section S2 (Peptide Hormones, Growth Factors, Related Substances and Mimetics). WADA.