- Trulicity enthält Dulaglutid, Ozempic enthält Semaglutid. Beide sind GLP-1-Rezeptoragonisten, die einmal pro Woche subkutan angewendet werden, erreichen ihre lange Wirkdauer aber über völlig verschiedene molekulare Strategien.
- Dulaglutid verlängert seine Halbwertszeit durch Fusion an ein IgG4-Fc-Fragment, Semaglutid durch Acylierung mit einer C18-Fettdisäure, die eine starke Albuminbindung vermittelt.
- SUSTAIN 7 ist der einzige große randomisierte Kopf-an-Kopf-Vergleich der beiden Wirkstoffe. Über 40 Wochen und bei 1.201 Teilnehmenden senkte Semaglutid HbA1c und Körpergewicht statistisch signifikant stärker als Dulaglutid.
- Beide Wirkstoffe haben eigene kardiovaskuläre Endpunktstudien: REWIND für Dulaglutid mit 9.901 Teilnehmenden über median 5,4 Jahre und SUSTAIN-6 für Semaglutid mit 3.297 Teilnehmenden über 104 Wochen. Ein direkter kardiovaskulärer Vergleich der beiden existiert nicht.
- Das Nebenwirkungsprofil ist bei beiden überwiegend gastrointestinal, mit Übelkeit, Erbrechen und Durchfall als häufigsten Meldungen. In SUSTAIN-6 traten Komplikationen einer diabetischen Retinopathie unter Semaglutid häufiger auf als unter Placebo.
- Keiner der beiden Wirkstoffe ist unter diesen Handelsnamen zur Gewichtsregulierung zugelassen. Semaglutid ist dafür in der EU unter einem anderen Handelsnamen (Wegovy) zugelassen, für Dulaglutid gibt es keine entsprechende Zulassung.
- Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Entscheidungen über verschreibungspflichtige Arzneimittel gehören in die Hand von Ärztinnen und Ärzten.
Was unterscheidet Trulicity und Ozempic grundsätzlich?
Trulicity ist der Handelsname eines Arzneimittels von Eli Lilly mit dem Wirkstoff Dulaglutid. Ozempic ist der Handelsname eines Arzneimittels von Novo Nordisk mit dem Wirkstoff Semaglutid. Beide gehören zur Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten, also zu Substanzen, die den Rezeptor des körpereigenen Darmhormons Glucagon-like Peptide 1 aktivieren. Beide werden subkutan injiziert, und beide sind für eine Anwendung einmal pro Woche konzipiert.
Damit endet die Liste der Gemeinsamkeiten jedoch schon fast. Chemisch sind die beiden Moleküle weit voneinander entfernt. Dulaglutid ist ein großes Fusionsprotein mit einem Molekulargewicht von rund 59.670 g/mol, hergestellt in Säugetierzellen. Semaglutid ist ein vergleichsweise kleines, chemisch modifiziertes Peptid mit einem Molekulargewicht von 4113,58 g/mol. Der Größenunterschied beträgt etwa einen Faktor 14 und ist kein Zufall: Er ist die direkte Folge zweier unterschiedlicher pharmazeutischer Lösungswege für dasselbe Problem, nämlich die extrem kurze natürliche Halbwertszeit von GLP-1 von nur wenigen Minuten.
Für die Praxis relevant ist außerdem, dass die klinische Datenbasis der beiden Wirkstoffe unterschiedlich aufgebaut ist. Dulaglutid wurde im AWARD-Programm entwickelt und in der Studie REWIND über mehrere Jahre bei einer Population untersucht, die überwiegend noch keine manifeste kardiovaskuläre Erkrankung hatte. Semaglutid wurde im SUSTAIN-Programm untersucht, dessen kardiovaskuläre Studie SUSTAIN-6 eine Hochrisikopopulation über 104 Wochen beobachtete. Eine einzige große randomisierte Studie hat die beiden Substanzen tatsächlich direkt gegeneinander geprüft: SUSTAIN 7.
Dieser Artikel fasst die vorhandene Evidenz neutral zusammen. Er enthält bewusst keine Anwendungsempfehlungen und keine Angaben zur praktischen Anwendung, da es sich bei beiden Präparaten um verschreibungspflichtige Arzneimittel handelt, deren Einsatz ausschließlich in ärztliche Verantwortung fällt. Eine Übersicht über die gesamte Wirkstoffklasse finden Sie in unserem Leitfaden zu GLP-1-Agonisten.
Wie unterscheiden sich Dulaglutid und Semaglutid molekular?
Natürliches GLP-1 wird im Blut innerhalb von Minuten durch das Enzym Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4) abgebaut und zusätzlich rasch über die Nieren ausgeschieden. Jede wöchentlich anwendbare Substanz dieser Klasse muss daher beide Abbauwege gleichzeitig blockieren. Dulaglutid und Semaglutid tun das auf grundlegend verschiedene Weise.
Dulaglutid ist ein Fc-Fusionsprotein. Es besteht aus zwei identischen Ketten, die ein Homodimer bilden. Jede Kette trägt ein GLP-1(7-37)-Analogon mit den Substitutionen Ala8Gly, Gly22Glu und Arg36Gly, das über einen kleinen Peptidlinker kovalent an ein modifiziertes Fragment der schweren Kette eines humanen Immunglobulins G4 gebunden ist. Das Gesamtmolekül umfasst 275 Aminosäuren. Die Wahl von IgG4 anstelle von IgG1 sowie die eingeführten Mutationen in der Hinge-Region dienen dazu, die Bindung an hochaffine Fc-Rezeptoren und damit immunologische Effektorfunktionen zu reduzieren. Glaesner und Kollegen zeigten in der präklinischen Charakterisierung, dass dieses Konstrukt die Rezeptoraktivität von GLP-1 behält und gleichzeitig eine deutlich verlängerte Wirkdauer aufweist.
Der Fc-Anteil wirkt dabei dreifach: Er schützt den GLP-1-Teil sterisch vor dem enzymatischen Abbau, er verhindert durch die reine Molekülgröße eine glomeruläre Filtration, und er ermöglicht das FcRn-vermittelte Recycling, also denselben Mechanismus, der natürlichen Antikörpern ihre lange Verweildauer im Kreislauf gibt.
Semaglutid nutzt stattdessen die Acylierung. Lau und Kollegen beschrieben 2015 im Journal of Medicinal Chemistry die Designstrategie: Position 8 des Peptids wurde durch die synthetische Aminosäure Alpha-Aminoisobuttersäure (Aib) ersetzt, was die Substanz gegen DPP-4 stabilisiert. Position 34 wurde von Lysin auf Arginin geändert, damit die anschließende Acylierung ortsspezifisch erfolgt. An Lysin 26 wurde über einen Linker aus einem Gamma-Glutaminsäure-Spacer und zwei 8-Amino-3,6-dioxaoctansäure-Einheiten eine C18-Fettdisäure angehängt. Diese Seitenkette vermittelt eine starke, aber reversible Bindung an Serumalbumin. Das gebundene Molekül entgeht der renalen Ausscheidung und wird nur langsam wieder freigesetzt. Eine ausführlichere Darstellung finden Sie in unserer Monografie zu Semaglutid.
Warum genügt bei beiden eine wöchentliche Anwendung?
Beide Wirkstoffe erreichen Halbwertszeiten, die ein wöchentliches Anwendungsintervall pharmakokinetisch tragfähig machen. Für Dulaglutid wird in der Literatur eine terminale Eliminationshalbwertszeit von etwa fünf Tagen berichtet, mit maximalen Plasmakonzentrationen rund 48 Stunden nach der Anwendung. Für Semaglutid liegt die Halbwertszeit bei etwa einer Woche, was in der Publikation zu SUSTAIN-6 ausdrücklich als Grundlage für das wöchentliche Intervall genannt wird.
Diese langen Halbwertszeiten haben eine praktische Konsequenz, die oft übersehen wird: Der Steady State, also der Zustand gleichmäßiger Wirkstoffkonzentration im Blut, wird erst nach mehreren Wochen erreicht. Veränderungen der Wirkung oder der Verträglichkeit stellen sich daher nicht sofort ein, sondern über einen Zeitraum, der sich über mehrere Anwendungsintervalle erstreckt. Dasselbe gilt in umgekehrter Richtung beim Absetzen.
Ein zweiter, weniger offensichtlicher Unterschied liegt in der Art der Proteinbindung. Semaglutid ist an Albumin gebunden, also an ein Protein, dessen Konzentration bei Erkrankungen wie Leberinsuffizienz, nephrotischem Syndrom oder schwerer Entzündung schwanken kann. Dulaglutid dagegen trägt seinen Verlängerungsmechanismus im eigenen Molekül und ist von der Albuminkonzentration unabhängig. Welche klinische Relevanz dieser Unterschied im Einzelfall hat, ist in vergleichenden Studien nicht systematisch untersucht worden.
Beide Substanzen werden als Fertigpen beziehungsweise Fertigspritze bereitgestellt und bedürfen keiner Rekonstitution. Das unterscheidet zugelassene Arzneimittel deutlich von lyophilisierten Forschungspeptiden, die in einem anderen regulatorischen Rahmen vertrieben werden und keine Arzneimittelqualität besitzen. Hinweise dazu finden Sie unter Ozempic Alternativen.
Was zeigte der direkte Vergleich in SUSTAIN 7?
SUSTAIN 7 ist die zentrale Studie für diesen Vergleich und die einzige große randomisierte Untersuchung, in der Semaglutid und Dulaglutid direkt gegeneinander geprüft wurden. Pratley und Kollegen veröffentlichten die Ergebnisse 2018 in Lancet Diabetes & Endocrinology. Es handelte sich um eine randomisierte, offene Phase-3b-Studie über 40 Wochen mit 1.201 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, die bereits Metformin erhielten. Der mittlere HbA1c-Ausgangswert lag bei 8,2 Prozent.
Die Studie verglich jeweils vergleichbar positionierte Stärken der beiden Wirkstoffe. In beiden Vergleichspaaren fiel das Ergebnis zugunsten von Semaglutid aus, sowohl für den HbA1c-Wert als dem primären Endpunkt als auch für das Körpergewicht als bestätigendem sekundären Endpunkt. Für das höhere Vergleichspaar betrug der geschätzte Behandlungsunterschied im HbA1c 0,41 Prozentpunkte zugunsten von Semaglutid.
Bemerkenswert ist der Abstand beim Körpergewicht. Er war mit etwa 2 bis 3,5 Kilogramm über 40 Wochen deutlich größer als man aus dem HbA1c-Unterschied allein erwarten würde. Eine 2021 publizierte Post-hoc-Analyse von SUSTAIN 7 untersuchte, ob dieser Vorteil von Patientenmerkmalen abhängt. Das Ergebnis: Die stärkeren Reduktionen von HbA1c und Körpergewicht unter Semaglutid zeigten sich unabhängig von Alter, Geschlecht, Diabetesdauer, Ausgangs-HbA1c und Body-Mass-Index.
Eine 2026 im Journal The Lancet Regional Health Europe veröffentlichte populationsbasierte Kohortenstudie aus der britischen Primärversorgung untersuchte dieselbe Frage unter Alltagsbedingungen bei Personen, die zwischen 2019 und 2022 eine der beiden Substanzen neu begannen. Auch hier fiel der Vergleich zugunsten von Semaglutid aus, mit einem zusätzlichen HbA1c-Vorteil von etwa 0,2 Prozentpunkten und einem Gewichtsunterschied von rund 2 Kilogramm nach zwölf Monaten, bei vergleichbarem Sicherheitsprofil. Interessant ist ein Nebenergebnis dieser Arbeit: Nur etwa 13 Prozent der real behandelten Personen hätten die Einschlusskriterien von SUSTAIN 7 überhaupt erfüllt. Das illustriert, wie eng die Population einer Zulassungsstudie im Vergleich zum Versorgungsalltag ist.
Die folgende Tabelle fasst die Eckdaten der wichtigsten Studien zusammen. Die angegebenen Stärken sind ausschließlich die in den jeweiligen Studien untersuchten Prüfbedingungen und stellen keine Anwendungsempfehlung dar.
| Studie | Vergleich | In der Studie geprüfte wöchentliche Stärken | Dauer | Teilnehmende | Zentrale Ergebnisse |
|---|---|---|---|---|---|
| SUSTAIN 7 (2018) | Semaglutid gegen Dulaglutid, offen, randomisiert | Semaglutid 0,5 mg gegen Dulaglutid 0,75 mg; Semaglutid 1,0 mg gegen Dulaglutid 1,5 mg | 40 Wochen | 1.201 | HbA1c: minus 1,5 gegen minus 1,1 Prozentpunkte sowie minus 1,8 gegen minus 1,4 Prozentpunkte. Gewicht: minus 4,6 gegen minus 2,3 kg sowie minus 6,5 gegen minus 3,0 kg |
| REWIND (2019) | Dulaglutid gegen Placebo | Dulaglutid 1,5 mg | median 5,4 Jahre | 9.901 | Primärer kombinierter Endpunkt bei 12,0 gegen 13,4 Prozent; Hazard Ratio 0,88 (95 Prozent KI 0,79 bis 0,99; p = 0,026) |
| SUSTAIN-6 (2016) | Semaglutid gegen Placebo | Semaglutid 0,5 mg und 1,0 mg | 104 Wochen | 3.297 | Primärer kombinierter Endpunkt bei 6,6 gegen 8,9 Prozent; Hazard Ratio 0,74 (95 Prozent KI 0,58 bis 0,95) |
| AWARD-11 (2021) | Dulaglutid in drei Stärken gegeneinander | Dulaglutid 1,5 mg gegen 3,0 mg gegen 4,5 mg | 36 und 52 Wochen | Erwachsene unter Metformin | Die höheren Stärken erreichten eine zusätzliche, stärkenabhängige Senkung von HbA1c und Körpergewicht gegenüber 1,5 mg |
Wie unterscheiden sich die Daten aus REWIND und SUSTAIN-6?
Beide Wirkstoffe verfügen über eine eigene kardiovaskuläre Endpunktstudie. Die beiden Studien sind jedoch so unterschiedlich konstruiert, dass ein direkter Vergleich ihrer Ergebniszahlen methodisch nicht zulässig ist. Wer Trulicity und Ozempic hinsichtlich ihres kardiovaskulären Nutzens gegenüberstellen möchte, muss diesen Punkt kennen.
REWIND untersuchte Dulaglutid gegen Placebo bei 9.901 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes über eine mediane Beobachtungsdauer von 5,4 Jahren. Gerstein und Kollegen berichteten 2019 in The Lancet, dass der primäre kombinierte Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, nicht tödlichem Herzinfarkt und nicht tödlichem Schlaganfall bei 594 Teilnehmenden (12,0 Prozent) unter Dulaglutid und bei 663 Teilnehmenden (13,4 Prozent) unter Placebo auftrat, mit einer Hazard Ratio von 0,88 (95 Prozent Konfidenzintervall 0,79 bis 0,99; p = 0,026). Die Gesamtmortalität unterschied sich nicht signifikant zwischen den Gruppen (10,8 gegen 12,0 Prozent; Hazard Ratio 0,90; 95 Prozent KI 0,80 bis 1,01; p = 0,067).
Die Besonderheit von REWIND liegt in der Zusammensetzung der Population: Nur rund 31,5 Prozent der Teilnehmenden hatten eine vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankung. REWIND ist damit die größte Studie dieser Wirkstoffklasse, die den Nutzen schwerpunktmäßig in einer primärpräventiven Population geprüft hat, also bei Menschen ohne bereits eingetretenes kardiovaskuläres Ereignis.
SUSTAIN-6 untersuchte Semaglutid gegen Placebo bei 3.297 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und hohem kardiovaskulärem Risiko über 104 Wochen. Marso und Kollegen berichteten 2016 im New England Journal of Medicine, dass der primäre kombinierte Endpunkt bei 6,6 Prozent unter Semaglutid und 8,9 Prozent unter Placebo auftrat, mit einer Hazard Ratio von 0,74 (95 Prozent KI 0,58 bis 0,95). Das vorab definierte Studienziel war der Nachweis der Nichtunterlegenheit, also der kardiovaskulären Sicherheit. Neu auftretende oder sich verschlechternde Nephropathie war unter Semaglutid seltener (3,8 gegen 6,1 Prozent; Hazard Ratio 0,64; 95 Prozent KI 0,46 bis 0,88).
Der entscheidende Unterschied für die Interpretation: REWIND beobachtete über mehr als fünf Jahre eine überwiegend primärpräventive Population, SUSTAIN-6 über zwei Jahre eine Hochrisikopopulation. Ein höherer oder niedrigerer Zahlenwert der Hazard Ratio sagt unter diesen Bedingungen nichts über die relative Wirksamkeit der beiden Substanzen aus. Eine randomisierte Studie, die Dulaglutid und Semaglutid direkt auf kardiovaskuläre Endpunkte vergleicht, liegt nicht vor.
Welche Nebenwirkungen sind für beide Wirkstoffe dokumentiert?
Das Nebenwirkungsprofil beider Wirkstoffe ist überwiegend gastrointestinal und für die Klasse der GLP-1-Rezeptoragonisten typisch. Im Vordergrund stehen Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung. Diese Beschwerden treten typischerweise zu Beginn der Behandlung und bei Steigerung der Stärke auf und nehmen bei vielen Betroffenen im Verlauf ab.
In SUSTAIN 7 war die Häufigkeit gastrointestinaler Störungen unter beiden untersuchten Semaglutid-Bedingungen und unter der höheren Dulaglutid-Bedingung vergleichbar und unter der niedrigeren Dulaglutid-Bedingung geringer. Das ist ein wichtiger Befund, weil er dem naheliegenden Verdacht widerspricht, der stärkere Gewichtsverlust unter Semaglutid sei im Wesentlichen die Folge mehr gastrointestinaler Nebenwirkungen. In der AWARD-11-Studie zu Dulaglutid lagen die Häufigkeiten von Übelkeit, Durchfall und Erbrechen bei der höchsten dort geprüften Stärke bei 17,3 Prozent, 11,6 Prozent und 10,1 Prozent und damit im Bereich dessen, was zuvor für niedrigere Stärken berichtet worden war.
Ein wirkstoffspezifisches Signal verdient besondere Aufmerksamkeit: In SUSTAIN-6 traten Komplikationen einer diabetischen Retinopathie unter Semaglutid häufiger auf als unter Placebo (3,0 gegen 1,8 Prozent; Hazard Ratio 1,76; 95 Prozent KI 1,11 bis 2,78). Als Erklärung wird eine rasche Verbesserung der Blutzuckereinstellung bei Personen mit vorbestehender Retinopathie diskutiert, ein Phänomen, das auch von anderen intensivierten Therapien bekannt ist. Dieser Befund ist Bestandteil der Produktinformation und ein Grund, warum eine augenärztliche Beurteilung vor und während der Behandlung Teil der ärztlichen Abwägung ist.
Für die gesamte Wirkstoffklasse sind darüber hinaus Pankreatitis, Gallenwegserkrankungen, Reaktionen an der Injektionsstelle sowie bei gleichzeitiger Anwendung blutzuckersenkender Begleitmedikation ein erhöhtes Hypoglykämierisiko in der Produktinformation aufgeführt. Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat die Wirkstoffklasse zudem wiederholt zu einzelnen Sicherheitsfragen überprüft. Die jeweils aktuelle und vollständige Auflistung steht in der Fachinformation des konkreten Präparates.
Medizinischer Hinweis: Diese Übersicht ist unvollständig und dient allein der Information. Sie ersetzt weder die Fachinformation noch eine ärztliche oder apothekerliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Nebenwirkung wenden Sie sich bitte unverzüglich an medizinisches Fachpersonal.
Wofür sind Trulicity und Ozempic in der EU zugelassen?
Beide Präparate sind in der Europäischen Union zentral zugelassen und verschreibungspflichtig. Ihr Anwendungsgebiet ist in beiden Fällen der Typ-2-Diabetes mellitus, nicht die Gewichtsregulierung.
Nach der EMA-Übersicht ist Trulicity ein Arzneimittel zur Behandlung von Erwachsenen und Kindern ab zehn Jahren mit Typ-2-Diabetes. Es kann als Monotherapie eingesetzt werden, wenn Metformin nicht in Betracht kommt, oder zusätzlich zu anderen Diabetesmedikamenten. Die EMA verweist zudem auf eine Studie mit 9.901 Teilnehmenden, in der Trulicity schwere kardiovaskuläre Ereignisse reduzierte. Das ist REWIND.
Ozempic ist nach der EMA-Übersicht ein Arzneimittel, das zusammen mit Diät und Bewegung zur Behandlung von Erwachsenen mit nicht ausreichend kontrolliertem Typ-2-Diabetes eingesetzt wird, entweder allein, wenn Metformin nicht geeignet ist, oder als Zusatztherapie. Die Zulassung für die gesamte Europäische Union wurde am 8. Februar 2018 erteilt.
Der für viele Leserinnen und Leser wichtigste Punkt betrifft die Gewichtsregulierung. Weder Trulicity noch Ozempic sind unter diesen Handelsnamen zur Gewichtsregulierung zugelassen. Semaglutid ist für diesen Zweck in der EU unter einem anderen Handelsnamen zugelassen: Wegovy erhielt am 6. Januar 2022 eine EU-weite Zulassung und wird gemeinsam mit Ernährungsumstellung und körperlicher Aktivität bei Erwachsenen mit einem BMI von mindestens 30 kg/m² oder von mindestens 27 kg/m² bei zusätzlichen gewichtsbezogenen Begleiterkrankungen eingesetzt, sowie bei Jugendlichen ab zwölf Jahren unter definierten Bedingungen. Für Dulaglutid existiert keine vergleichbare Zulassung zur Gewichtsregulierung. Wer Semaglutid mit einem zur Gewichtsregulierung zugelassenen Liraglutid-Präparat vergleichen möchte, findet die Gegenüberstellung unter Ozempic vs Saxenda.
Zur Verfügbarkeit: In Deutschland bestand bei Trulicity ein Lieferengpass, in dessen Rahmen das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte die Abgabe von Ware in englischsprachiger beziehungsweise US-amerikanischer Aufmachung als Übergangslösung zuließ. Da sich Lieferlagen kurzfristig ändern, sollten Sie die aktuelle Verfügbarkeit in Ihrer Apotheke erfragen.
| Merkmal | Trulicity (Dulaglutid) | Ozempic (Semaglutid) |
|---|---|---|
| Hersteller | Eli Lilly | Novo Nordisk |
| Molekülklasse | GLP-1-Analogon als IgG4-Fc-Fusionsprotein | Acyliertes GLP-1-Analogon mit Albuminbindung |
| Molekulargewicht | ca. 59.670 g/mol | 4113,58 g/mol |
| Anwendungsintervall | einmal wöchentlich, subkutan | einmal wöchentlich, subkutan |
| Halbwertszeit | etwa fünf Tage | etwa eine Woche |
| EU-Anwendungsgebiet | Typ-2-Diabetes, Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren | Typ-2-Diabetes, Erwachsene |
| Kardiovaskuläre Endpunktstudie | REWIND, 9.901 Teilnehmende, median 5,4 Jahre | SUSTAIN-6, 3.297 Teilnehmende, 104 Wochen |
| Zulassung zur Gewichtsregulierung | nein | nein unter diesem Handelsnamen; Semaglutid ist dafür als Wegovy zugelassen |
| Direkter Kopf-an-Kopf-Vergleich | SUSTAIN 7: Vorteil für Semaglutid bei HbA1c und Körpergewicht über 40 Wochen | |
Wie ordnen sich beide in die heutige GLP-1-Landschaft ein?
Der Vergleich Trulicity gegen Ozempic war Mitte der 2010er-Jahre die zentrale Frage innerhalb der wöchentlich angewendeten GLP-1-Rezeptoragonisten. Seither hat sich das Feld erweitert, und die Einordnung beider Substanzen hat sich entsprechend verschoben.
Erstens wurde die Datenbasis innerhalb jedes Wirkstoffs selbst erweitert. AWARD-11 zeigte, dass höhere Stärken von Dulaglutid eine zusätzliche, stärkenabhängige Senkung von HbA1c und Körpergewicht erreichen, bei einem Nebenwirkungsprofil im Bereich dessen, was zuvor für niedrigere Stärken berichtet wurde. Für Semaglutid wurde in SUSTAIN FORTE eine höhere Stärke gegen die bis dahin höchste geprüft. Ein formeller Kopf-an-Kopf-Vergleich dieser neueren Stärken der beiden Wirkstoffe wurde nie durchgeführt. Die vorhandenen Gegenüberstellungen beruhen auf indirekten Vergleichen und Netzwerk-Metaanalysen, die methodisch schwächer sind als eine randomisierte Studie.
Zweitens ist mit Tirzepatid ein dualer Agonist am GIP- und am GLP-1-Rezeptor hinzugekommen, der in seinem Studienprogramm sowohl bei HbA1c als auch beim Körpergewicht höhere Reduktionen erreichte als die reinen GLP-1-Agonisten. Eine Gegenüberstellung finden Sie unter Mounjaro vs Ozempic. Dadurch hat sich die klinische Diskussion von der Frage, welcher der beiden wöchentlichen GLP-1-Agonisten der stärkere ist, weitgehend auf die Frage verlagert, wann ein einfacher und wann ein dualer Rezeptormechanismus angemessen ist.
Drittens bleibt bestehen, was SUSTAIN 7 methodisch so wertvoll macht: Es ist eine randomisierte, prospektive, direkte Gegenüberstellung mit vorab definierten Endpunkten. Solche Studien sind in dieser Wirkstoffklasse selten, weil sie teuer sind und für Hersteller ein Risiko bergen. Die 2026 publizierte britische Kohortenstudie bestätigte die Richtung des Ergebnisses unter Alltagsbedingungen, allerdings mit geringerem Effektabstand als in der Zulassungsstudie, was für Beobachtungsdaten typisch ist.
Abschließender Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er enthält keine Anwendungsempfehlung, keine Angaben zur praktischen Anwendung und keine Bewertung der Eignung für einen Einzelfall. Trulicity und Ozempic sind verschreibungspflichtige Arzneimittel. Jede Entscheidung über Beginn, Fortführung, Wechsel oder Beendigung einer Behandlung gehört ausschließlich in die Hand qualifizierter Ärztinnen und Ärzte. Der rechtliche Status von Arzneimitteln und Peptiden unterscheidet sich je nach Land.
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Schnell-Quiz · 6 Fragen
Häufige Fragen
Sind Trulicity und Ozempic dasselbe Medikament?
Welcher Wirkstoff senkte den HbA1c im direkten Vergleich stärker?
Ist Ozempic in Europa ein zugelassenes Mittel zur Gewichtsregulierung?
Haben beide Wirkstoffe einen kardiovaskulären Nutzen gezeigt?
Warum genügt bei beiden eine Anwendung pro Woche?
Welche Nebenwirkungen werden am häufigsten berichtet?
Kann man von einem Präparat auf das andere wechseln?
Ist Trulicity in Deutschland aktuell verfügbar?
Quellen
- Pratley RE, Aroda VR, Lingvay I, et al. (2018). Semaglutide versus dulaglutide once weekly in patients with type 2 diabetes (SUSTAIN 7): a randomised, open-label, phase 3b trial. The Lancet Diabetes & Endocrinology. (thelancet.com)
- Pratley R, et al. (2021). Impact of patient characteristics on efficacy and safety of once-weekly semaglutide versus dulaglutide: SUSTAIN 7 post hoc analyses. Diabetes, Obesity and Metabolism. (PubMed)
- Gerstein HC, Colhoun HM, Dagenais GR, et al. (2019). Dulaglutide and cardiovascular outcomes in type 2 diabetes (REWIND): a double-blind, randomised placebo-controlled trial. The Lancet. (PubMed)
- Marso SP, Bain SC, Consoli A, et al. (2016). Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Patients with Type 2 Diabetes (SUSTAIN-6). New England Journal of Medicine. (PubMed)
- Lau J, Bloch P, Schäffer L, et al. (2015). Discovery of the Once-Weekly Glucagon-Like Peptide-1 (GLP-1) Analogue Semaglutide. Journal of Medicinal Chemistry. (PubMed)
- Glaesner W, Vick AM, Millican R, et al. (2010). Engineering and characterization of the long-acting glucagon-like peptide-1 analogue LY2189265, an Fc fusion protein. Diabetes/Metabolism Research and Reviews. (PubMed)
- Frias JP, et al. (2021). Efficacy and Safety of Dulaglutide 3.0 mg and 4.5 mg Versus Dulaglutide 1.5 mg in Metformin-Treated Patients With Type 2 Diabetes in a Randomized Controlled Trial (AWARD-11). Diabetes Care. (diabetesjournals.org)
- Populationsbasierte Kohortenstudie, britische Primärversorgung (2026). Comparative Effectiveness and Safety of Once-Weekly Injectable Semaglutide Versus Dulaglutide in Individuals with Type 2 Diabetes Managed in UK Primary Care: A Population-Based Cohort Study. The Lancet Regional Health - Europe. (PubMed)
- European Medicines Agency (2026). Trulicity (Dulaglutid): Übersicht über das Arzneimittel (EPAR). Europäische Arzneimittel-Agentur. (ema.europa.eu)
- European Medicines Agency (2026). Ozempic (Semaglutid): Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit. Europäische Arzneimittel-Agentur. (ema.europa.eu)
- European Medicines Agency (2026). Wegovy (Semaglutid): Übersicht über das Arzneimittel (EPAR). Europäische Arzneimittel-Agentur. (ema.europa.eu)