- Für MOTS-c existiert beim Menschen keine validierte, zugelassene oder behördlich geprüfte Dosierung. Dieser Artikel gibt bewusst keine Dosisempfehlung ab.
- Die meistzitierte präklinische Arbeit (Lee et al., Cell Metabolism 2015) verabreichte Mäusen 0,5 mg/kg pro Tag intraperitoneal, also gewichtsnormiert und über einen Applikationsweg, der beim Menschen nicht verwendet wird.
- Die einzige klinische Studie in diesem Feld betraf CB4211, ein von CohBar entwickeltes MOTS-c-Analogon, nicht MOTS-c selbst. Veröffentlicht wurden lediglich Topline-Ergebnisse einer Phase-1-Studie, kein peer-reviewtes Dosisfindungsprotokoll.
- In Community-Foren kursieren Angaben von etwa 5 bis 10 mg pro Woche, aufgeteilt auf mehrere Gaben. Diese Zahlen stammen aus Erfahrungsberichten, sind klinisch nicht validiert und durch keine Pharmakokinetikdaten am Menschen gedeckt.
- Die Umrechnung von Milligramm in Mikrogramm ist reine Arithmetik (1 mg = 1000 mcg) und sagt nichts darüber aus, welche Menge sinnvoll oder sicher wäre.
- MOTS-c wird in der Literatur als trainingsinduziertes Peptid beschrieben (Reynolds et al., Nature Communications 2021). Das macht es zu einem Forschungsobjekt, nicht zu einem geprüften Wirkstoff.
- Wer sich mit MOTS-c beschäftigt, sollte den rechtlichen Status im eigenen Land prüfen und vor jeder Anwendung eine ärztliche Fachperson konsultieren.
Warum gibt es auf die Frage nach der MOTS-c Dosierung keine einfache Zahl?
Die Suchanfrage MOTS-c Dosierung erwartet in der Regel eine konkrete Zahl: so und so viele Milligramm, so und so oft pro Woche. Genau diese Zahl kann seriös nicht geliefert werden. MOTS-c ist ein mitochondrial kodiertes Peptid aus 16 Aminosäuren, das 2015 von der Arbeitsgruppe um Changhan Lee beschrieben wurde. Seither ist es Gegenstand präklinischer Forschung, überwiegend an Mäusen und an Zellkulturen. Eine Zulassung als Arzneimittel besteht weder in der Europäischen Union noch in den Vereinigten Staaten.
Der Unterschied zwischen einer Studiendosis und einer Dosierungsempfehlung ist dabei entscheidend. Eine Studiendosis beschreibt, was Forschende in einem definierten Modell, über einen definierten Applikationsweg und über einen definierten Zeitraum verabreicht haben. Eine Dosierungsempfehlung setzt dagegen voraus, dass Pharmakokinetik, Pharmakodynamik, Dosis-Wirkungs-Beziehung, Sicherheitsprofil und Langzeitverträglichkeit beim Menschen untersucht wurden. Für MOTS-c liegt keiner dieser Datensätze in publizierter Form vor.
Dieser Artikel dokumentiert daher, was tatsächlich verabreicht wurde, und zwar getrennt nach drei Evidenzebenen: erstens die Tierstudien mit ihren gewichtsnormierten Dosen, zweitens der einzige klinische Versuch in diesem Feld, der ein Analogon und nicht MOTS-c selbst betraf, und drittens die in Foren zirkulierenden Protokolle, die keinerlei wissenschaftliche Grundlage besitzen und hier ausdrücklich als nicht validiert gekennzeichnet werden.
Eine ausführliche Darstellung der Molekülbiologie, der beschriebenen Signalwege und des Forschungsstands finden Sie in unserem MOTS-c Leitfaden. Der vorliegende Text konzentriert sich ausschließlich auf die Dosisfrage und auf die praktischen Rechenfehler, die in diesem Zusammenhang immer wieder auftreten.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich Bildungszwecken. Er stellt keine medizinische Beratung dar, empfiehlt keine Dosierung und ersetzt kein ärztliches Gespräch. MOTS-c ist ein Forschungspeptid und nicht für den menschlichen Gebrauch zugelassen.
Welche MOTS-c Dosis wurde in Tierstudien verabreicht?
Die Referenzarbeit ist nach wie vor die Publikation von Lee und Kollegen in Cell Metabolism (2015). In den Fütterungsversuchen mit fettreicher Diät erhielten Mäuse 0,5 mg pro Kilogramm Körpergewicht und Tag, verabreicht als intraperitoneale Injektion, also in die Bauchhöhle. Über mehrere Wochen beobachteten die Autoren Effekte auf Gewichtszunahme, Insulinsensitivität und den Folatzyklus, vermittelt über eine Aktivierung der AMP-aktivierten Proteinkinase (AMPK).
Zwei Merkmale dieser Dosis werden in der Popularrezeption regelmäßig übersehen. Erstens ist sie gewichtsnormiert: 0,5 mg/kg bedeuten bei einer 25 Gramm schweren Maus rund 12,5 Mikrogramm pro Tag, nicht 0,5 mg. Zweitens ist der intraperitoneale Weg ein reines Laborverfahren. Er wird beim Menschen außerhalb sehr spezieller Indikationen nicht eingesetzt und besitzt eine andere Resorptionskinetik als eine subkutane Injektion.
Spätere Arbeiten bewegen sich in derselben Größenordnung. Reynolds et al. (Nature Communications, 2021) behandelten junge und alte Mäuse mit wiederholten intraperitonealen Gaben im einstelligen bis niedrigen zweistelligen mg/kg-Bereich über mehrere Wochen und untersuchten Laufleistung, Gangbild und muskuläre Genexpression. Yang et al. (2021) kombinierten MOTS-c-Injektionen mit einem Trainingsprotokoll und beschrieben additive Effekte auf PGC-1α und die Glukoseverwertung. Über die gesamte Rodentia-Literatur hinweg liegt die verwendete Spanne etwa zwischen 0,5 und 15 mg/kg pro Gabe, je nach Versuchsarm und Fragestellung.
| Studie | Modell | Verabreichte Dosis | Applikationsweg |
|---|---|---|---|
| Lee et al., Cell Metab. 2015 | Maus, fettreiche Diät | 0,5 mg/kg pro Tag | intraperitoneal |
| Reynolds et al., Nat Commun. 2021 | Maus, jung und gealtert | wiederholte Gaben im mg/kg-Bereich | intraperitoneal |
| Yang et al., BBA Mol Basis Dis. 2021 | Maus, Insulinresistenz plus Training | wiederholte Gaben im mg/kg-Bereich | intraperitoneal |
| Kim et al., Cell Metab. 2018 | Zellkultur und Maus | mechanistisch, keine therapeutische Dosisfindung | in vitro und in vivo |
Aus diesen Angaben lässt sich keine Humandosis ableiten. Tierstudien dieser Art sind Hypothesengeneratoren. Sie zeigen, dass ein Signalweg existiert und beeinflussbar ist. Sie zeigen nicht, welche Menge bei einem Menschen wirksam, verträglich oder überhaupt bioverfügbar wäre.
Gibt es eine etablierte MOTS-c Dosierung beim Menschen?
Die kurze Antwort lautet: nein. Es existiert kein zugelassenes MOTS-c-Präparat, keine publizierte Phase-2- oder Phase-3-Studie mit MOTS-c und keine peer-reviewte Dosisfindungsarbeit am Menschen. Wer im Netz auf eine angeblich etablierte Humandosis stößt, liest eine Extrapolation, eine Marketingaussage oder eine Forenkonvention, nicht ein Studienergebnis.
Die einzige klinische Aktivität in diesem Feld betraf CB4211, ein von der Firma CohBar entwickeltes Analogon von MOTS-c. CB4211 wurde 2021 in einer Phase-1a/1b-Studie an Personen mit Adipositas und nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung untersucht. Das Unternehmen veröffentlichte Topline-Ergebnisse, also eine zusammenfassende Mitteilung zu Sicherheit und einigen explorativen Endpunkten. Ein vollständiger Studienbericht mit Dosisstufen, Pharmakokinetik und statistischer Aufarbeitung wurde in der begutachteten Fachliteratur nie vorgelegt, und die weitere Entwicklung des Programms wurde nicht bis zur Zulassung fortgeführt.
Zwei Einschränkungen sind hier zentral. Erstens ist CB4211 nicht MOTS-c. Analoga werden chemisch modifiziert, um Stabilität, Halbwertszeit oder Löslichkeit zu verändern. Eine Dosis, die für ein Analogon gewählt wurde, lässt sich nicht auf das native Peptid übertragen. Zweitens war es eine Phase-1-Studie. Deren Zweck ist die Prüfung von Verträglichkeit und Sicherheit, nicht die Festlegung einer wirksamen Dosis. Für MOTS-c selbst existiert damit weder eine validierte orale noch eine validierte subkutane Humandosis.
Häufig wird versucht, die Lücke durch allometrische Umrechnung zu schließen. Nach der etablierten Methodik (Nair und Jacob, 2016; FDA-Leitlinie zur maximalen Startdosis) wird die Tierdosis mit dem Verhältnis der Körperoberflächenfaktoren multipliziert, für Maus zu Mensch also mit etwa 3/37. Aus 0,5 mg/kg bei der Maus ergäbe sich rechnerisch ein humanäquivalenter Wert von rund 0,04 mg/kg, bei 70 Kilogramm also etwa 2,8 mg. Diese Zahl ist ausdrücklich keine Empfehlung. Sie ist ein regulatorisches Instrument, um in einer überwachten Erststudie am Menschen eine konservative Startdosis abzuschätzen, und setzt vergleichbare Bioverfügbarkeit, vergleichbaren Applikationsweg und vergleichbaren Metabolismus voraus. Keine dieser Voraussetzungen ist für MOTS-c belegt.
Interessant ist außerdem, dass MOTS-c beim Menschen als endogenes Peptid messbar ist. Ramanjaneya und Kollegen (2019) beschrieben erniedrigte zirkulierende Spiegel mitochondrial abgeleiteter Peptide bei Personen mit Typ-2-Diabetes. Solche Beobachtungsdaten sind wissenschaftlich relevant, sagen aber nichts darüber aus, welche exogene Zufuhr diese Spiegel sinnvoll beeinflussen könnte.
Wie rechnet man Milligramm in Mikrogramm um?
Ein erheblicher Teil der Verwirrung rund um Peptiddosierungen entsteht nicht in der Pharmakologie, sondern in der Einheitenrechnung. Die Beziehung ist simpel und vollständig arithmetisch: 1 Milligramm (mg) entspricht 1000 Mikrogramm (mcg oder µg). Ein Faktor 1000 ist der häufigste und folgenreichste Fehler in Foren, Rechnern und handschriftlichen Notizen.
Die folgende Tabelle enthält ausschließlich diese Umrechnung. Sie ist keine Dosistabelle, empfiehlt keine Menge und trifft keine Aussage darüber, welcher Wert in irgendeinem Kontext angemessen wäre. Die aufgeführten Werte orientieren sich lediglich an gängigen Vialgrößen und Teilmengen.
| Milligramm (mg) | Mikrogramm (mcg) |
|---|---|
| 0,10 mg | 100 mcg |
| 0,25 mg | 250 mcg |
| 0,50 mg | 500 mcg |
| 1 mg | 1000 mcg |
| 2 mg | 2000 mcg |
| 2,5 mg | 2500 mcg |
| 5 mg | 5000 mcg |
| 10 mg | 10 000 mcg |
| 40 mg | 40 000 mcg |
In der Praxis kommt eine zweite Verwechslungsquelle hinzu: die Skalierung von Insulinspritzen. Eine U-100-Spritze ist in Insulineinheiten graduiert, nicht in Milliliter, und 100 Einheiten entsprechen 1 ml. Wer Einheiten mit Milligramm gleichsetzt, verwechselt eine Volumenangabe mit einer Massenangabe. Die auf der Spritze abgelesene Zahl sagt für sich genommen nichts über die enthaltene Peptidmenge aus, solange die Konzentration der rekonstituierten Lösung nicht bekannt ist.
Wer die allgemeine Systematik hinter Einheiten, Konzentrationen und Volumina nachvollziehen möchte, findet die Grundlagen in unserer Übersicht zu Peptid-Dosierungstabellen. Auch dort gilt: Die dargestellten Werte sind Rechengrößen und keine Anwendungsempfehlungen.
Wie wird ein 10-mg- oder 40-mg-Vial rekonstituiert?
MOTS-c wird, wie die meisten Forschungspeptide, als lyophilisiertes Pulver geliefert. Vor jeder Entnahme muss es mit einem Lösungsmittel, üblicherweise bakteriostatischem Wasser, in Lösung gebracht werden. Dieser Vorgang heißt Rekonstitution und verändert die enthaltene Peptidmenge nicht. Er legt lediglich fest, in welchem Volumen diese Menge verteilt ist.
Die zugrunde liegende Beziehung ist eine einfache Division: Konzentration gleich Masse geteilt durch Volumen. Daraus folgen zwei Konsequenzen, die in der Praxis oft nicht verstanden werden. Erstens: Dasselbe Vial ergibt bei kleinerem Lösungsvolumen eine höhere Konzentration und bei größerem Lösungsvolumen eine niedrigere. Zweitens: Ein 40-mg-Vial enthält die vierfache Masse eines 10-mg-Vials. Wird in beide dasselbe Lösungsvolumen gegeben, ist die Lösung aus dem 40-mg-Vial viermal konzentrierter. Ein Entnahmevolumen, das für das eine Vial berechnet wurde, ist für das andere schlicht falsch.
Weil jede Kombination aus Vialgröße, Lösungsvolumen und gewünschter Teilmenge eine eigene Rechnung erfordert, verweisen wir für die konkrete Kalkulation auf den MOTS-c Rekonstitutionsrechner. Dort geben Sie die Vialgröße und das von Ihnen gewählte Lösungsvolumen ein und erhalten die resultierende Konzentration. Der Rechner schlägt keine Menge vor. Er führt die Arithmetik aus, die Sie andernfalls von Hand erledigen müssten, und ersetzt keine fachliche Beurteilung.
Die sterile Handhabung selbst folgt bei allen lyophilisierten Peptiden demselben Ablauf: Desinfektion des Gummiseptums, langsames Einleiten des Lösungsmittels an der Glaswand entlang statt direkt auf das Pulver, vollständiges Auflösen ohne Schütteln, anschließende Kühlung. Die einzelnen Schritte haben wir in der Anleitung Peptid-Rekonstitution in fünf Schritten ausführlich beschrieben.
Ein oft übersehener Punkt betrifft die Etikettangabe. Die aufgedruckte Masse bezieht sich auf die vom Hersteller deklarierte Peptidmenge. Reinheit, tatsächlicher Peptidgehalt (im Gegensatz zum Nettogewicht inklusive Salzen und Restfeuchte) und Chargenkonsistenz sind bei Produkten mit dem Vermerk for research use only nicht behördlich überwacht. Ohne ein chargenspezifisches Analysenzertifikat bleibt die Ausgangsgröße jeder Rechnung eine Annahme.
Welche Frequenz und welches Timing werden berichtet?
In der präklinischen Literatur ist das Muster relativ einheitlich: tägliche intraperitoneale Injektionen über definierte Zeiträume von etwa zwei bis mehreren Wochen, in einzelnen Alterungsversuchen auch über längere Phasen. Diese tägliche Frequenz ergibt sich aus der kurzen erwarteten Verweildauer kleiner Peptide im Kreislauf und aus dem Studiendesign, nicht aus einer optimierten Dosierungslogik.
In Community-Foren kursiert demgegenüber ein ganz anderes Schema. Berichtet werden typischerweise Gesamtmengen von etwa 5 bis 10 mg pro Woche, aufgeteilt auf mehrere subkutane Gaben, häufig zwei bis fünf Applikationen, teils mit einer zeitlichen Kopplung an Trainingseinheiten. Manche Berichte beschreiben zyklische Phasen von einigen Wochen mit anschließender Pause.
Diese Angaben sind klinisch nicht validiert. Das ist keine formale Höflichkeitsfloskel, sondern eine präzise Aussage über den Evidenzstand. Es gibt für MOTS-c beim Menschen keine publizierten Pharmakokinetikdaten, also keine belastbaren Angaben zu Halbwertszeit, Bioverfügbarkeit nach subkutaner Gabe oder Akkumulation. Es gibt keine Dosis-Wirkungs-Kurve. Es gibt keine kontrollierten Sicherheitsdaten und keine Langzeitbeobachtung. Die Forenzahlen sind entstanden, indem Nutzer voneinander abgeschrieben und Erfahrungsberichte weitergereicht haben. Ihre wissenschaftliche Aussagekraft ist null.
Bemerkenswert ist zudem die Größenordnungsdifferenz zwischen beiden Welten. Die allometrisch aus der Mausstudie abgeleitete Startgröße lag im vorherigen Abschnitt bei rund 2,8 mg für eine 70 Kilogramm schwere Person, und zwar als konservative Schätzgröße für eine überwachte Erststudie. Forenprotokolle bewegen sich mit 5 bis 10 mg pro Woche in einer anderen Region. Diese Diskrepanz allein sollte als Warnsignal gelesen werden: Sie zeigt, dass die kursierenden Zahlen nicht aus der Literatur abgeleitet wurden.
Zum Timing rund um das Training existiert ebenfalls keine Humanevidenz. Die Idee stammt aus der Beobachtung, dass endogenes MOTS-c trainingsabhängig ansteigt. Der Schluss, eine exogene Gabe müsse deshalb vor oder nach dem Training erfolgen, ist eine Plausibilitätsannahme und keine geprüfte Hypothese. Ähnliche Überlegungen begegnen Ihnen auch bei anderen Substanzen aus diesem Umfeld, wie in unserer Übersicht zu Peptiden im Kontext von Fettverlust dargestellt.
Wie hängt MOTS-c mit körperlichem Training zusammen?
Die Verbindung zwischen MOTS-c und Bewegung ist der wissenschaftlich am besten dokumentierte Aspekt dieses Peptids. Reynolds und Kollegen (Nature Communications, 2021) zeigten, dass MOTS-c ein trainingsinduziertes, mitochondrial kodiertes Peptid ist. Nach akuter körperlicher Belastung stiegen die MOTS-c-Konzentrationen in Skelettmuskel und Plasma an. In Mausmodellen war eine Behandlung im späteren Lebensalter mit einer verbesserten körperlichen Leistungsfähigkeit und günstigeren muskulären Genexpressionsmustern assoziiert.
Daraus leitet sich die in der Literatur gebräuchliche Bezeichnung als Exercise Mimetic ab, also als Substanz, die Teile der molekularen Trainingsantwort nachbildet. Der zugrunde liegende Mechanismus wird über die AMPK-Achse und über eine Beeinflussung des Folat- und Methionin-Stoffwechsels beschrieben. Kim und Kollegen (Cell Metabolism, 2018) ergänzten, dass MOTS-c unter metabolischem Stress in den Zellkern transloziert und dort die Expression nukleärer Gene mitreguliert, was eine bemerkenswerte retrograde Kommunikationsrichtung von den Mitochondrien zum Kern beschreibt.
Wichtig ist die begriffliche Präzision: Mimetikum bedeutet nicht Ersatz. Kein publiziertes Ergebnis stützt die Annahme, dass eine exogene Gabe beim Menschen die Effekte eines Trainingsprogramms reproduzieren könnte. Die Arbeit von Yang et al. (2021) deutet im Gegenteil in eine andere Richtung: Dort wurden MOTS-c und Bewegung kombiniert untersucht, und die beobachteten Effekte auf PGC-1α und die Glukoseverwertung traten in der Kombination deutlicher hervor als in den Einzelbedingungen.
Eine weitere Facette betrifft die genetische Variabilität. Zempo und Kollegen (2021) beschrieben eine mitochondriale Variante innerhalb der MOTS-c-Sequenz (m.1382A>C), die in ostasiatischen Populationen mit einem veränderten Diabetesrisiko und mit unterschiedlichen Reaktionen auf körperliche Aktivität assoziiert war. Solche Befunde legen nahe, dass die biologische Antwort auf MOTS-c individuell variieren könnte, was eine pauschale Dosisangabe zusätzlich fragwürdig macht.
Für die Dosisfrage bedeutet das: Die Trainingsdaten belegen die physiologische Relevanz des Peptids, nicht die Sinnhaftigkeit oder Sicherheit einer bestimmten exogenen Menge. Eine vertiefte Darstellung der beschriebenen Signalwege finden Sie in der MOTS-c Monografie.
Welche Fehler treten bei Rekonstitution und Dosisberechnung auf?
Unabhängig davon, wie man zur Substanz selbst steht: Die wiederkehrenden Fehler in diesem Bereich sind technischer Natur und gut dokumentiert. Sie betreffen Rechnung, Handhabung und Lagerung.
- Faktor-1000-Fehler: Milligramm und Mikrogramm werden vertauscht. Das ist der folgenschwerste Rechenfehler überhaupt, weil er die Menge um drei Größenordnungen verfehlt.
- Einheiten statt Milliliter: Die Graduierung einer U-100-Insulinspritze wird als Massenangabe gelesen. 100 Einheiten entsprechen 1 ml Volumen, nicht einer bestimmten Peptidmenge.
- Vialgröße nicht angepasst: Ein für ein 10-mg-Vial berechnetes Entnahmevolumen wird unverändert auf ein 40-mg-Vial übertragen. Bei gleichem Lösungsvolumen ist die entnommene Masse dann vierfach.
- Schütteln statt Schwenken: Kräftiges Schütteln erzeugt Schaum und mechanische Scherkräfte, die Peptidstrukturen schädigen können. Das Lösungsmittel sollte langsam an der Glaswand entlang zugegeben und das Vial anschließend nur behutsam bewegt werden.
- Falsches Lösungsmittel: Bakteriostatisches Wasser enthält Benzylalkohol als Konservierungsmittel und ist für Mehrfachentnahmen gedacht. Steriles Wasser ohne Konservierung bietet diesen Schutz nicht. Die Wahl beeinflusst die realistische Haltbarkeit nach Anbruch erheblich.
- Lagerungsfehler: Lyophilisiertes Pulver ist deutlich stabiler als die rekonstituierte Lösung. Letztere gehört gekühlt, lichtgeschützt und sollte nicht wiederholt eingefroren und aufgetaut werden.
- Kontamination: Nicht desinfiziertes Septum, mehrfach verwendete Kanülen oder offene Arbeitsflächen führen zu mikrobieller Belastung, die man der klaren Lösung nicht ansieht.
- Unbekannte Reinheit: Ohne chargenspezifisches Analysenzertifikat (HPLC und Massenspektrometrie) ist die deklarierte Masse eine Herstellerangabe ohne unabhängige Prüfung.
Der wirksamste Schutz gegen die rechnerischen Fehler ist, die Kalkulation nicht im Kopf zu machen. Nutzen Sie dafür den Rekonstitutionsrechner für MOTS-c und kontrollieren Sie das Ergebnis mit einer zweiten, unabhängigen Rechnung. Die Arbeitsschritte selbst sind in unserer Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Rekonstitution dokumentiert.
Bleibt der entscheidende Punkt: Eine fehlerfreie Rechnung macht eine Anwendung nicht sicher. Sie beseitigt lediglich eine von mehreren Fehlerquellen. Die grundlegende Unsicherheit, dass für MOTS-c beim Menschen keine geprüfte Dosis existiert, bleibt davon vollständig unberührt.
Wann sollten Sie ärztlichen Rat einholen?
MOTS-c ist weder von der FDA noch von der EMA für die Anwendung am Menschen zugelassen. In der Europäischen Union und in der Schweiz werden derartige Substanzen als Forschungschemikalien vertrieben, häufig mit dem Vermerk nur zu Forschungszwecken. Der rechtliche Status von Erwerb, Besitz und Anwendung unterscheidet sich zwischen den Ländern erheblich und sollte vor jeder Beschäftigung mit dem Thema individuell geprüft werden.
Fachliche Beratung ist insbesondere in folgenden Konstellationen angezeigt:
- Bestehender Diabetes oder Prädiabetes: Die in der Literatur beschriebenen Effekte auf AMPK und Glukoseverwertung lassen eine Interaktion mit blutzuckersenkenden Medikamenten wie Insulin, Sulfonylharnstoffen oder Metformin zumindest theoretisch plausibel erscheinen. Ein zusätzlicher blutzuckersenkender Effekt kann eine Hypoglykämie begünstigen.
- Lebererkrankungen: Das klinische Programm zu CB4211 richtete sich auf die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung. Wer eine Leberdiagnose hat, gehört in ärztliche Begleitung und nicht in ein Selbstexperiment.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Es liegen keinerlei Sicherheitsdaten vor.
- Bestehende Dauermedikation: Interaktionsdaten fehlen vollständig, was eine Risikoabschätzung unmöglich macht.
- Leistungssport: Athletinnen und Athleten, die einem Dopingkontrollsystem unterliegen, sollten den Status der Substanz bei der zuständigen nationalen Anti-Doping-Organisation klären. Peptidhormone und Wachstumsfaktoren fallen unter die überwachten Klassen der WADA.
Suchen Sie unverzüglich ärztliche Hilfe bei Anzeichen einer allergischen Reaktion, bei ausgeprägten Symptomen einer Unterzuckerung wie Zittern, Verwirrtheit oder Kaltschweißigkeit, bei ausgedehnter Rötung oder Schwellung an einer Injektionsstelle sowie bei jeder unerwarteten und anhaltenden Symptomatik.
Abschließender Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Er enthält bewusst keine Dosierungsempfehlung, keine Anwendungsanleitung und keine Aussage darüber, dass eine Anwendung am Menschen sinnvoll oder sicher wäre. MOTS-c ist ein Forschungspeptid. Konsultieren Sie vor jeder gesundheitsbezogenen Entscheidung eine qualifizierte medizinische Fachperson.
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Häufig gestellte Fragen zur MOTS-c Dosierung
Welche MOTS-c Dosis wurde in der Originalstudie von 2015 verwendet?
Gibt es eine offizielle MOTS-c Dosierung für Menschen?
Was ist CB4211 und warum zählt es nicht als MOTS-c Dosis?
Wie sind die in Foren genannten 5 bis 10 mg pro Woche einzuordnen?
Wie viele Mikrogramm sind 1 mg MOTS-c?
Wie unterscheidet sich die Rekonstitution eines 10-mg- von einem 40-mg-Vial?
Ersetzt MOTS-c körperliches Training?
Wer sollte MOTS-c grundsätzlich meiden oder vorher ärztlichen Rat einholen?
Wissenschaftliche Quellen
- Lee C, Zeng J, Drew BG, et al. (2015). The mitochondrial-derived peptide MOTS-c promotes metabolic homeostasis and reduces obesity and insulin resistance. Cell Metabolism.
- Reynolds JC, Lai RW, Woodhead JST, et al. (2021). MOTS-c is an exercise-induced mitochondrial-encoded regulator of age-dependent physical decline and muscle homeostasis. Nature Communications.
- Kim KH, Son JM, Benayoun BA, Lee C. (2018). The mitochondrial-encoded peptide MOTS-c translocates to the nucleus to regulate nuclear gene expression in response to metabolic stress. Cell Metabolism.
- Yang B, Yu Q, Chang B, et al. (2021). MOTS-c interacts synergistically with exercise intervention to regulate PGC-1α expression, attenuate insulin resistance and enhance glucose metabolism in mice via AMPK signaling pathway. Biochimica et Biophysica Acta - Molecular Basis of Disease.
- Zempo H, Kim SJ, Fuku N, et al. (2021). A pro-diabetogenic mtDNA polymorphism in the mitochondrial-derived peptide, MOTS-c. Aging (Albany NY).
- Ramanjaneya M, Bettahi I, Jerobin J, et al. (2019). Mitochondrial-derived peptides are down regulated in diabetes subjects. Frontiers in Endocrinology.
- Merry TL, Chan A, Woodhead JST, et al. (2020). Mitochondrial-derived peptides in energy metabolism. American Journal of Physiology - Endocrinology and Metabolism.
- Nair AB, Jacob S. (2016). A simple practice guide for dose conversion between animals and human. Journal of Basic and Clinical Pharmacy.
- CohBar, Inc. (2021). CB4211 (MOTS-c analogue), Phase 1a/1b study in obesity and NAFLD, topline results only. ClinicalTrials.gov Registry.