Was ist Hexarelin und wie entstand es?
Hexarelin, in der Literatur auch als Examorelin bezeichnet, ist ein synthetisches Hexapeptid aus der Gruppe der Wachstumshormon-freisetzenden Peptide, englisch growth hormone-releasing peptides oder kurz GHRP. Die Aminosäurefolge lautet His-D-2-Methyl-Trp-Ala-Trp-D-Phe-Lys-NH₂, das Molekulargewicht liegt bei 887.04 g/mol und die Summenformel bei C₄₇H₅₈N₁₂O₆. Es handelt sich also nicht um ein Hormon, sondern um ein kleines, teilweise aus nicht natürlichen Bausteinen aufgebautes Peptid, das ein hormonelles Signal nachahmt.
Strukturell ist Hexarelin eine Weiterentwicklung von GHRP-6. Der Austausch des Tryptophans in Position 2 gegen 2-Methyl-Tryptophan und die Verwendung von D-Aminosäuren erhöhen die Stabilität gegenüber enzymatischem Abbau. Diese Designlogik erklärt, warum die GHRP-Familie als Reihe verwandter Moleküle verstanden werden muss und nicht als eine Substanz mit mehreren Namen: kleine Veränderungen am Peptidrückgrat verschieben Potenz, Halbwertszeit und, besonders relevant, die Selektivität gegenüber anderen Hypophysenhormonen.
Historisch wurden GHRP in den 1980er- und 1990er-Jahren zunächst als pharmakologische Werkzeuge entwickelt, um die Regulation der Wachstumshormonachse zu verstehen, und anschließend als mögliche diagnostische oder therapeutische Kandidaten geprüft. Hexarelin wurde in diesem Rahmen in klinischen Untersuchungen bei gesunden Erwachsenen, bei Kindern, bei älteren Menschen und bei Personen mit Hypophysenerkrankungen eingesetzt. Ein Zulassungsverfahren wurde nie erfolgreich abgeschlossen.
Wichtig für das Verständnis der folgenden Abschnitte ist die zeitliche Reihenfolge der Entdeckungen. Die GHRP wurden beschrieben, bevor man ihren Rezeptor kannte, und der Rezeptor wurde geklont, bevor man seinen körpereigenen Liganden kannte. Der 1996 von Howard und Kollegen in Science beschriebene Rezeptor wurde zunächst schlicht als Wachstumshormon-Sekretagogum-Rezeptor bezeichnet; erst später wurde Ghrelin als natürlicher Ligand identifiziert. Hexarelin ist damit chronologisch gesehen ein synthetisches Molekül, dessen biologische Einordnung erst nachträglich verstanden wurde.
Hinweis: Dieser Leitfaden dient ausschließlich Bildungszwecken. Hexarelin ist ein Forschungspeptid ohne Zulassung für den menschlichen Gebrauch. Besprechen Sie gesundheitliche Fragen mit einer medizinischen Fachperson.
Wie wirkt Hexarelin auf molekularer Ebene?
Der primäre Angriffspunkt von Hexarelin ist der GHS-R1a, ein G-Protein-gekoppelter Rezeptor, der 1996 von Howard und Mitarbeitenden aus Hypophyse und Hypothalamus kloniert wurde. Die Autoren zeigten, dass kleine synthetische Moleküle, die sie als Wachstumshormon-Sekretagoga bezeichneten, sowohl an der Hypophyse als auch am Hypothalamus ansetzen und die pulsatile Freisetzung von Wachstumshormon (GH) auslösen und verstärken. Dieser Rezeptor ist nicht derselbe, über den das hypothalamische GHRH wirkt.
Aus dieser Zweigleisigkeit folgt der pharmakologisch interessanteste Punkt der GHRP-Klasse: Sie greifen an einer anderen Stelle in die Wachstumshormonachse ein als GHRH-Analoga. GHRH-artige Substanzen wie Sermorelin stimulieren den GHRH-Rezeptor der somatotropen Zellen direkt. GHS-R1a-Agonisten wirken daneben auf hypothalamischer Ebene und beeinflussen das Zusammenspiel mit Somatostatin, dem hemmenden Gegenspieler der GH-Freisetzung. Wer die Unterschiede zwischen diesen beiden Wirkprinzipien nachlesen möchte, findet eine ausführliche Gegenüberstellung im Beitrag Sermorelin im Vergleich zu Ipamorelin.
Die GH-Freisetzung nach Gabe eines GHRP ist dementsprechend keine lineare Pumpenwirkung, sondern das Ergebnis eines Netzwerks. Die Antwort hängt vom Lebensalter, vom endogenen Somatostatin-Tonus, von der Tageszeit, vom Ernährungszustand und von der Hypophysenreserve ab. Studien an Kindern, Erwachsenen und älteren Personen haben wiederholt gezeigt, dass identische Reize sehr unterschiedliche Antworten hervorrufen können. Genau diese Variabilität ist einer der Gründe, weshalb die Klasse diagnostisch interessant blieb, therapeutisch aber schwer kontrollierbar ist.
Zusätzlich ist GHS-R1a nicht nur in der Hypophyse exprimiert, sondern auch in weiteren Geweben, was erklärt, warum Ghrelin-mimetische Substanzen über die GH-Achse hinaus Effekte zeigen, etwa auf Appetit und Magen-Darm-Motilität. Für Hexarelin kommt eine weitere Besonderheit hinzu, die der nächste Abschnitt behandelt: ein zweiter, von GHS-R1a unabhängiger Bindungspartner im Herzen.
Welche Rolle spielt der CD36-Rezeptor?
Die vielleicht wichtigste mechanistische Arbeit zu Hexarelin stammt von Bodart und Kollegen, veröffentlicht 2002 in Circulation Research. Die Gruppe markierte Rattenherzmembranen mit einem radioaktiven, photoaktivierbaren Hexarelin-Derivat und identifizierte ein Bindungsprotein mit einem Molekulargewicht von etwa 84 000. Dieses Protein erwies sich als CD36, ein multifunktionales Glykoprotein, das in Kardiomyozyten und in mikrovaskulären Endothelzellen exprimiert wird.
Entscheidend war der funktionelle Nachweis. In isoliert perfundierten Herzen erhöhte Hexarelin den koronaren Perfusionsdruck konzentrationsabhängig. Dieser Effekt fehlte in Herzen von CD36-defizienten Mäusen sowie in Herzen spontan hypertensiver Ratten, die genetisch kein funktionelles CD36 bilden, und die Stärke der Antwort korrelierte mit der CD36-Expression. Damit war gezeigt, dass mindestens ein Teil der kardiovaskulären Wirkung von Hexarelin über CD36 und nicht über den klassischen GHS-R1a vermittelt wird.
CD36 ist in der Physiologie vor allem als Scavenger-Rezeptor der Klasse B bekannt und am Transport langkettiger Fettsäuren, an der Aufnahme oxidierter Lipoproteine und an entzündlichen Signalwegen beteiligt. Dass ein GHRP an diesem Rezeptor ansetzt, macht Hexarelin zu einem pharmakologischen Sonderfall innerhalb seiner eigenen Substanzfamilie. Es erklärt auch, weshalb nicht jedes Wachstumshormon-Sekretagogum automatisch dieselben Herzeffekte aufweist.
Bei der Interpretation ist Nüchternheit angebracht. Die CD36-Befunde stammen aus präklinischen Modellen, also aus Nagerherzen und genetisch veränderten Tieren. Sie erklären eine Beobachtung, belegen aber keinen therapeutischen Nutzen beim Menschen. Welche langfristigen Folgen eine pharmakologische Aktivierung eines Rezeptors mit so breiter Rolle im Lipidstoffwechsel und in der Entzündungsregulation hätte, ist für Hexarelin nicht untersucht.
Was zeigen Humanstudien zur GH-Ausschüttung?
Dass Hexarelin beim Menschen GH freisetzt, ist gut belegt. Massoud, Hindmarsh und Brook veröffentlichten 1996 im Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism eine Dosis-Wirkungs-Untersuchung, in der Hexarelin GH freisetzte und zugleich Cortisol und Prolaktin anstieg. Schon diese frühe Arbeit zeigte also beides: eine kräftige somatotrope Antwort und eine fehlende Selektivität. Konkrete Mengenangaben aus den Studien werden in diesem Leitfaden bewusst nicht wiedergegeben.
Aufschlussreicher für die Frage, was wiederholte Anwendung bewirkt, ist eine Arbeit von Maccario, Veldhuis, Broglio und Kollegen, 2002 im European Journal of Endocrinology. Die Gruppe verglich zwei gegenüber drei subkutanen Gaben pro Tag und analysierte die GH-Sekretion über 24 Stunden mit Dekonvolutionsverfahren. Beide Schemata erhöhten mittlere und integrierte 24-Stunden-GH-Konzentrationen in gleichem Ausmaß. Zugenommen hatte die Masse der GH-Sekretionspulse, nicht ihre Frequenz; ebenso stiegen die tägliche GH-Produktionsrate, die GH-Halbwertszeit und die Unregelmäßigkeit des Sekretionsmusters.
Besonders bemerkenswert an derselben Studie ist, was sich nicht änderte: IGF-I, Prolaktin, ACTH und Cortisol blieben unverändert. Das ist ein wichtiger Befund, weil IGF-I als integrierender Marker der GH-Wirkung im Gewebe gilt. Ein messbarer GH-Anstieg im Blut bedeutet demnach nicht automatisch, dass sich die biologisch relevante Endstrecke der Achse verschiebt. Wer aus akuten Hormonkurven auf körperliche Wirkungen schließt, überdehnt die Datenlage.
Eine weitere Humanstudie betrachtete den Schlaf. Frieboes und Kollegen berichteten 2004 in Psychoneuroendocrinology, dass Hexarelin bei gesunden Freiwilligen den Anteil des Tiefschlafs (Slow-Wave-Schlaf) senkte und während des Schlafs die Sekretion von GH, ACTH, Cortisol und Prolaktin stimulierte. Das ist das gegenteilige Schlafmuster zu dem, was für Ghrelin selbst beschrieben wurde, und ein gutes Beispiel dafür, dass ein Rezeptoragonist seinen natürlichen Liganden nicht in allen Aspekten kopiert.
Zusammengefasst stützen die Humandaten eine klare pharmakodynamische Aussage: Hexarelin setzt zuverlässig GH frei, verändert die Pulsarchitektur der Achse und beeinflusst weitere Hypophysenhormone sowie den Schlaf. Was sie nicht stützen, sind Aussagen über Muskelmasse, Körperfett, Regeneration, Leistungsfähigkeit oder Alterungsprozesse. Solche Endpunkte wurden in kontrollierten Studien mit Hexarelin nicht belastbar geprüft.
Lässt die GH-Antwort bei längerer Anwendung nach?
Die Frage nach der Desensibilisierung ist für GHS-R1a-Agonisten zentral, weil sie den Unterschied zwischen einem diagnostischen Reiz und einer Dauerbehandlung markiert. Rahim und Shalet widmeten ihr eine eigene Analyse mit dem programmatischen Titel "Does desensitization to hexarelin occur?", veröffentlicht 1998 in Growth Hormone and IGF Research.
In der zugrunde liegenden Untersuchung erhielten zwölf gesunde ältere Personen über 16 Wochen zweimal täglich subkutan Hexarelin. Die mittlere Fläche unter der GH-Kurve betrug in Woche 0, 1, 4 und 16 jeweils 19.1, 13.1, 12.3 und 10.5 µg/l/Stunde. Die Abnahme in Woche 4 und Woche 16 war gegenüber dem Ausgangswert statistisch signifikant. Die somatotrope Antwort schwächte sich also im Verlauf der Anwendung messbar ab.
Der zweite Teil des Befundes ist genauso wichtig: Vier Wochen nach Abschluss der 16-wöchigen Phase stieg die GH-Antwort bei erneuter Gabe wieder signifikant an und unterschied sich nicht mehr bedeutsam von der Antwort in Woche 0. Die Autoren schlossen daraus, dass die Abschwächung partiell und reversibel ist. Es handelt sich also nicht um eine dauerhafte Erschöpfung der Hypophyse, sondern um eine Anpassung, die nach einer Pause zurückgeht.
Für die Einordnung bedeutet das zwei Dinge. Erstens: Die oft zu lesende Behauptung, GHRP verursachten eine irreversible Schädigung der Hypophysenfunktion, wird von diesen Daten nicht gestützt. Zweitens: Die ebenso verbreitete Annahme, die GH-Antwort bleibe über Monate konstant, wird ebenfalls nicht gestützt. Beide Vereinfachungen sind falsch, und zwar in unterschiedliche Richtungen.
Hinzu kommt der Befund aus der 24-Stunden-Analyse von Maccario und Kollegen, dass IGF-I unter wiederholter Gabe unverändert blieb. Eine abnehmende GH-Antwort bei gleichzeitig unveränderter IGF-I-Endstrecke ergibt insgesamt ein Bild, das sich nur schwer mit Erwartungen an eine anhaltende anabole Wirkung in Einklang bringen lässt.
Was ist über die Herzeffekte bekannt?
Die kardiale Forschungslinie zu Hexarelin ist der Grund, weshalb das Peptid über die Endokrinologie hinaus Aufmerksamkeit erhielt. Bisi und Kollegen untersuchten 1999 im European Journal of Pharmacology sieben erwachsene Männer mit Wachstumshormonmangel (mittleres Alter 42.0 ± 4.0 Jahre) mittels Äquilibrium-Radionuklid-Angiokardiographie und verglichen sie mit neun männlichen Kontrollpersonen (37.0 ± 2.7 Jahre).
Die linksventrikuläre Ejektionsfraktion (LVEF) lag bei den Patienten mit GH-Mangel im Ausgangszustand niedriger als bei den Kontrollen, nämlich 50 ± 1 Prozent gegenüber 63 ± 2 Prozent (p < 0.001). Nach intravenöser Gabe von Hexarelin stieg die LVEF in beiden Gruppen an, mit Spitzenwerten von 57 ± 2 bei den Patienten und 70 ± 2 bei den Kontrollen (jeweils p < 0.05 gegenüber dem Ausgangswert). Katecholaminspiegel, mittlerer Blutdruck und Herzzeitvolumen veränderten sich in keiner der beiden Gruppen. Die Autoren interpretierten dies als kurz anhaltenden positiv inotropen Effekt, der wahrscheinlich GH-unabhängig ist und über spezifische myokardiale Rezeptoren für Wachstumshormon-Sekretagoga vermittelt wird.
Die Unabhängigkeit von GH wurde im Tiermodell direkt geprüft. Locatelli, Rossoni und Kollegen zeigten 1999 in Endocrinology, dass Hexarelin bei hypophysektomierten Ratten, denen die Quelle des Wachstumshormons fehlt, die durch die Hypophysektomie verschärfte Ischämie-Reperfusionsschädigung verhinderte. Beobachtet wurden unter anderem ein Schutz vor Anstiegen des linksventrikulären enddiastolischen Drucks und des koronaren Perfusionsdrucks, eine geringere Freisetzung von Kreatinkinase in das Herzperfusat und eine bessere Wiedererlangung der Kontraktilität. Ein Effekt bei fehlender Hypophyse kann nicht über GH laufen.
Zusammen mit den CD36-Daten von Bodart und Kollegen ergibt sich ein kohärentes mechanistisches Bild: Hexarelin besitzt am Herzen einen eigenen, von der Wachstumshormonachse getrennten Wirkweg. Diese Kohärenz ist wissenschaftlich attraktiv, darf aber nicht mit klinischem Nutzen verwechselt werden. Die Humanbefunde beschränken sich auf kleine Gruppen, akute Messungen und kurzfristige Surrogatparameter der Pumpfunktion.
Was fehlt, ist der entscheidende Teil: randomisierte kontrollierte Studien mit harten Endpunkten wie Mortalität, Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz oder Belastbarkeit über Monate. Hexarelin ist deshalb keine Option für Herzerkrankungen, sondern ein Forschungsgegenstand, aus dem sich bislang keine Therapie entwickelt hat. Kardiologische Beschwerden gehören in die Hände einer Ärztin oder eines Arztes.
Wie beeinflusst Hexarelin Prolaktin, ACTH und Cortisol?
Hexarelin ist kein selektives GH-Sekretagogum. In der Dosis-Wirkungs-Studie von Massoud und Kollegen stiegen neben GH auch Cortisol und Prolaktin an. Arvat und Kollegen verglichen 1997 in Peptides die Effekte von GHRP-2 und Hexarelin auf GH, Prolaktin, ACTH und Cortisol beim Menschen und stellten sie den Antworten auf GHRH, TRH und humanes CRH gegenüber. Beide GHRP beeinflussten also mehrere Hypophysenachsen gleichzeitig, während GHRH im Vergleich auf die somatotrope Achse begrenzt bleibt.
Diese Mehrachsigkeit ist ein echter pharmakologischer Nachteil und kein Nebenaspekt. Eine wiederholte Stimulation der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenachse berührt Cortisolrhythmik, Glukosestoffwechsel, Knochenstoffwechsel und Immunfunktion. Rahim und Kollegen widmeten dieser Frage 1999 in Clinical Endocrinology eine eigene Arbeit zur Wirkung chronischer Hexarelin-Gabe auf die Hypophysen-Nebennierenachse und auf Prolaktin.
Die Datenlage ist dabei nicht einheitlich, und das ist wichtig zu wissen. In der 24-Stunden-Analyse von Maccario und Kollegen blieben Prolaktin, ACTH und Cortisol unter zwei beziehungsweise drei täglichen subkutanen Gaben unverändert, obwohl die GH-Sekretion deutlich zunahm. Akute Einzelreize und wiederholte Anwendung können demnach unterschiedliche Muster erzeugen, was methodisch plausibel ist: Eine akute Bolusgabe erzeugt einen scharfen Reiz, während ein wiederholtes Schema zusätzlich Anpassungsmechanismen aktiviert.
Die Schlaflaborarbeit von Frieboes und Kollegen fügt eine dritte Beobachtung hinzu. Dort stimulierte Hexarelin während des Schlafs GH, ACTH, Cortisol und Prolaktin und reduzierte gleichzeitig den Tiefschlaf. Cortisolanstiege in der Nacht sind physiologisch besonders ungünstig gelegen, weil die Achse in dieser Phase normalerweise ihren Tiefpunkt hat.
Praktisch bedeutsam ist daraus vor allem eines: Der Vergleich innerhalb der GHRP-Familie darf nicht nur die GH-Potenz betrachten. Ein Peptid, das stark GH freisetzt, aber zugleich Prolaktin und Cortisol anhebt, verhält sich endokrinologisch grundlegend anders als ein Peptid, das das nicht tut. Genau an diesem Punkt setzt der nächste Abschnitt an.
Wie unterscheidet sich Hexarelin von GHRP-2, GHRP-6 und Ipamorelin?
Alle vier genannten Peptide sind Agonisten am GHS-R1a, unterscheiden sich aber in Struktur, Potenz und, am wichtigsten, in der Selektivität. Hexarelin stammt strukturell von GHRP-6 ab und gilt als potentes Mitglied der Familie; die Arbeit von Arvat und Kollegen verglich es direkt mit GHRP-2 hinsichtlich GH, Prolaktin, ACTH und Cortisol.
Ipamorelin wurde dagegen gezielt auf Selektivität hin entwickelt. Raun und Kollegen beschrieben es 1998 im European Journal of Endocrinology als ersten GHRP-Rezeptoragonisten mit einer GH-Selektivität, die der von GHRH entspricht: Ipamorelin setzte ACTH und Cortisol nicht in einem Ausmaß frei, das sich signifikant von der GHRH-Stimulation unterschied, und zwar auch bei Mengen weit oberhalb der für die GH-Freisetzung wirksamen Schwelle. Dieses Selektivitätsprofil ist der Hauptgrund, weshalb Ipamorelin in der Literatur als pharmakologisch saubereres Werkzeug gilt.
| Peptid | Struktur | GHS-R1a | Bekannte Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Hexarelin | Hexapeptid, von GHRP-6 abgeleitet | Agonist | Zusätzliche Bindung an CD36 im Herzen; akut auch Prolaktin-, ACTH- und Cortisolanstiege |
| GHRP-2 | Hexapeptid | Agonist | Direkt mit Hexarelin verglichen; beeinflusst ebenfalls mehrere Hypophysenachsen |
| GHRP-6 | Hexapeptid, Ausgangsstruktur | Agonist | Historische Referenzsubstanz der Klasse |
| Ipamorelin | Pentapeptid | Agonist | Als selektives GH-Sekretagogum beschrieben, ohne signifikanten ACTH- und Cortisolanstieg gegenüber GHRH |
Der zweite relevante Vergleichspunkt ist die Abgrenzung gegenüber GHRH-Analoga, die über einen anderen Rezeptor wirken. Diese Unterscheidung wird im Beitrag Sermorelin im Vergleich zu Ipamorelin ausführlich behandelt und ist hilfreich, um die Wachstumshormonachse nicht als eine einzige Schaltstelle zu missverstehen.
Ein letzter Hinweis zur Einordnung: Keines dieser vier Peptide ist für die Anwendung am Menschen zugelassen, und ein günstigeres Selektivitätsprofil ist nicht gleichbedeutend mit nachgewiesener Sicherheit. Ipamorelin wirkt in Bezug auf ACTH und Cortisol selektiver als Hexarelin, doch auch für Ipamorelin fehlen Langzeitdaten beim Menschen. Die Unterschiede in dieser Tabelle sind pharmakologische Beschreibungen, keine Empfehlungen.
Welcher Status gilt und welche unerwünschten Wirkungen wurden berichtet?
Hexarelin ist von keiner großen Arzneimittelbehörde für den menschlichen Gebrauch zugelassen, weder von der FDA noch von der EMA. Es wird als Forschungssubstanz gehandelt und ist in dieser Form nicht als Arzneimittel qualitätsgeprüft. Der rechtliche Rahmen für Besitz, Einfuhr und Weitergabe unterscheidet sich je nach Land erheblich; prüfen Sie die Regelungen Ihrer Rechtsordnung, bevor Sie Annahmen treffen.
Im Sport ist die Lage eindeutig. Wachstumshormon-Sekretagoga einschließlich der GHRP stehen auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur in der Kategorie S2 (Peptidhormone, Wachstumsfaktoren, verwandte Substanzen und Mimetika). Examorelin, also Hexarelin, ist dort namentlich geführt, und die Kategorie S2 ist jederzeit verboten, im Wettkampf wie außerhalb. Für Wettkampfsportlerinnen und Wettkampfsportler bedeutet das ein Verstoßrisiko unabhängig vom Zeitpunkt der Anwendung.
Zu unerwünschten Wirkungen liegen vor allem Beobachtungen aus den oben beschriebenen Studien vor, nicht aus systematischen Sicherheitsprogrammen. Dokumentiert sind insbesondere endokrine Begleiteffekte: akute Anstiege von Prolaktin, ACTH und Cortisol sowie, in der Schlaflaborstudie von Frieboes und Kollegen, eine Verringerung des Tiefschlafanteils bei gleichzeitiger nächtlicher Stimulation dieser Hormone. Für die GHRP-Klasse insgesamt werden in der Literatur zudem vorübergehende Hitzegefühle, verstärkter Hunger und lokale Reaktionen an der Injektionsstelle beschrieben.
Darüber hinaus bestehen begründete theoretische Bedenken, die schlicht nicht geklärt sind. Dazu gehören die Folgen einer wiederholten Aktivierung der Nebennierenachse, mögliche Auswirkungen anhaltend erhöhter GH-Signale auf die Insulinempfindlichkeit, die unbekannten Langzeitkonsequenzen einer pharmakologischen CD36-Aktivierung und die generell fehlende Datenlage zur Anwendung über Monate oder Jahre. Besondere Vorsicht ist bei bestehenden Herz-, Stoffwechsel- oder Hypophysenerkrankungen sowie bei aktiven oder zurückliegenden Tumorerkrankungen angebracht, da die GH-IGF-I-Achse in diesem Zusammenhang diskutiert wird.
Fragen zur praktischen Handhabung des Peptids werden in diesem Leitfaden absichtlich nicht behandelt. Sie finden sie gebündelt auf der zugehörigen Hexarelin-Seite. Dieser Text ist ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken verfasst, stellt keine medizinische Beratung dar und spricht keine Anwendungsempfehlung aus. Wenden Sie sich bei gesundheitlichen Fragen an eine qualifizierte medizinische Fachperson.
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Häufige Fragen zu Hexarelin
Was ist Hexarelin genau?
Ist Hexarelin dasselbe wie Wachstumshormon?
Wie zuverlässig setzt Hexarelin Wachstumshormon frei?
Verliert Hexarelin bei längerer Anwendung seine Wirkung?
Warum wird Hexarelin im Zusammenhang mit dem Herzen erwähnt?
Wie unterscheidet sich Hexarelin von Ipamorelin?
Ist Hexarelin im Sport erlaubt?
Welche unerwünschten Wirkungen sind beschrieben?
Quellen
- Howard AD, Feighner SD, Cully DF, et al. (1996). A receptor in pituitary and hypothalamus that functions in growth hormone release. Science.
- Bodart V, Febbraio M, Demers A, et al. (2002). CD36 mediates the cardiovascular action of growth hormone-releasing peptides in the heart. Circulation Research.
- Massoud AF, Hindmarsh PC, Brook CG (1996). Hexarelin-induced growth hormone, cortisol, and prolactin release: a dose-response study. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism.
- Arvat E, di Vito L, Maccagno B, et al. (1997). Effects of GHRP-2 and hexarelin, two synthetic GH-releasing peptides, on GH, prolactin, ACTH and cortisol levels in man. Comparison with the effects of GHRH, TRH and hCRH. Peptides.
- Rahim A, Shalet SM (1998). Does desensitization to hexarelin occur?. Growth Hormone and IGF Research.
- Maccario M, Veldhuis JD, Broglio F, et al. (2002). Impact of two or three daily subcutaneous injections of hexarelin, a synthetic growth hormone (GH) secretagogue, on 24-h GH, prolactin, adrenocorticotropin and cortisol secretion in humans. European Journal of Endocrinology.
- Bisi G, Podio V, Valetto MR, et al. (1999). Cardiac effects of hexarelin in hypopituitary adults. European Journal of Pharmacology.
- Locatelli V, Rossoni G, Schweiger F, et al. (1999). Growth hormone-independent cardioprotective effects of hexarelin in the rat. Endocrinology.
- Frieboes RM, Antonijevic IA, Held K, et al. (2004). Hexarelin decreases slow-wave sleep and stimulates the secretion of GH, ACTH, cortisol and prolactin during sleep in healthy volunteers. Psychoneuroendocrinology.
- Rahim A, O'Neill PA, Shalet SM (1999). The effect of chronic hexarelin administration on the pituitary-adrenal axis and prolactin. Clinical Endocrinology.
- Raun K, Hansen BS, Johansen NL, et al. (1998). Ipamorelin, the first selective growth hormone secretagogue. European Journal of Endocrinology.
- World Anti-Doping Agency (2026). Prohibited List, Section S2: Peptide Hormones, Growth Factors, Related Substances and Mimetics (examorelin/hexarelin listed as a growth hormone secretagogue, prohibited at all times). WADA International Standard.