Was ist Mazdutid und wer steht hinter IBI362?
Mazdutid ist ein einmal wöchentlich subkutan verabreichtes Peptid, das zwei Rezeptoren gleichzeitig aktiviert: den Rezeptor für das Darmhormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) und den Glukagonrezeptor (GCGR). In der Literatur und in Studienregistern erscheint der Wirkstoff unter mehreren Bezeichnungen: IBI362 ist der Entwicklungsname von Innovent Biologics, LY3305677 der von Eli Lilly, OXM-3 verweist auf die chemische Herkunft.
Diese Herkunft erklärt das Wirkprofil. Mazdutid ist ein synthetisches Analogon des Oxyntomodulins, eines natürlichen Darmhormons, das aus demselben Vorläufermolekül wie Glukagon entsteht und von Natur aus beide Rezeptoren anspricht. Chemisch handelt es sich um ein lineares Peptid aus 33 Aminosäuren mit der Summenformel C₂₁₀H₃₂₂N₄₆O₆₇ und einer Molekülmasse von rund 4.563 g/mol. Zwei Modifikationen machen aus dem kurzlebigen Hormon ein wochenlang wirksames Molekül: der Austausch einer Aminosäure in Position 2 gegen Aib (alpha-Aminoisobuttersäure), was den enzymatischen Abbau bremst, und eine am Lysin in Position 20 angehängte C20-Fettdisäure, die das Peptid reversibel an Albumin im Blut bindet.
Die Entwicklungsgeschichte ist ungewöhnlich. Das Molekül stammt aus den Laboren von Eli Lilly. 2019 lizenzierte Lilly die Rechte für den chinesischen Markt an das Biotechunternehmen Innovent Biologics, das daraufhin ein eigenes, vollständig in China durchgeführtes Studienprogramm aufbaute. Daraus ergibt sich die heutige Situation: Die gesamte Phase-3-Evidenz zur Wirksamkeit stammt bislang aus chinesischen Kohorten, während Lilly die Rechte außerhalb Chinas hält und dort erst Phase-2-Daten publiziert hat.
Mazdutid gehört damit in eine Wirkstoffklasse, die über die reine GLP-1-Wirkung hinausgeht. Einen Überblick über diese Entwicklungslinie von einfachen GLP-1-Analoga zu dualen und dreifachen Agonisten finden Sie in unserem Guide zu den Inkretinen der nächsten Generation. Wichtig für die Einordnung: Mazdutid ist in China ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, kein Nahrungsergänzungsmittel und kein Lifestyleprodukt.
Wie wirkt die duale GLP-1-/Glukagon-Aktivierung?
Der GLP-1-Anteil der Wirkung ist aus der etablierten Praxis bekannt. Die Aktivierung des GLP-1-Rezeptors verstärkt die glukoseabhängige Insulinsekretion, dämpft die Glukagonfreisetzung bei erhöhtem Blutzucker, verlangsamt die Magenentleerung und wirkt über Rezeptoren im Hypothalamus und im Hirnstamm appetitmindernd. Das Ergebnis ist eine geringere Energieaufnahme bei gleichzeitig verbesserter Blutzuckerkontrolle.
Der zweite Arm ist der eigentliche Unterschied. Glukagon gilt klassisch als blutzuckersteigerndes Hormon, hat aber weitere Effekte: Es erhöht den Energieverbrauch, steigert die Fettsäureoxidation in der Leber und beeinflusst den Leberfettgehalt sowie den Lipidstoffwechsel. Die pharmakologische Idee hinter einem dualen Agonisten besteht darin, den Appetiteffekt von GLP-1 mit einem erhöhten Energieverbrauch über den Glukagonrezeptor zu kombinieren, während die GLP-1-Komponente die unerwünschte blutzuckersteigernde Wirkung des Glukagonanteils abfedert.
Diese Balance ist der kritische Punkt der ganzen Substanzklasse. Ein zu starker Glukagonanteil kann die Blutzuckerkontrolle verschlechtern, die Herzfrequenz erhöhen und den Eiweißstoffwechsel beeinflussen. Dass Mazdutid in den Diabetesstudien den HbA1c deutlich senkt, spricht dafür, dass die GLP-1-Komponente im klinisch eingesetzten Dosisbereich überwiegt. Wie groß der Beitrag der Glukagonachse zur beobachteten Gewichtsabnahme beim Menschen genau ist, lässt sich aus den vorliegenden Studien jedoch nicht quantifizieren. Dafür wären Mechanismusstudien mit direkter Messung des Energieverbrauchs und selektiver Rezeptorblockade nötig.
Pharmakokinetisch ist Mazdutid für die wöchentliche Gabe konstruiert. Die Fettsäureseitenkette bindet das Peptid an Albumin, was renale Ausscheidung und enzymatischen Abbau verzögert. In allen Phase-2- und Phase-3-Programmen wurde die Substanz subkutan einmal pro Woche verabreicht, mit einer stufenweisen Dosissteigerung über mehrere Wochen, um die gastrointestinale Verträglichkeit zu verbessern. Konkrete Dosierungsschemata bleiben in diesem Artikel bewusst außen vor: Sie gehören in die Verantwortung behandelnder Ärztinnen und Ärzte und richten sich nach der jeweils gültigen Fachinformation.
Wo ist Mazdutid zugelassen und wofür?
Die erste Zulassung von Mazdutid erfolgte in China. Ende Juni 2025 erteilte die National Medical Products Administration (NMPA) die Genehmigung für das langfristige Gewichtsmanagement bei Erwachsenen mit einem Body-Mass-Index von mindestens 28 kg/m² oder von mindestens 24 kg/m² in Kombination mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung, jeweils zusätzlich zu Ernährungsumstellung und mehr körperlicher Aktivität. Damit war Mazdutid der erste duale GCG/GLP-1-Rezeptoragonist weltweit, der eine Marktzulassung erhielt.
Im September 2025 folgte in China eine zweite Indikation: die Blutzuckerkontrolle bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Grundlage dafür war das DREAMS-Programm. Beide Indikationen gelten ausschließlich für den chinesischen Markt. Die zugelassenen Stärken, Warnhinweise und Gegenanzeigen richten sich nach der chinesischen Fachinformation.
Die BMI-Schwellen der Zulassung spiegeln eine Besonderheit wider: In China gelten niedrigere Grenzwerte für Übergewicht und Adipositas als in Europa oder Nordamerika, weil kardiometabolische Risiken in ostasiatischen Populationen bereits bei geringerem BMI auftreten. Das erklärt auch, warum die Teilnehmenden der chinesischen Zulassungsstudien im Durchschnitt leichter waren als die Kohorten westlicher Adipositasstudien, und warum sich prozentuale Gewichtsveränderungen zwischen diesen Programmen nicht ohne Weiteres vergleichen lassen.
Die Zulassungsgeschichte ist in der Fachliteratur dokumentiert: Die Zeitschrift Drugs veröffentlichte 2025 ein Wirkstoffprofil unter dem Titel "Mazdutide: First Approval", das Entwicklungsweg, Indikation und Datenlage zum Zeitpunkt der ersten Zulassung zusammenfasst. Für die höhere Dosisstärke von 9 mg wurde in China zusätzlich ein Ergänzungsantrag zur Prüfung angenommen. Bitte beachten Sie, dass sich der Zulassungsstatus eines Arzneimittels jederzeit ändern kann und regional unterschiedlich ist. Verbindlich ist immer die aktuelle Information der zuständigen Behörde.
Was zeigen die GLORY-Studien zur Gewichtsreduktion?
GLORY-1 ist die Zulassungsstudie zum Gewichtsmanagement und wurde 2025 im New England Journal of Medicine publiziert. In diese doppelblinde, placebokontrollierte Phase-3-Studie wurden in China 610 Erwachsene zwischen 18 und 75 Jahren eingeschlossen, die einen BMI von mindestens 28 oder einen BMI von 24 bis unter 28 mit mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung hatten. Das mittlere Körpergewicht lag zu Studienbeginn bei 87,2 kg, der mittlere BMI bei 31,1. Die Teilnehmenden erhielten über 48 Wochen wöchentlich Mazdutid 4 mg, Mazdutid 6 mg oder Placebo.
Die beiden primären Endpunkte wurden in Woche 32 erhoben. Die mittlere prozentuale Gewichtsveränderung gegenüber dem Ausgangswert betrug minus 10,09 Prozent in der 4-mg-Gruppe, minus 12,55 Prozent in der 6-mg-Gruppe und plus 0,45 Prozent unter Placebo. Eine Gewichtsabnahme von mindestens 5 Prozent erreichten 73,9 Prozent (4 mg), 82,0 Prozent (6 mg) und 10,5 Prozent (Placebo). Alle Vergleiche gegenüber Placebo waren statistisch signifikant.
Über die vollen 48 Wochen setzte sich die Gewichtsabnahme fort. Nach der in der Publikation berichteten Wirksamkeitsanalyse lagen die mittleren Veränderungen bei minus 12,05 Prozent (4 mg), minus 14,84 Prozent (6 mg) und minus 0,47 Prozent (Placebo). Begleitend verbesserten sich mehrere kardiometabolische Parameter, darunter Taillenumfang, Blutdruck, Blutfette, Harnsäure und Leberfettgehalt. Diese Befunde sind sekundäre Endpunkte und belegen keine Reduktion klinischer Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall.
GLORY-2 prüfte die höhere Dosis von 9 mg bei Erwachsenen mit ausgeprägterer Adipositas und wurde 2026 im JAMA publiziert. 461 Erwachsene in China mit einem mittleren Alter von 34 Jahren und einem mittleren BMI von 34, von denen 16 Prozent einen Typ-2-Diabetes hatten, erhielten über 60 Wochen Mazdutid 9 mg oder Placebo. Die mittlere Gewichtsabnahme betrug 16,65 Prozent in der Mazdutid-Gruppe gegenüber 1,50 Prozent unter Placebo. Gleichzeitig traten gastrointestinale Nebenwirkungen in der Mazdutid-Gruppe deutlich häufiger auf als unter Placebo.
Bei der Einordnung dieser Zahlen sind drei Punkte wichtig. Erstens stammen alle GLORY-Daten aus chinesischen Kohorten mit niedrigerem Ausgangsgewicht als in westlichen Studien. Zweitens unterscheiden sich die statistischen Auswertungsmethoden (Behandlungsstrategie- gegenüber Wirksamkeitsanalyse) zwischen den Berichten, was die genannten Prozentwerte um einige Zehntel bis Prozentpunkte verschiebt. Drittens erhielten alle Gruppen eine begleitende Lebensstilintervention, deren Beitrag sich nicht vollständig herausrechnen lässt.
Was zeigen die DREAMS-Studien bei Typ-2-Diabetes?
Das DREAMS-Programm prüft Mazdutid bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Zwei Phase-3-Studien wurden 2026 in Nature veröffentlicht. In DREAMS-1 erhielten 320 Erwachsene in China, deren Diabetes mit Ernährung und Bewegung allein nicht ausreichend kontrolliert war, über 24 Wochen wöchentlich Mazdutid 4 mg, Mazdutid 6 mg oder Placebo als Monotherapie.
In Woche 24 sank der HbA1c gegenüber dem Ausgangswert um 1,57 Prozentpunkte unter 4 mg und um 2,15 Prozentpunkte unter 6 mg, verglichen mit 0,14 Prozentpunkten unter Placebo. Deutlich mehr Teilnehmende unter Mazdutid erreichten einen HbA1c unter 7,0 Prozent, eine Gewichtsabnahme von mindestens 5 Prozent sowie den zusammengesetzten Endpunkt aus beidem. Häufigste Nebenwirkungen waren Durchfall, verminderter Appetit und Übelkeit, also das für GLP-1-Rezeptoragonisten typische Muster.
DREAMS-2 war eine aktiv kontrollierte Studie. 731 Erwachsene mit Typ-2-Diabetes, der unter Metformin allein oder in Kombination mit weiteren oralen Antidiabetika unzureichend kontrolliert war, erhielten über 28 Wochen Mazdutid 4 mg, Mazdutid 6 mg oder Dulaglutid 1,5 mg. Die mittlere HbA1c-Senkung betrug 1,69 Prozentpunkte (4 mg) und 1,73 Prozentpunkte (6 mg) gegenüber 1,36 Prozentpunkten unter Dulaglutid, womit beide Mazdutid-Dosen statistisch überlegen waren. Beim Körpergewicht war der Unterschied ausgeprägter: minus 7,31 Prozent und minus 9,24 Prozent gegenüber minus 2,86 Prozent unter Dulaglutid.
Eine dritte Studie, DREAMS-3, verglich Mazdutid direkt mit Semaglutid bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas. Nach einer Mitteilung des Unternehmens vom Oktober 2025 erreichten in Woche 32 48,0 Prozent der Mazdutid-Gruppe gegenüber 21,0 Prozent der Semaglutid-Gruppe den kombinierten primären Endpunkt aus HbA1c unter 7,0 Prozent und mindestens 10 Prozent Gewichtsabnahme. Diese Angaben stammen aus einer Unternehmensmitteilung und aus Kongressberichten. Solange die vollständige, begutachtete Publikation nicht vorliegt, sind sie als vorläufig zu betrachten.
Für die Einordnung bedeutet das: Bei Typ-2-Diabetes ist die Evidenzlage für Mazdutid in China konsistent, umfasst aber überwiegend Behandlungszeiträume von sechs bis sieben Monaten. Ergebnisse einer dedizierten kardiovaskulären Endpunktstudie, wie sie für mehrere etablierte GLP-1-Rezeptoragonisten vorliegen, sind für Mazdutid bislang nicht publiziert.
Welche Nebenwirkungen sind dokumentiert?
Das Nebenwirkungsprofil von Mazdutid ist in den publizierten Studien klar dominiert von gastrointestinalen Beschwerden. Übelkeit, Durchfall, Erbrechen und verminderter Appetit waren in allen Programmen die häufigsten unerwünschten Ereignisse. Sie traten überwiegend während der Phase der Dosissteigerung auf und waren meist leicht bis mittelschwer ausgeprägt.
Die Häufigkeit hängt stark von der Dosis ab. In der 9-mg-Studie GLORY-2 berichteten 53,1 Prozent der Teilnehmenden unter Mazdutid über Erbrechen (gegenüber 1,3 Prozent unter Placebo), 46,9 Prozent über Übelkeit (gegenüber 3,2 Prozent) und 39,4 Prozent über Durchfall (gegenüber 6,5 Prozent). Trotz dieser hohen Raten brachen 2,9 Prozent der Mazdutid-Gruppe die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab, gegenüber 0 Prozent unter Placebo. In den niedrigeren Dosisgruppen von GLORY-1 (4 mg und 6 mg) lagen die Abbruchraten wegen Nebenwirkungen im einstelligen Prozentbereich und damit nahe am Placeboniveau.
Darüber hinaus wurde in GLORY-1 ein leichter Anstieg der Herzfrequenz beobachtet, im Mittel wenige Schläge pro Minute über den Behandlungsverlauf. Ein solcher Effekt ist von GLP-1-Rezeptoragonisten bekannt. Bei dualen Agonisten mit Glukagonkomponente wird er besonders aufmerksam verfolgt, weil die Glukagonachse Energieverbrauch und Herzarbeit beeinflusst.
Weitere Vorsichtspunkte ergeben sich aus der Substanzklasse insgesamt: akute Pankreatitis als seltenes, aber ernstes Ereignis, Gallenblasenerkrankungen bei schneller Gewichtsabnahme, ein erhöhtes Hypoglykämierisiko in Kombination mit Insulin oder insulinotropen Tabletten sowie besondere Hinweise für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen. Eine breitere Darstellung dieser klassenspezifischen Risiken, von der Dosissteigerung über den Verlust an Muskelmasse bis zur Gewichtszunahme nach Absetzen, finden Sie in unserem Artikel zu den Nebenwirkungen von GLP-1-Rezeptoragonisten. Welche Gegenanzeigen konkret gelten, steht in der jeweils zugelassenen Fachinformation und unterscheidet sich zwischen Ländern.
Wichtiger Hinweis: Diese Übersicht ersetzt keine medizinische Beratung. Die Beurteilung, ob eine Substanz dieser Klasse für eine Person geeignet ist, erfordert eine individuelle ärztliche Abklärung einschließlich Vorerkrankungen, Begleitmedikation und Laborwerten.
Ist Mazdutid außerhalb Chinas erhältlich?
Nein. Mit Stand Oktober 2026 ist Mazdutid ausschließlich in China zugelassen. In den USA, in der Europäischen Union, im Vereinigten Königreich und in der Schweiz ist der Wirkstoff ein Prüfpräparat ohne Marktzulassung. Weder die FDA noch die EMA haben ein Zulassungsverfahren abgeschlossen. Eine reguläre Anwendung außerhalb Chinas ist damit nur im Rahmen klinischer Studien möglich.
Die Entwicklung außerhalb Chinas liegt bei Eli Lilly, das die internationalen Rechte behalten hat. 2026 erschien in The Lancet Diabetes & Endocrinology die erste US-amerikanische Phase-2-Studie mit 179 Erwachsenen mit Adipositas oder Übergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung, jedoch ohne Typ-2-Diabetes. Je nach geprüftem Dosierungsschema lagen die mittleren Gewichtsabnahmen zwischen 7,3 Prozent und 18,1 Prozent gegenüber 0,9 Prozent unter Placebo, wobei das Schema mit der größten Abnahme auch die höchste Abbruchrate aufwies. Eine Phase-2-Studie belegt weder langfristige Wirksamkeit noch langfristige Sicherheit und war nicht als direkter Vergleich mit zugelassenen Adipositasmedikamenten angelegt.
Parallel zu dieser regulären Entwicklung wird Mazdutid auf Graumärkten als sogenanntes Forschungspeptid angeboten. Solche Produkte sind pharmazeutisch nicht mit einem zugelassenen Arzneimittel vergleichbar: Es gibt keine behördlich geprüfte Identität, Reinheit, Dosiergenauigkeit oder Sterilität, keine Chargenfreigabe, keine Nachverfolgbarkeit bei Qualitätsproblemen und keine Haftung. Analysen von Peptiden aus solchen Quellen haben wiederholt Abweichungen beim Wirkstoffgehalt und Verunreinigungen gezeigt. Hinzu kommen rechtliche Risiken, die je nach Land unterschiedlich ausfallen und Einfuhr sowie Besitz betreffen können.
Aus diesen Gründen enthält dieser Guide bewusst keine Bezugsquellen, keine Preisangaben und keine Kauflinks. Wenn Sie eine medikamentöse Gewichtsregulation erwägen, ist der sinnvolle Weg ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt über die in Ihrem Land zugelassenen Optionen, etwa Semaglutid oder Tirzepatid, sowie über Teilnahmemöglichkeiten an klinischen Studien.
Wie unterscheidet sich Mazdutid von Survodutid, Tirzepatid und Retatrutid?
Mazdutid ist nicht der einzige duale GLP-1-/Glukagon-Agonist in der klinischen Entwicklung. Survodutid (BI 456906, Boehringer Ingelheim und Zealand Pharma) verfolgt denselben Mechanismus. In einer Phase-2-Dosisfindungsstudie mit 387 Erwachsenen ohne Typ-2-Diabetes erreichte die höchste geprüfte Dosis von 4,8 mg nach 46 Wochen eine mittlere Gewichtsabnahme von 18,7 Prozent. Die Phase-3-Studie SYNCHRONIZE-1 mit 725 Teilnehmenden zeigte nach 76 Wochen mittlere Gewichtsveränderungen von minus 12,2 Prozent (3,6 mg) und minus 13,0 Prozent (6,0 mg) gegenüber minus 5,4 Prozent unter Placebo, wobei alle Gruppen eine Lebensstilintervention erhielten, was die ausgeprägte Placeboreaktion erklärt.
Tirzepatid arbeitet mit einer anderen Rezeptorkombination, nämlich GIP und GLP-1 statt Glukagon und GLP-1. In der chinesischen Phase-3-Studie SURMOUNT-CN mit 210 Erwachsenen ohne Diabetes betrug die mittlere Gewichtsveränderung nach 52 Wochen minus 13,6 Prozent unter 10 mg und minus 17,5 Prozent unter 15 mg gegenüber minus 2,3 Prozent unter Placebo. Retatrutid geht noch einen Schritt weiter und aktiviert drei Rezeptoren (GIP, GLP-1 und Glukagon). In der Phase-2-Studie lag die mittlere Gewichtsabnahme nach 48 Wochen bei 24,2 Prozent unter der höchsten geprüften Dosis.
| Wirkstoff | Zielrezeptoren | Entwickler | Status (Oktober 2026) | Ausgewählte Studiendaten |
|---|---|---|---|---|
| Mazdutid (IBI362) | GLP-1 und Glukagon | Eli Lilly, Innovent (China) | In China zugelassen, sonst Prüfpräparat | GLORY-1: minus 10,09 % (4 mg) und minus 12,55 % (6 mg) in Woche 32; GLORY-2: minus 16,65 % (9 mg) in Woche 60 |
| Survodutid (BI 456906) | GLP-1 und Glukagon | Boehringer Ingelheim, Zealand Pharma | Prüfpräparat, Phase 3 | Phase 2: minus 18,7 % (4,8 mg) in Woche 46; SYNCHRONIZE-1: minus 13,0 % (6 mg) in Woche 76 |
| Tirzepatid | GIP und GLP-1 | Eli Lilly | In vielen Ländern zugelassen | SURMOUNT-CN: minus 17,5 % (15 mg) in Woche 52 |
| Retatrutid | GIP, GLP-1 und Glukagon | Eli Lilly | Prüfpräparat, Phase 3 | Phase 2: minus 24,2 % (höchste Dosis) in Woche 48 |
Diese Zahlen lassen sich nicht als Rangliste lesen. Die Studien unterscheiden sich in Population und Ausgangsgewicht (chinesische Kohorten mit einem mittleren BMI um 31 bis 34 gegenüber westlichen Kohorten mit deutlich höherem BMI), in der Behandlungsdauer (32 bis 76 Wochen), in der Intensität der begleitenden Lebensstilintervention und in der statistischen Auswertungsmethode. Nur direkte Vergleichsstudien erlauben belastbare Aussagen über relative Wirksamkeit.
Inhaltlich interessant ist der Unterschied in der Begründung der Mechanismen. Der Glukagonarm von Mazdutid und Survodutid zielt unter anderem auf den Leberstoffwechsel, weshalb beide Substanzen auch bei metabolisch assoziierter Fettlebererkrankung untersucht werden. Der GIP-Arm von Tirzepatid wirkt dagegen stärker über Appetitregulation und Insulinsensitivität. Welcher Ansatz bei welchem Patientenprofil überlegen ist, bleibt eine offene Forschungsfrage.
Welche wissenschaftlichen Fragen bleiben offen?
Die erste offene Frage betrifft die Übertragbarkeit. Die gesamte Phase-3-Evidenz zu Mazdutid stammt aus China. Ob dieselben Dosen bei Populationen mit höherem Ausgangs-BMI, anderer Körperzusammensetzung und anderem genetischen Hintergrund vergleichbar wirken und verträglich sind, muss die internationale Entwicklung zeigen. Die bislang publizierte US-Phase-2-Studie liefert erste Hinweise, ersetzt aber keine Phase-3-Daten.
Die zweite Frage ist die Langfristigkeit. Die längste publizierte Behandlungsdauer beträgt 60 Wochen (GLORY-2). Adipositas und Typ-2-Diabetes sind chronische Erkrankungen, deren Behandlung über Jahre angelegt ist. Zu Wirksamkeit und Sicherheit über mehrere Jahre, zur Gewichtsentwicklung nach Absetzen und zum Verlauf der Körperzusammensetzung einschließlich Muskelmasse liegen für Mazdutid noch keine ausreichenden Daten vor.
Die dritte Frage betrifft harte klinische Endpunkte. Die beobachteten Verbesserungen bei Blutdruck, Blutfetten, Harnsäure und Leberfettgehalt sind biologisch plausibel, sagen aber nicht automatisch etwas über Herzinfarkte, Schlaganfälle, Nierenversagen oder Sterblichkeit aus. Für mehrere etablierte GLP-1-Rezeptoragonisten existieren dedizierte kardiovaskuläre Endpunktstudien, für Mazdutid sind solche Ergebnisse bislang nicht publiziert. Ebenso stehen die Resultate der direkten Vergleichsstudien mit Semaglutid, darunter GLORY-3 bei Übergewicht mit Fettlebererkrankung, in begutachteter Form noch aus.
Schließlich bleibt die mechanistische Frage, welchen Anteil die Glukagonachse an der Gesamtwirkung tatsächlich hat und ob sich daraus Vorteile bei Lebererkrankungen ableiten lassen, die über die Gewichtsabnahme hinausgehen. Erst solche Analysen würden begründen, warum ein dualer Agonist einem gut verträglichen GLP-1-Monoagonisten vorzuziehen wäre.
Medizinischer Haftungsausschluss: Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken und stellt keine medizinische Beratung dar. Mazdutid ist außerhalb Chinas nicht zugelassen. Es werden bewusst keine Dosierungen, Anwendungsschemata oder Bezugsquellen genannt. Der rechtliche Status von Peptidwirkstoffen unterscheidet sich je nach Land. Treffen Sie keine Entscheidung über Diagnose oder Behandlung ohne Rücksprache mit einer qualifizierten medizinischen Fachperson.
Empfohlene Produkte
Forschungspeptide ausgewählt für Qualität und Reinheit:
GHK-Cu
Anti-Aging-Peptid
Testen Sie Ihr Wissen
Schnell-Quiz · 6 Fragen
Peptide Lab: kostenloser Rechner & Tracker
Berechnen Sie Ihre Rekonstitution, verfolgen Sie Peptide und Injektionen. Kostenlos, ohne Kreditkarte.
Häufige Fragen zu Mazdutid
Was ist Mazdutid genau?
Ist Mazdutid in Europa oder den USA zugelassen?
Wie viel Gewichtsabnahme wurde in den Studien beobachtet?
Was unterscheidet Mazdutid von Semaglutid?
Welche Nebenwirkungen treten am häufigsten auf?
Ist Mazdutid dasselbe wie Survodutid?
Gibt es Daten zu Herz-Kreislauf-Ereignissen?
Kann man Mazdutid als Forschungspeptid kaufen?
Quellen
- Ji L, Jiang H, Bi Y, et al. (GLORY-1 Investigators) (2025). Once-Weekly Mazdutide in Chinese Adults with Obesity or Overweight. New England Journal of Medicine.
- GLORY-2 Investigators (2026). Treatment With 9-mg Mazdutide for Weight Reduction in Chinese Adults With Obesity: The GLORY-2 Randomized Clinical Trial. JAMA.
- DREAMS-1 Investigators (2026). Mazdutide versus placebo in Chinese adults with type 2 diabetes. Nature.
- DREAMS-2 Investigators (2026). Mazdutide versus dulaglutide in Chinese adults with type 2 diabetes. Nature.
- Shirley M (2025). Mazdutide: First Approval. Drugs.
- Ji L, et al. (2023). A phase 2 randomised controlled trial of mazdutide in Chinese overweight adults or adults with obesity. Nature Communications.
- Studiengruppe der US-amerikanischen Phase-2-Studie (2026). Efficacy and safety of mazdutide in adults with obesity or overweight: a US-based, multicentre, phase 2, randomised, placebo-controlled clinical trial. The Lancet Diabetes & Endocrinology.
- le Roux CW, Steen O, Lucas KJ, Startseva E, Unseld A, Hennige AM (2024). Glucagon and GLP-1 receptor dual agonist survodutide for obesity: a randomised, double-blind, placebo-controlled, dose-finding phase 2 trial. The Lancet Diabetes & Endocrinology.
- SYNCHRONIZE-1 Investigators (2026). Survodutide Once Weekly for the Treatment of Adults with Obesity. New England Journal of Medicine.
- Zhao L, Cheng Z, Lu Y, et al. (2024). Tirzepatide for Weight Reduction in Chinese Adults With Obesity: The SURMOUNT-CN Randomized Clinical Trial. JAMA.
- Jastreboff AM, et al. (2023). Triple-Hormone-Receptor Agonist Retatrutide for Obesity: A Phase 2 Trial. New England Journal of Medicine.